Neue Badehose!

30.06.2010

Ich brauche eine neue Badehose.
Die alte ist durchscheinend geworden über die vielen Jahre.
Und so steuere ich gestern in ein Sportgeschäft in der Innenstadt.
Zuerst fahre ich mit den Händen die Aktionsmodelle ab. Es gibt alles zwischen scheusslich und schrecklich. Die Preise sind - trotz des 50 % Rabatts - immer noch hoch.
Wenigstens komme ich so ums Probieren herum...

Ich gehe zur nächste Stange mit den Normalangeboten. Hier ist die Auswahl grösser.
Ich taste mich durch unzählige Hosen mit Rüschen, Mäschchen, Holzperlen, quer-, diagonal- und längsgesteppten Doppelnähten. Am Schluss noch durch die ganz edlen mit golddurchwirkten Glitzerfäden.
Ich will an keinen Schönheitswettbewerb. Ich will schwimmen!

Eine Verkäuferin sieht meine Not: "Kann ich Ihnen helfen?"
"Ja", sage ich, "ich brauche eine einfache, funktionelle Badehose."
Die Verkäuferin führt mich nach Hinten (!) im Geschäft und zeigt mir sportliche Modelle ohne Schnickschnack.
Der einzige Nachteil ist die angebrachte Werbung.
"Haben Sie auch Hosen ohne Werbung? Ich will ja nur schwimmen. Und nicht Reklame machen für adidas, arena oder speedo."
Die Verkäuferin bleibt ruhig und freundlich. Und schliesslich findet sie mir eine Badehose.
Mit diskreter Werbung.
Ganz in Blau.
Sie sitzt perfekt. Ist sogar eine Nummer kleiner, als ich vermutet hätte.
Und ausserdem die billigste von allen.
Jetzt gehe ich schwimmen!

Hausfrau Hanna in übler Laune...

29.06.2010

Gestern um 8.00 werde ich brutal aus allen blaugelben Träumen zurück in den Alltag geschleudert.
Vom Betonpressluftbohrer nebenan, der das Wohnblöckli zur ausgehöhlten Ruine macht.
Seit dreieinhalb Monaten wütet er. Zwei Monate davon habe ich ausgelassen.
Ich gerate in die übelste Laune und werde fuchsteufelswild.
Warum informiert da niemand?
Meine kommunikative Seite siegt, und ich gehe gegen Mittag hinüber.
Zufällig ist der Bauführer da.
Ich warte, bis er sein Natelgespräch beendet hat und spreche ihn mit leicht aggressivem Unterton in der Stimme an.
"Ich habe nur eine Frage: Wie lange geht das noch?"
Er ergeht sich in langen Erklärungen. Spricht von unvorhergesehenen Schwierigkeiten, mit denen sie nicht gerechnet hätten...
Ich spüre seinen Druck. Ich ahne darunter die vielen Telefone und Reklamationen, mit denen er konfrontiert ist.
Und dann kann ich es nicht lassen und gebe ihm folgende Empfehlung ab:
"Warum informieren Sie die Nachbarschaft nicht in einem Brief von all diesen Schwierigkeiten? Der grauenhafte Lärm würde dadurch nicht weniger. Aber die belästigten Leute fühlten sich ernst genommen und hätten dadurch vielleicht etwas Verständnis für Ihre Situation."

Der Mann schaut mich an, nickt und meint, er wolle das mit den Geschäftsinhabern besprechen.
Ich dopple nach:
" Dann rechnen Sie doch gleich noch in aller Ruhe zusammen aus, wieviel Zeit und Energie sie schon verbraucht haben, um die vielen Reklamationen und Telefonanrufe von verärgerten Anwohnern entgegenzunehmen. Und dann merken Sie sofort, wie kostengünstig ein informativer Brief ist."

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Fortsetzung folgt...

Hausfrau Hannas blauer Traum...

28.06.2010


Ich hatte als Kind einen blauen Traum.
In dem war ich eingeladen an ein richtiges, königliches Hochzeitsfest mit Kutsche, Blumen, Musik und Tanz. Und natürlich trug ich ein wunderschönes Prinzessinnenkleid aus Tüll und ein Krönchen.

Glaubt man fest daran, werden solche Träume irgendeinmal wahr.
Oder beinahe wahr.

Am Vortag der 'kungliga bröllopet', der königlichen Hochzeit, geraten wir in der Altstadt von Stockholm mitten hinein in die Hochzeitsvorbereitungen.

Vor der Storkyrka, dem Dom, wird sorgfältig der blaue (!) Teppich verlegt, damit die Hoheiten stolper- und unfallfrei an den Kameras vorbei in die Kirche eintreten können:



Die königliche Garde probt in diesen scheusslichen, grüngefleckten Tarnanzügen die richtige Aufstellung. Obwohl die Befehle zackig und laut tönen, ist eine gewisse Nonchalance sichtbar:



Wo sonst sind Soldaten in einer angestrengten Situation immer noch so freundlich und zugewandt und erklären einem kleinen Knopf, was läuft?



Erstaunlich bescheiden und einfach ist der Blumenschmuck. Frauen umwinden Stangen mit frühsommerlichem Birkenlaub:



Diese werden an einem strahlenden Polizisten vorbei durch den Seiteneingang in die Kirche getragen:



Ein Mädchenchor stellt sich beim Haupteingang auf. Der Dirigent ist die verkörperte Ruhe und Heiterkeit. Er unterhält sich mit dem Kameramann, gibt den Mädchen ein paar lockere Anweisungen und motiviert: "Das wird morgen prima!" 
Und dann ertönen schwedische Lieder: Glockenhell, rein, wunderschön:




Am Tag darauf sieht das Outfit der 'flickor' dann so aus:



Nun sind die Westlings spelmän dran, Verwandte des Bräutigams aus Ockelbo. Sie üben den für das Brautpaar komponierten 'bröllopsmarsch', den Hochzeitsmarsch, damit die Gäste beim Eintreten in die Kirche nicht aus dem Takt fallen:     



Die wohl wichtigste Eigenschaft eines Kameramanns ist...   Geduld!


Am Abend ist dann Schluss mit 'live' dabeisein.
Wir sind leider nicht eingeladen zum Festkonzert, das der Reichstag dem  Brautpaar geschenkt hat und sehen uns die Übertragung im TV an.
Ein paar Tränen in den Augen hatte nicht nur Königin Silvia, sondern auch Hausfrau Hanna...
Wer ebenfalls ein paar Tränchen vergiessen möchte, soll sich das hier anhören.



Schreibplatz

27.06.2010


So sah mein Schreibplatz aus in der kleinen, gemütlichen Bibliothek in Bagarmossen:




Schüchtern und in holprigem Schwedisch brachte ich beim ersten Besuch mein Anliegen vor:
"Jag heter Hausfrau Hanna. Jag kommer från Schweiz och bor här i Bagarmossen. Är det möjligt, att jag får använda datorn en gång i veckan?"
"Ich heisse Hausfrau Hanna. Ich komme aus der Schweiz und wohne hier in Bagarmossen. Ist es möglich, dass ich einmal in der Woche den Computer benützen darf?"
Die Bibliothekarin war sehr freundlich, aber auch korrekt. Ich musste mich zuerst ausweisen.
Sämtliche Daten wurden von ihr überprüft und in ein Formular eingetragen.
Dieses Prozedere wiederholte sich übrigens bei jedem der folgenden Besuche, bis mich alle Frauen kannten.
Ja, auch Schweden kennt die Bürokratie...
Da sass ich nun vor dem Bildschirm und war dabei immer in Gesellschaft:
Links neben mir, Ellbogen an Ellbogen, schrieb ein anderer Computergast. Manchmal waren es auch zwei. Partnerschaftlich teilten sie sich den Bildschirm, besprachen und unterhielten sich zusammen. Meist laut, sehr laut. Auf Arabisch oder Spanisch.
Ich war aufs Höchste gefordert und lernte dabei, mich besser zu konzentrieren.
Natürlich passierten mir dabei laufend Fehler. Und manchmal, wie von Geisterhand, verschwand plötzlich der ganze Text. Das hiess dann, alles nochmals schreiben. Die für mich gebuchte Zeit lief dabei unbarmherzig ab...
Leider bemerkte ich ausgerechnet bei dem Beitrag über das Familiengrab nicht, dass der Schluss des Geschriebenen verschwunden war, und so ergab der Text keinen Sinn. Das Erlebnis auf dem Friedhof bei der Katarinakirche war jedoch so nachhaltig und erschütterte mich, dass ich den Beitrag im Nachhinein ergänzte: Hier


PS. Auch das ist Schweden. Das Benützen des Computers war gratis. Und so habe ich mich am Schluss beim Frauenteam der Bibliothek in Bagarmossen mit einem Blumenstrauss bedankt.
In Gelbblau selbstverständlich!


Wo bin ich?

26.06.2010



Heute in der Früh, zwischen Tiefschlaf und Erwachen, war ich plötzlich verwirrt. Ich wusste nicht mehr, wo ich war.
Gewöhnt an die Helligkeit der nordischen Nächte erschien mir das Zimmer dunkel, ungewohnt und fremd.
Ich setzte mich auf im Bett und allmählich kam mir ins Bewusstsein:
Ich bin wieder zuhause!

Unter der grossen Freude, dass ich wieder in meiner vertrauten Umgebung und mit den mir lieben und nahen Menschen zusammen bin, breitete sich Wehmut und bereits eine Ahnung von Heimweh aus:
Stockholm ist nicht nur in meinem Herzen - einen Teil meines Herzens habe ich für immer in Stockholm gelassen...


Sommeranfang

17.06.2010

Der Sommer in Schweden ist kurz: "Solen skiner kanske bara idag!".
Kein Wunder, verbringen alle ihre Freizeit draussen, lassen sich keinen Sonnenstrahl entgehen.
Man weiss ja nicht, ob die Sonne morgen wieder scheint...
Manchmal schaue ich verwundert auf all die Leichtbekleideten, ziehe mir die Windjacke ueber und wickle den Schal um den Hals.
Und wie schön es jetzt ueberall blueht und duftet:
Pfingstrosen, Margriten und Flieder. Ich schaue und schnuppere und bekomme eine gute Laune.
Bald schon feiert man hier das typischste aller schwedischen Feste:
Midsommar!
Man feiert den Sommer, das Licht, die Natur, das Draussensein.
Ganz Schweden ist dann eine einzige fröhliche, singende und tanzende Feststuga.
Nun, ausgerechnet an diesem Tag fehlt jemand beim Fest:
Hausfrau Hanna!
Die sitzt nämlich am 26.Juni in ihrer Heimatstadt auf ihrem Reisetrolley und lässt die wunderbaren, spannenden Wochen in Gedanken vorbeiziehen.
Und so verabschiede ich mich von hier, aus der kleinen gemuetlichen Bibliothek im Zentrum von Bagarmossen, in dem ich so manche Stunden gesessen und geschrieben habe.
Bald schon reise ich mit meinem Mann weiter in den Suedwesten Schwedens nach Göteborg.

Hej då Sverige -
välkommen Schweiz!



PS. Laut Gull-Britt ist Schweden das Land mit den huebschesten Mädchen.
Stimmt!
Wo sonst sehen Mädchen aus wie blonde Prinzessinnen, singen wie Engel und tanzen wie Elfen :-)

Persönlichkeiten...


Alle ´tunnelban´- Zuege haben einen persönlichen Namen.
Gestern zum Beispiel fuhr ich mit Teodor in die Innenstadt und mit Pippi wieder heim nach Bagarmossen.
Ich bin auch schon mit Max, Petronella, Carl-Philip oder Sonia gefahren. Alle fahren stets in einem gemächlichen Tempo und sind meist zuverlässig und puenktlich...



Varifrån kommer du....?

"Woher kommen Sie?"
Das werde ich hin und wieder gefragt, wenn ich mich bemuehe, Schwedisch zu sprechen.
Ganz am Anfang passiert mir Folgendes:
In einem kleinen Geschäft an der Drottninggatan lasse ich einen Zweitschluessel fuer meine kleine Wohnung nachmachen.
"Är du från Norge?"
Heja! Meine Freude wird allerdings etwas gedämpft. Ich habe den Mann beim Eintreten ins Geschäft nämlich Arabisch sprechen hören...

2.Situation: In einem Souvenirshop in Gamla stan kaufe ich Karten und Briefmarken.
Ich werde von einer temperamentvollen, jungen Schwedin bedient.
"Är du en finska?"
Nicht schlecht! Immerhin, der Norden stimmt.
Als ich richtigstelle, woher ich komme, wird das schwedische ´flicka´ noch fröhlicher und beginnt Deutsch mit mir zu sprechen. Sie erklärt dezidiert, dass fuer sie nur ein Schweizer oder ein Deutscher als Ehemann in Frage kommen. Die Schweden seien ihr nämlich zu... lahm.

3.Situation: In meiner Lieblingsbäckerei ´Liselottes hembageri´ kaufe ich regelmässig ´kanelbullar´.
Der aufgestellte, junge Mann mit den tätowierten Oberarmen fragt mich sogleich, ob ich aus ´Tyskland´ komme.
"Nein, aus der Schweiz", stelle ich klar.
"Oh, aus der Schweiz! Roger Federer!! Der ist ja gut. Aber unser Robin Söderling ist auch nicht schlecht, oder?"
Leider sagt mir dieser Name in diesem Moment noch nichts.  Das Tennisturnier in Paris ist nämlich erst einige Zeit später.
Und da verliert Roger Federer gegen Robin Söderling und spielt - laut schwedischem Sportbericht - wie ein ´schweizerisches bling bling´... ;)

PS.  Gestern nun das ultimative Gluecksgefuehl:
"Dein Schwedisch tönt gleich wie ein Dialekt aus dem Norden Schwedens."
So erklärt es mir der Schwede in einem Geschäft, in dem ich den ´Spiegel´ kaufe.
Ich glaube es nur allzugern :-)

Uebergabe...

10.06.2010


Ist es eigentlich zeitgemäss, dass im modernen, aufgeschlossenen Schweden der Vater seine Tochter zum Altar geleitet und sie dort dem wartenden Bräutigam uebergibt?
Oder soll ein gleichberechtigtes Paar Seite an Seite durch den Kirchengang zum Altar gehen?
Diese Frage wird im Moment täglich in der Presse diskutiert, und alle werden um ihre Meinung gefragt.
So auch Lars Ohly (der mit dem Wollkäppchen!), Parteifuehrer der Linken,
Mona Sahlin von den Sozialdemokraten oder Maria Wetterstrand von der gruenliberalen ´miljöpartiet´.
Nun, eine königliche Hochzeit ist halt keine private Angelegenheit, sondern ein Staatsakt.
Und der König das Staatsoberhaupt.
Ich hätte da noch einen andern Vorschlag.
Die Braut, Kronprinzessin Victoria, könnte ja von  z w e i  Männern zum Altar begleitet werden:
Zur linken Seite vom stolzen Vater Carl XVI Gustav -
und zur rechten vom Staatsminister Fredrik Reinfeldt...

Genuegsamkeit...

Die Schweden sind stolz auf ihr Land, auf sein Sozial- und Wohlfahrtssystem, auf sein Bildungswesen.
Zugleich haben sie auch ein etwas reserviertes Verhältnis zu allem, was nach Nationalstaat aussieht.
Und sie sind zudem äusserst genuegsam.
Es ist nämlich sehr, sehr selten, dass neue ´röda dagar´ (Festtage, freie Tage) in die Agenda aufgenommen werden.
Der Nationalfeiertag, der 6.Juni, als gesetzlicher Feiertag existiert daher erst seit fuenf Jahren.
Die schwedischen Politiker taten sich schwer mit diesem Entscheid, und der Vorschlag wurde ueber mehrere Mandatsperioden hin- und hergeschoben...
Und fuer den arbeitsfreien Nationaltag wurde der bis dahin freie Pfingstmontag geopfert...

Moral...


Was bei uns umständlich und muehsam eingefuehrt wurde, gilt in Schweden seit fuenf Jahren:
Das Rauchverbot in allen Restaurants (krogen).
Die Schweden dachten sich wahrscheinlich, dass etwas, was in Irlands verrauchten Pubs funktionierte, auch in einer schwedischen ´krogen´ funktionieren muesse.
Das funktionierte nicht nur reibungslos:
Alles wurde besser seit dem ´rökstopp´, wenn man der aktuellen Umfrage in der Presse glaubt.
Das staatliche Volksgesundheitsinstitut (´statens folkhälsoinstitut´) schielt nun auf neue Orte, die rauchfrei gestaltet werden können:
-Bahnhöfe und Perrons
-Boulevardrestaurants
-Ambulante Hilfsdienste (´hemtjänsten´)
und...

... Kinderspielplätze!


(Quelle ´Dagens Nyheter´)


Spielplatz auf Skansen

Systembolaget

03.06.2010




"Alkohol ist in Schweden schwer erhältlich und sauteuer", werde ich vor meiner Abreise nach Schweden noch aufgeklärt.
Nun stehe ich also in einem dieser staatlichen Alkoholläden, einem ´systembolaget´ und betrachte all die Flaschen, die in Reih und Glied in Glasvitrinen ausgestellt sind.
Ich will eine Flasche Rotwein und eine Flasche´bubbelvin´fuer Elisabeths Geburtstag kaufen.
Jede Flasche ist mit einer Zahl versehen und Geruch und Geschmack des Inhalts sind huebsch beschrieben. Natuerlich fehlt auch der Preis nicht.
Als ich mich entschieden habe, schreibe ich mir die beiden Zahlen auf einen Zettel (sicher ist sicher!) und ziehe eine Nummer.


Dann warte ich, bis meine Nummer aufleuchtet.
Dieses System ist in Schweden ueblich. Das Anstehen in langen Schlangen auch. Bereits Kinder haben das verinnerlicht und warten schon mal 20 Minuten fuer eine Glace.
(Mein ungeduldiges Schweizergemuet hingegen wird hier ab und zu auf eine harte Probe gestellt...).
Nun jedoch bin ich dran.
Die Frau an der Theke verschwindet in einem Lagerraum und kommt rasch mit den beiden Flaschen zurueck. Und soooo teuer sind die nicht einmal.
Da habe ich mir von den Schwedentouristen einen nordischen Bären aufbinden lassen!

PS. Wahrscheinlich war ich zufällig in einem der noch altmodischen ´systembolaget´.
Unterdessen habe ich nämlich bemerkt, dass die meisten Alkoholläden Selbstbedienungsläden sind.
Mit Einkaufskörbchen. Und der Alkohol greifbar...

Bonuspunkte...

Ich kaufe hier im Zentrum von Bagarmossen immer im COOP/Konsum ein.
Natuerlich nicht nur deshalb, weil es so vertraut tönt, sondern weil der genossenschaftlich organisierte Supermarktriese auch ein grosses Angebot an Bioprodukten hat. (Uebrigens heisst biologisch auf Schwedisch ´ekologisk´- wenn auf einer Tafel gross ´BIO´steht, ist es ein Kino...;-) )
Da ich meine COOP-Superpunktekarte zuhause in der Schweiz gelassen habe, gerate ich also nie in Versuchung, sie an der Kasse hinzustrecken.
Letzte Woche nun passiert mir Folgendes:
Der freundliche, etwas schuechtern wirkende Kassier fragt mich doch tatsächlich, ob ich eine Kundenkarte wolle, mit der ich Rabatte habe und Bonuspunkte sammeln könne...
Ich erkläre ihm, dass ich Ende Juni wieder nach Hause fahre.
Und dann tut es mir einen Moment leid um die vielen schönen Punkte.
Und all die Sockenwolle, die ich damit hätte kaufen können...

Unterschiedliche Sicht


Montags, mittwochs, freitags ist Schwedischunterricht: Bei Gull-Britt!
Wir sind eine internationale Gruppe von 12 sehr unterschiedlichen Menschen.
Eine Gemeinsamkeit haben wir: Wir alle wollen Schwedisch lernen.
Ausser mir leben alle in Stockholm.
Es sind Menschen aus Deutschland, China, Russland, Italien, Litauen, Jordanien und aus dem Iran.
Die meisten verbringen arbeitshalber einige Jahre in Stockholm.
Zwei Männer, beide Mitte dreissig,  kommen aus dem Iran.
Der eine studiert hier, der andere arbeitet an der Universität.
Sie erzählen mir von der schwierigen Situation und der Perspektivelosigkeit im Iran.
Fuer beide ist ein Leben im Iran unvorstellbar, und so hoffen sie, in ein paar Jahren die schwedische Staatsbuergerschaft zu bekommen. Und dann hier bleiben und leben zu können.
Ich spuere unter ihrer Zuversicht und ihrer tapferen, positiven Einstellung Heimweh.
In einer Pause zwischen zwei Unterrichtseinheiten höre ich einer lebhaften, auf Englisch gefuehrten Diskussion zu. Eine junge Frau aus der ehemaligen Sowjetunion, die mit einem Schweden verheiratet ist, erklärt in deutlichen Worten, was ihr hier Muehe bereitet (nein, es ist nicht das Wetter...).
Es ist das engmaschige Wohlfahrts- und Sozialsystem, das auch Arbeitsunwillige unterstuetzt.
Und es sind die hohen Steuern.
"You will be killed by the taxes!" höre ich sie sagen.
"Killed?" antwortet einer der beiden Iraner.
Sonst sagt er nichts.
Er wiederholt es noch zweimal.
Mit einem ungläubigen Ausdruck in seinen Augen...