Jazzfest

14.08.2010


Jazz bedeutete mir nie viel.
Ich wuchs mit anderer Musik auf, wurde geprägt von der Schlager-, Pop- und Flowerpowermusik der 60er-Jahre.
In den 70ern wurde ich etwas kritischer und mein Musikgeschmack etwas feiner.
Ich hörte mir auf dem Plattenspieler Joan Baez, Bob Dylan und Donovans 'Universal Soldier' an.
Auch Reinhard Mey. Sein 'Herbstgewitter über Dächern' lässt heute noch meine Augen weich werden.
Wenn Brel, Barbara oder Moustaki hinter mir sangen, rauchte ich am offenen Fenster eine Muratti und blies den Rauch hinaus.

Gestern Abend fand in der Stadt das jährlich stattfindende Jazzfest statt.
Die ganze Innenstadt mit ihren Gassen, Höfen, Plätzen und Kirchen wurde bespielt und besungen.
Die optimalen Wetterbedingungen erlaubten mir nicht den Hauch einer Ausrede:
Ich musste mit. Abgemacht war abgemacht.
Wir fädelten ein in die Masse der städtischen und auswärtigen Besucher.
Als Erstes hatten wir Hunger und blieben in einer Tapasbeiz hängen. Wir sassen so eng aufeinander, dass es unmöglich war, nicht ins Gespräch zu kommen mit den andern Gästen am Tisch. Und da das Essen fein war und die Nachbarn nett, blieben wir kleben. Meine Nachbarin, eine Amerikanerin aus Washington D.C., war so begeistert und angetan von der Lebendigkeit und Musikalität der Stadt, dass wir anschliessend zusammen weiterzogen.
In einem Innenhöfli lauschten wir dem Gig einer Latinband, die sich von Stück zu Stück steigerte und in einen beinahe schon rauschhaften Zustand spielte. Als dann Dollar Brands 'African Marketplace' ertönte, war es um mich geschehen:
Ich wurde zum Jazzfan.
Zumindest für diesen Moment.

4 Kommentare:

Ursula hat gesagt…

Liebe Hausfrau Hanna
Einen Hauch Jazziges mag ich ausgesprochen, der ganz coole Jazz hingegen liegt mir aber gar nicht, Gedudel, zu wenig Gefühl - nicht Musik, nicht meine Wellenlänge eben.
Wir waren bei unseren Nachbarn im Garten, zusammen mit weiteren Nachbarn, ein schöner Abend, auf guten Wellenlängen, fast wie Musik.
Wie geht es deinem Fuss, hat er seine Wellen verloren?
Hope so
Ursula

Annegret hat gesagt…

Bei mir ist es so, daß ich eigentlich jede Musik hören kann, klassische, Hip-Hop, Jazz, Techno, Pop. Mit meinen Kindern, 15 und 18, ist es so, daß jeder so seine Musik hat, aber zusammen können wir sie auch anhören, weil jede Musik so seine eigenen Sphären hat. Erst neulich waren wir im Auto unterwegs und hatten zufällig eine Cd mit afrikanischer Musik eingelegt und jeder machte auf seine Weise bei der Musik mit. Einer klatschte im Rhythmus mit, der andere trällerte im gleichen Wortlaut mit und auch ich war ganz locker beim Fahren. Das war schön.

Viele Grüße

Annegret

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Dieser Vergleich mit der Wellenlänge gefällt mir sehr gut,
liebe Ursula,
und stimmt sie zwischen Menschen, ist das mit einem wohligen Gefühl verbunden, dass die Zeit keine Rolle mehr spielt und dahin fliegt...;-)
Früher musste man ja auch den Radio auf eine bestimmte Längenwelle einstellen: MW, KW oder UKW. Erinnere ich mich zumindest.

Dir einen schönen Tag genau mit der richtigen Wellenlänge
Hausfrau Hanna

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Liebe Annegret,
Autofahren zu afrikanischer Musik, war es vielleicht Dollar Brands 'African Marketplace' der euch zum Schnippsen, Klatschen, Rhythmisieren animiert hat?
Die Hände blieben aber am Steuer?
Nehme ich an... ;-)

Dir heute einen rhythmisch lockeren Sonntag
Hausfrau Hanna