Der Vogelkasperl

05.03.2010

Ein ganz besonderer Vogel ist Papageno.
Singt er so taufrisch seine Begrüssungsarie: "Der Vogelfänger bin ich ja, stets lustig heissa hoppsassa", ist er mein Liebling in der Zauberflöte.
Nicht etwa die rachsüchtige Königin der Nacht, die in der Höllenarie die höchsten Töne treffen muss.
Auch nicht die bildhübsche, demütige Pamina.
Und schon gar nicht der edle Prinz Tamino, dieser Langweiler, der so untadelig alle gefährlichen Prüfungen und männlichen Einweihungsrituale besteht.
Papageno hingegen, der sich mit seiner naiven, fröhlichen und genussanfälligen Art auch schon mal durchs Leben schwindelt, weicht die ideologische Thematik der Zauberflöte auf.

In den Siebzigerjahren machte Ingmar Bergmann, der grosse schwedische Regisseur, aus Mozarts Zauberflöte einen charmanten, warmherzigen und bezaubernden Opernfilm, besetzte ihn mit einem Ensemble, das nicht nur mit grosser Leichtigkeit und Wärme sang, sondern auch optisch perfekt zusammenpasste.
Wir sassen damals im Dunkel des Kinosaals, meine Freundin und ich. Und waren begeistert.
Nur einmal hatten wir einen Heiterkeits- und Lachanfall. So gar nicht väterlich erschien uns der weise Sarastro, als er sich über die auf dem Bett liegende Pamina beugte.
Meine Lieblingsszene allerdings war die, in der Papageno und Papagena endlich zusammenfanden, von ihren zukünftigen Kinderlein sangen (an die schwedische Sprache gewöhnt man sich sofort) und dazu einen herzerwärmenden Striptease
(nach  4.55 Minuten) hinlegten: