Horoskop gefällig...?

09.01.2010




Es ist zwar schon lange her. Trotzdem. Auch die pragmatische Hausfrau Hanna hat schon die Dienste der hellsichtigen, hellfühlenden, in den Sternen lesenden Branche in Anspruch genommen.
Aufgezählt sind dies:
Eine Beratung bei einer Astrologin, eine Sitzung bei einem Hellseher und ein gechannelter Kontakt bei einem weiblichen Medium. Alle drei sind mir übrigens von guten, vertrauenswürdigen Bekannten empfohlen und als seriös gepriesen worden. Und manchmal gibt es Lebenssituationen, in denen auch eine Hanna einer Wegabkürzung nicht abgeneigt ist.
Die prägnanteste Erinnerung habe ich an den Hellseher. Er war ein offener, humorvoller und zugewandter Mensch. Unvergessen bleibt mir sein klangvolles, auf dem endlos scheinenden Ausatem mitschwingendes ommmmmmmmm..............................  .
Die Vibes lösten in mir ein hemmungsloses Lachen aus, das ich jedoch bezwingen konnte. Zugleich, und das fand ich ein bemerkenswertes Phänomen, sah ich mich geistig in den Höhen des Himalaya.
Nun, es liegt mir fern, eine der drei Personen zu verunglimpfen. Sie haben ihr Bestes getan. Weitergeholfen oder genutzt hat mir nichts davon. Geschadet jedoch auch nichts. Immerhin.
Etwas jedoch habe ich begriffen: Es gibt im Leben keine Abkürzungen und schnellen Würfe. Das Leben will Schritt für Schritt gelebt und manchmal auch ausgehalten werden. Mit allem, was dazu gehört. Mit beruflichen Unsicherheiten. Mit zwischenmenschlichen Krisen. Mit Schmerz und Krankheit. Mit der Trauer um geliebte Menschen. All das braucht Zeit. Manchmal auch länger, als uns lieb ist.


Und weil man am Wochenende mehr Zeit hat - auch zum Lesen - hier für jene, die noch nicht genug haben vom Thema, das Gedicht "Horoskop gefällig...?" von Mascha Kaléko. Zur Abrundung quasi.

An unsrer Strassenecke steht ein Mann,
Der kann, so sagt er, in den Sternen lesen.
Zwölf Jahre ist er im Koch-Beruf gewesen,
Bis er auf die Berufung sich besann.

Die Branche scheint ihm besser zu behagen.
Von zwei bis sechs wird Zukunft offeriert.
'Die Sterne lügen nicht. Dankschreiben garantiert!'
Erzählt das Pappenschild an seinem Wagen.

Saturn und Venus sind dem Seher heilig
Und wolln ihm nicht mehr aus dem sechsten Sinn;
Doch leider steht nichts in den Sternen drin,
Naht Mars sich in Gestalt des Schupos eilig.

Das Horoskop, das er für mich gestellt,
Befiehlt, den Glücksstein Carneol zu tragen.
Den kaufte ich mir gläubig vor acht Tagen;
Nun wart ich, dass das Glück mich überfällt.

Da steht auf himmelblauem Holzpapier,
Der Tierkreis Steinbock lenke meine Schritte,
Und wenn ich ab und zu an Leichtsinn litte -
Das liegt am Kosmos. Ich kann nichts dafür...