Schwedenwochenende

29.10.2010


Heute Morgen klingelte mir diese E-Mail entgegen:

"Guten Abend Hausfrau Hanna,
als grosser Schwedenfan könnte dich folgende Fernsehsendung von Freitag interessieren:
SF unterwegs in Schweden. Sie wird am Freitag, den 29. Okt. von 21.00 - 21.50 Uhr auf SF 1 ausgestrahlt.
Ich wünsche dir viele Erinnerungen an dieses traumhafte Land!"

Danke, lieber K., für diesen TV-Tipp! Natürlich werde ich die Sendung nicht nur anschauen, sondern sie Moment für Moment mitleben.  

Heimweh und Sehnsucht haben jedoch kaum Zeit sich einzunisten. Es geht nämlich nahtlos weiter mit Schweden:
Morgen kommen meine zwei schwedischen Mädchen, storasyster Lotte und lillasyster Siri, zu Besuch.
Als ich das am Telefon vernahm, liess ich ein Freudengeheul los, liess mich auf die nächstbeste Sitzgelegenheit fallen und musste die Neuigkeit zuerst setzen lassen.
Morgen gegen Mittag kommen sie an. Zusammen mit ihrer Mutter Elisabeth. Direkt aus Stockholm.
Jag är så glad, så jättemycket glad: Välkomna mina två söta flickor :)




PS. Und nicht genug: Heute bin ich noch zu einer gemütlichen 'fika' eingeladen. Natürlich...
...bei einer Schwedin.

Hallo!

28.10.2010





Ich mag es nicht, wenn Erwachsene mich mit einem 'Hallo' begrüssen,
und dann die Küsschen auf meine Wangen hauchen.
Beides fühlt sich genau gleich unverbindlich an.
Ich will den Händedruck spüren.
Und meinen Namen hören...



Es lebe der Karamellkönig!

27.10.2010

Dass die Schweden weltweit am meisten Süsses essen, wusste ich und war für mich irgendwie erklärbar:
Man kann in den langen, dunkeln Wintermonaten nicht immer nur singen oder Kerzen anzünden. Der Konsum von Süssigkeiten wirkt ebenfalls erhellend aufs Gemüt.  Nun ist Zucker allerdings für die Gesundheit und die kindlichen Zähne nicht unbedingt förderlich. Deshalb wurde in der Begriff 'lördagsgodis' geprägt und die Eltern damit in die Pflicht genommen, ihren Kindern nur am Samstag (lördag), Süssigkeiten (godis) zu erlauben...

Ob diese pädagogischen Ermahnungen dem 'Karamellkönig' ('karamellkungen') Umsatzeinbussen beschert hat, weiss ich nicht.
Dank Lisettes Kommentar gestern weiss ich nun, wer dieser König ist - eine grosse Bildungslücke hat sich geschlossen...;-)
Tack tack!


PS. Und anstatt heute eine Tafel Schokolade zu verdrücken, versucht euch doch am königlichen 'chokladpanik'-Spiel:
Viel Vergnügen - mycket nöje!

Königlicher Klatsch

26.10.2010



Dank eines schwedischen Klatschblogs ('skvallerblogg') erweitert sich mein Wortschatz laufend. Und weil die Artikelchen ganz einfach geschrieben und mit schönen Bildchen versehen sind, verstehe ich jedes Wort problemlos:

Kronprinsessan av Sverige möter kungen av tennis.
"Åh, vilken tennis han spelar. Så elegant. Så stiligt. Så vackert."

Und jetzt noch die deutsche Übersetzung:
Kronprinzessin trifft Tenniskönig.
"Oh, was für ein Tennis er spielt. So elegant. So schick. So schön."


PS. Ich hoffe, der so gar nicht elegante, stilvolle und schöne Pokal ist ein Wanderpokal...;-)

Philippe Jaroussky und 'L'Arpeggiata' - Musik, die zu Herzen geht

25.10.2010


Gestern Abend liess ich mich von musikalischen Sternschnuppen beleuchten, berieseln, beglücken.
Das Ensemble 'L'Arpeggiata' mit Christina Pluhar gab ein Konzert in der Stadt.
Als ich vor gut zwei Wochen Karten holte, sah der grosse Musiksaal noch ziemlich leer aus. Zuvorderst und fast in der Mitte hatte es noch freie Plätze - noch näher ans musikalische Geschehen ging nicht:
Nase am Bühnenrand, Ohren ausgerichtet auf die Barockinstrumente, Augen ganz nah bei den Musizierenden.
Im Zentrum des im Halbkreis musizierenden Ensembles stand der Countertenor Philippe Jaroussky.
Dass er eine wunderschön geführte Stimme hatte, wusste ich. An diesem Abend bekam ich mit, wie und dass er die Musik auch lebte und verkörperte und sie weiter transportierte zu uns Zuhörenden im Raum. Das ging über die Blutbahnen direkt ins Herz - bewegte, berührte und machte es offen und weit für jeden Ton, jedes Wort, jede Geste. Als er die Schlussworte des 'Stabat Mater' ausklingen liess, herrschte Stille im Saal - eine alle verbindende, gemeinsame Atempause und Atemruhe.


PS. Der Musiksaal war übrigens ausverkauft. Und das Publikum, vom kleinen Buben bis zum älteren Herrn,  spendete in totaler Euphorie langanhaltenden Applaus mit begeisterten Zurufen und einer Standing Ovation.

PPS. Dieses jazzige Monteverdistück gab es als erste Zugabe. Das youtube-Video ist natürlich nicht zu vergleichen mit der Konzertatmosphäre, gibt jedoch einen Eindruck von der Spielfreude und dem Charisma der Musizierenden:


PPPS. 'L'Arpeggiata' ist heute bereits wieder unterwegs zum nächsten Konzert in Mexiko. Das habe ich übrigens erfahren von einem begeisterten Konzertbesucher, der ebenfalls bloggt.

Aber das ist eine andere Geschichte...

Fast ohne Worte...

22.10.2010


Ich sagte zum Mandelbaum:
"Schwester, erzähl mir von Gott."
Und der Mandelbaum erblühte.

Japanisches Sprichwort




Dieses Sprichwort ist eines meiner liebsten, auch wenn mir nicht ganz klar ist, warum der Baum mit Schwester angesprochen wird.
Ich mag es, weil es das Wunder des Lebens und der Liebe fast ohne Worte beschreibt.
Und es begleitet mich, obwohl es Herbst ist und die Blätter sich verfärben und fallen.
Dabei erzählen sie ebenfalls von Gott.

Ein schönes Wochenende
wünscht
Hausfrau Hanna

Von der Baustelle zum Luxusapartmenthaus

21.10.2010

Sieben Monate hatten wir die Hölle hier.
Ein passenderes Wort fällt mir zur Totalrenovation des unauffälligen Miethauses mit den günstigen Wohnungen in ein Luxusapartmenthaus nicht ein.
Letzte Woche nun fuhren die Möbeltransporter vor. In Windeseile wurde das Trottoir mit Teilen aus dem Baumarkt und Möbeln der oberen Preisklasse vollgestellt.
Für drei Tage war nur noch sanftes Hämmern durch die Wände zu hören, als die Apartments eingerichtet wurden für die neuen Mieter.

Aus der Abfall- und Müllhalde im Hinterhof war in der Zwischenzeit ein puristischer Kyotogarten mit Steinen und einer fast schon meditativen Ausstrahlung entstanden.
Gestern nun entfernte ich die letzten Grüselsachen, die in unserem grünbewachsenen Garten liegengeblieben waren:
Bierdosen. Zigarettenkippen. Betonfragmente. Plastikhüllen.
Ich warf alles hinüber in die gepflegte Umgebung.
Hausfrauenrache.
Soeben wollte ich ein kleines Stück Beton hinüberwerfen, als mich seine besondere Form nachdenklich stimmte:
"Auch Spekulanten haben im Brustkorb ein Herz. Wenn auch nur ein kleines..."

Rhetorische Begabung

19.10.2010

Das enge Tal, in dem ich aufwuchs, war bekannt für seine Anziehungskraft auf Sekten und Freikirchen. Diese nisteten sich in den kleinen Dörfern ein und blieben haften wie Nissen im Kinderhaarschopf.
Ein Zeuge Jehovas aus der Nachbarschaft klingelte hin und wieder auf seiner abendlichen Missionierungstour an unserer Haustüre.
Mutter entfernte sich diskret in die Küche.
Vater hingegen getraute sich nie, "nein" zu sagen und bat den Mann herein in die Stube.
Der legte zuerst einen 'Wachtturm' und ein 'Erwachet' auf den Tisch, bevor er von Jehova und dem rechten Leben zu erzählen begann.
Vater war ein höflicher Zuhörer.
Nur wenn der Abend zu lang wurde, wehrte sich Vater gegen das unaufhörlich dahinplätschernde Schwatzen mit der ihm eigenen, sanften Verweigerung.
Er stützte den Kopf in die Hand.
Und schlief ein.

Peinliche Töne

18.10.2010


Etwas eigenartig  finde ich es schon, dass heute in den 'Dagens Nyheter' diese Nachricht steht:
"Pinsam fadäs för norsk musikkår" (peinlicher Fehler des norwegischen Musikkorps).

Nun, es ist bekannt, dass Schweden und Norwegen es nicht so gut miteinander können.
Vielleicht ist das der Grund, dass der Lapsus des norwegischen Musikkorps anlässlich des Staatsbesuches von Bundespräsidentin Doris Leuthard in Norwegen, in der schwedischen Presse überhaupt ein Echo findet:
"Musikerna spelade överraskande något helt annat än den väntande schweiziska nationalsången, komponerad av Alberik Zwyssig (1808-1854)."
(Die Musiker spielten überraschenderweise etwas ganz Anderes als die erwartete Schweizer Nationalhymne, die von Albert Zwyssig komponiert wurde).


PS. 'Dagens Nyheter' sei Dank! Immerhin wird mir so wieder einmal in Erinnerung gerufen, wie der Komponist von 'Trittst im Morgenrot daher' heisst...;-)

Tagesneuigkeiten

16.10.2010

"Genombrott för världens längsta tågtunnel!"
(Durchstich des längsten Zugtunnels der Welt)

Die Schweiz ist in Schweden ein Thema. Zumindest in der heutigen Ausgabe der 'Dagens Nyheter'.
Da erscheint nämlich ein Artikel mit Bild vom gestrigen Durchstich des Gotthard-Basistunnels.
Durchstich heisst übrigens auf Schwedisch 'genombrott'. Wortgenau übersetzt eigentlich Durchbruch.
Nun hat 'brott' noch eine andere Bedeutung.
Verbrechen oder Vergehen nämlich...

PS. Nicht nur BR Moritz Leuenberger war in Sedrun dabei - auch Bloggerkollege jacoblök war live dabei und festete mit. Hier!

Klangbilder

15.10.2010

Diese Woche musste ich in die Röhre.

Die vergrämt aussehende, wortkarge Röntgenassistentin richtet mich auf der Liege ein.
Sie unterlegt mein Bein mit einem Kissen. Den Fuss drückt sie an eine Stütze, um ihn in einem 90° Winkel zu halten.
Am Schluss wuchtet die Frau noch drei Sandsäcke auf das Bein: "Damit Sie sich net bewege und es keine verwaggelte Bilder gibt."
Ich bin ihr für diese Erklärung richtig dankbar.
Dann verlässt sie den Raum.
Ich bin allein.

Zuerst höre ich ein Geräusch, ähnlich der Melkmaschine der Bäuerin, mit der ich befreundet bin.
Hinter meinen geschlossenen Augen erscheinen schwarzweiss gefleckte Kühe. Als ich mich dem friedlichen Bild hingeben will, erschreckt mich ein "Tatatatatata" wie aus einem Maschinengewehr fast zu Tode. Zum Glück bremsen mich die drei Sandsäcke am Hochspringen. Mein Puls rast.
"Nur ruhig, Hausfrau Hanna", spreche ich mir innerlich Mut zu, "es geht vorbei. Viele andere Menschen haben das auch schon erlebt und überstanden. Also wirst du es auch überstehen".

Nun schwillt ein langgezogener Ton an, der sich wie eine metallene Orgelpfeife anhört. Darunter wie ein Ostinato das Geräusch eines schnell pochenden Herzes.
Irgendwie hat es etwas Meditatives. Ich freunde mich fast mit diesem Geräusch an und werde ruhiger. Das hilft mir, die folgenden lauten Geräuschsequenzen mit Bildern in Verbindung zu bringen:
Mit einer Nähmaschine etwa, die "Trrrrrrrrrrrrrrrrrr" unendlich lange Stoffbahnen hinunterrattert.
Mit den Kellen des Tinguelybrunnens beim Theater, die stetig Wasser schöpfen und wieder ausleeren.

Trotzdem.
Dreissig Minuten können eine Ewigkeit sein.
Und so atme ich tief durch vor Erleichterung, als mich die Röntgenassistentin befreit mit der nettgemeinten Frage: "Sind Sie etwa eingschlofe?"


PS. Mir fehlten die Worte, und so liess ich die Antwort Antwort sein...


Wortschatzerweiterung

13.10.2010


Um eine Sprache zu lernen, die bloss von einer Minderheit gesprochen wird, muss man angefressen sein.
So wie ich und zehn andere, die seit einem Jahr, einmal in der Woche, eineinhalb Stunden Schwedisch lernen.
Bei mir kommt noch Gull-Britt dazu, die Lehrerin in Stockholm mit dem altmodisch und lieblich klingenden Namen und der zackigen Art.
Sie trimmte uns sechs Wochen lang.
Am Ende der Stunde gab sie uns jeweils so viele Aufgaben, dass alle stöhnten, ausnahmslos alle.
Auch die Ehrgeizigen.
Das vermochte ihr nur ein lakonisches, mitleidloses "Ihr habt ja Wochenende" zu entlocken - und schon rauschte sie zur Türe hinaus mit einem höflichen "tack för idag!" auf den Lippen.
Dank Gull-Britt habe ich zwar grammatikalisch nette Fortschritte gemacht, nicht aber meinen Wortschatz vergrössert mit Ausdrücken, die ich wunderbar finde.
Wie zum Beispiel 'betongbarn'. Erst jetzt nämlich, dank meiner Lehrerin hier und einiger Blogleserinnen lerne ich solche Ausdrücke kennen und anwenden.
Ganz aktuell in meinem Repertoire befindet sich seit gestern das 'skitunge' (schiitünge), was kein wörtlich übersetztes 'Scheisskind' ist, sondern je nachdem eine Nervensäge oder ein Lauser.
Das trifft hin und wieder auch auf die beiden 'bonusbarnbarn' zu.



PS. Und diese wiederum sprechen akzentfrei und http://klockren.nu/ Schwedisch...;-)

Wenn Katzen ins Milchfach machen

12.10.2010


Heute Morgen, als ich die Tageszeitung aus dem Briefkasten nehmen wollte, erlebte ich eine freudige Überraschung: Die Katzen haben mir ins Milchfach gepinkelt.
Das darf ruhig wieder vorkommen, wenn der Inhalt so köstlich schmeckt... ;-)




Aus Beton

11.10.2010


Es gibt Häuser, die sind aus Beton gebaut.
In diesen Wohnungen fehlt der Austausch zwischen Aussen und Innen.
Denn Beton ist steif, fest und starr.
Ich habe einmal in einer solchen Wohnung gewohnt. Obwohl sie neu, modern und schick war, fühlte ich mich seltsam unwohl.

Es gibt Menschen, die den Kopf zubetoniert haben. Man nennt sie deshalb 'Betonköpfe'.
Auch ihnen fehlt der Austausch mit der Umwelt, weil alle Wahrnehmungskanäle nach Aussen und Innen hermetisch abgeschlossen sind.

Im Djurgården, dem grossen, öffentlichen Naturpark in Stockholm, sah ich diesen Engel.
Auch er aus Beton.
Dazu fällt mir nichts ein.



                                                                     Betongängel  Stockholm

Lang lebe das Leben!

08.10.2010

Jag gillar svensk reklam...
Schwedische Werbung mag ich besonders:

Schleier des Vergessens

07.10.2010



Im Herbst zieht es mich immer ins Tessin, stets an den gleichen Ort.
Deutsche und Deutschschweizer mit genügend Geld leben dort ihren Ruhestand.
Einige bleiben für immer hier und werden dann in der Friedhofsanlage, die sich dem Berghang anschmiegt, zur letzten Ruhe gebettet. Die anders klingenden Namen lassen darauf schliessen. Und die Verwaisung, in der sich die Gräber zeigen:
Keine frischen Blumen.
Keine persönlichen Gegenstände der Erinnerung.
Keine Kerzen.
Nur eine grosse, dicke Kreuzspinne flicht ein Netz, das sich wie ein Schleier über die Trauer legt, die einmal war.

Bulletag

05.10.2010


Bullen liebe ich heiss.
Natürlich nicht die Stiere. Auch Polizisten gegenüber nehme ich eher eine neutrale Haltung ein.
Und die päpstlichen Bullen sind bloss noch als verschwommene Erinnerung aus dem Geschichtsunterricht vorhanden.
Ich liebe diese nach Zimt und Kardamom schmeckenden schwedischen Hefeschnecken.
Gestern wurden sie von Schwedens Backindustrie gefeiert:
Der 4.Oktober ist 'kanelbullensdag'.
Und ich habe es fertig gebracht, diesen Tag zu vergessen.
Weil Goethe, Nietzsche und Co. wichtiger waren...





Schreiben wie der grösste deutsche Dichter...

04.10.2010

Auch Hanna, von Beruf Hausfrau, ist nicht gefeit vor ambivalenten Gefühlen ihrem Schreiben gegenüber.
Gestern Abend nun las sie in Jutta Wilkes Schreibwelt von dieser netten Spielerei: http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx

Es stüpfte sie. Sie wollte Klarheit. Etwas beklommen war ihr schon zumute, was für ein Resultat sich zeigen würde. Sie rechnete mit Hedwig Courths-Mahler.
Kaum hatte sie das kleine, alltägliche Geschichtchen aus ihrem Blog in das vorgesehene Textfeld kopiert,
war auch schon das Resultat da:



PS. Man sollte Hausfrauen nie, niemals unterschätzen...;-)

Und so grüsst grad eine sehr selbstbewusste 'Hausfrau Hanna' alle ihre Leserinnen und Leser und wünscht allerseits eine gute Woche!

Zwischen zwei Haltestellen (12)

02.10.2010


Kürzlich im Tram zum Bahnhof.
Zwei ungefähr 13-jährige Mädchen steigen ein und lassen sich auf die Sitze plumpsen.
Ihre Energie ist raumfüllend. Sie kichern und schwatzen, und gleichzeitig drücken und werkeln sie ununterbrochen an ihren Natels herum.
Was mich erstaunt, ist ihre gegenseitige Anrede.
Zuerst meine ich, sie redeten mich so an. Aber die Sorge ist unbegründet. Sie meinen tatsächlich sich selbst.

Als das Tram am Bahnhof wartet, stehen die beiden auf.
Das eine Mädchen bückt sich und schaut unter dem Sitz nach.
Dann wird es immer aufgeregter und ruft ausser sich:  "Alte! He Alte! Meine Handtasche ist nicht hier! Hast du meine Handtasche gesehen?"
Die Mädchen kontrollieren zusammen nochmals die Sitze und den Boden. Erfolglos.
"Fuck. Jetzt habe ich meine Handtasche im Lokal liegengelassen mit allem drin."
Geknickt verlässt das Mädchen mit seiner Freundin das Tram.
Irgendwie tut es mir leid.


PS. Immerhin. Alles befand sich nicht in der Handtasche.
PPS. Das Natel war noch da...