Schleier des Vergessens

07.10.2010



Im Herbst zieht es mich immer ins Tessin, stets an den gleichen Ort.
Deutsche und Deutschschweizer mit genügend Geld leben dort ihren Ruhestand.
Einige bleiben für immer hier und werden dann in der Friedhofsanlage, die sich dem Berghang anschmiegt, zur letzten Ruhe gebettet. Die anders klingenden Namen lassen darauf schliessen. Und die Verwaisung, in der sich die Gräber zeigen:
Keine frischen Blumen.
Keine persönlichen Gegenstände der Erinnerung.
Keine Kerzen.
Nur eine grosse, dicke Kreuzspinne flicht ein Netz, das sich wie ein Schleier über die Trauer legt, die einmal war.