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08 November 2009

Der Pianomann


Ein Abend im Frühherbst am Lago Maggiore.
Ein Strassenkünstler rollt sein altes Klavier herbei, platziert es auf dem Trottoir unter die Bäume und beginnt zu spielen.
Vereinzelt bleiben Leute stehen und hören.
Wir haben soeben fertig gegessen in der Trattoria am Hafen. Polenta und Brasato. Nun gesellen wir uns zur Gruppe der Zuhörenden, die sich um den Strassenkünstler schart. Es werden immer mehr. Paare, Kinder, eine Gruppe Menschen mit Downsyndrom, ein weisser und ein schwarzer Schnauzer, junge Frauen auf Klassenfahrt.

Die Pianistenfinger fliegen über die Tasten. Der Mann versteht es aus dem effeff, uns für sich einzunehmen. Während des Applauses strahlt er in die Runde, bedankt sich mit einem freundlichen Kopfnicken und moduliert gleichzeitig weiter zum nächsten Stück, Interaktion zwischen Künstler und Publikum vom Besten. Sein Programm ist bunt und vielfältig wie die Zuhörenden. In jungen Jahren hätte ich die Nase gerümpft.Jetzt werde ich Teil einer begeistert mitgehenden Menschengruppe.

Die Leute werden mutig. Sie treten zum Mann am Piano und bringen ihre Wünsche an. Ein paar suchende Akkorde. Und schon ertönt Griechischer Wein, Udos melancholische Hymne, die in den Siebzigern den Retsina-Export in die Höhe schnellen liess.
Dr Schacherseppli, das Lied vom einfachen, spirituellen Bürschlein als Rockn'roll. Etwas ungewohnt zwar, aber die Füsse und Beine können nicht anders und kicken und bewegen sich zum schnellen Rhythmus.
Sein Gespür für die Reihenfolge der Musikstücke hat etwas von einem Dramaturgen. Zum Erholen ein langsamer Dreivierteltakt: Zwei junge Frauen beginnen zumTennesseewaltz geschlossen zu tanzen. Bei Reinhard Meys eingängigem Über den Wolken zieht ein Zuhörer ein winziges Maulörgeli aus dem Hosensack und spielt mit. Charmant ist das, und der Applaus gilt auch ihm, der sich exponiert hat. Something stupid, der Sechzigerjahresong mit Frank und Nancy Sinatra, den ich sehr gemocht habe damals. Ich hänge mich bei meinem Mann ein und summe und singe leise mit:
"M-m-m-m-m-m-m-m  by saying something stupid like 'I love you'."

Die Leute bilden einen Gürtel aus guter Laune, Fröhlichkeit und prächtiger Stimmung um den Mann am Piano. Und das macht grosszügig. Das Geld sitzt locker, und der bereitgestellte Hut füllt sich. Auf die Frage eines Zuhörers, was ihn motiviere, Strassenmusik zu machen, meint der Pianist:
"I gang uff d'Schtrass, zum Fröid mache!"



PS. Sagt es und spielt weiter...

2 Kommentare:

  1. Liebe Hausfrau Hanna!

    Es freut mich, dass Du endlich mit eigenem Blog die Menschheit erfreust mit deinem spitzigen Humor! Viel Spass und Erfolg
    Don Cesare

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  2. Hausfrau Hanna08.11.2009, 20:02:00

    Wer sich schon heute freuen kann, soll nicht warten bis morgen:
    Willkommen edler Don Cesare hier in meinem Blog :-)

    Einen guten Start in die neue Woche wünscht dir
    Hausfrau Hanna

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