Für das Leben spielen!

29.12.2011

"Ich spiele für das Leben, für alles, was wächst,
lebt, atmet, geboren wird und stirbt.
Ich spiele für das Leben, ich kann nichts Anderes.

Es gibt mir Sinn und tägliches Brot.

Ich spiele für das Leben, singe aus voller Kehle.
Ich spiele mit den Tönen und küsse die Worte.

Ich spiele für das Leben, mit dem Kopf im Himmel,
und den tanzenden Füssen auf Mutter Erde.


Ich spiele für das Leben und vertraue der Zeit!"

(Dem Gehör nach übersetzt von Hausfrau Hanna)



PS. 'Für das Leben spielen' - auch im Neuen Jahr 2012,
das wünsche ich euch, mir, uns allen!
Hausfrau Hanna

Maler zwischen Erde und Himmel

28.12.2011


Schule bedeutete, es ging der Reihe nach, die Fächer wurden chronologisch aufbereitet und abgehandelt.
In der Kunstgeschichte begannen wir mit den Alten Meistern der Gotik.
Da konnte sich unser Kunstlehrer verrenken, so viel er wollte. Von der fast spürbaren Stofflichkeit der wallenden Gewänder schwärmen und begeistert über die beginnende Perspektive in den Landschaften dozieren:
Mariendarstellungen und Jesusknäblein interessierten mich als Sechzehnjährige nicht.
Je mehr wir uns jedoch der Gegenwart in der Kunst näherten, desto aufmerksamer hörte ich zu.
Ich wurde sogar - und das muss jetzt kursiv hervorgehoben werden - zur Lieblingsschülerin des Lehrers.
Es war Vincent van Gogh (1853 - 1890), der den Knoten platzen liess.
Seine Bilder und seine tragische Biografie zogen mich in einen Bann, der all die Jahrzehnte anhielt.
Ich stand vor seinen Bildern in Amsterdam, in Nuenen, in Bern.
Vor zwei Jahren auch im Kunstmuseum in der Stadt.
'Zwischen Erde und Himmel' hiess die Ausstellung. Mit Landschaften, so emotional, schön und ausdrucksstark, dass mir plötzlich die Tränen kamen.
Es war vor einem Bild, das van Gogh in der Psychiatrie in seinem letzten Lebensjahr gemalt hatte, und es zeigte die Weite einer Landschaft mit einem Weg, der sich irgendwo am Horizont verlor...


Geflügelte Wesen

27.12.2011


Am Nachmittag des Heiligabend machten wir einen langen Spaziergang dem Fluss entlang.
Keine Menschen weit und breit.
Nur wir und die Möwen, die unbeweglich wie kleine Skulpturen auf dem Geländer sassen.
Ein friedliches, stilles Bild.
Plötzlich flogen Schwäne in einer perfekten Viererformation hoch über dem Wasser an uns vorbei.
Wir schauten ihnen nach.
Im fahlen Licht sahen sie aus wie Engel...

Lebensberührung

24.12.2011


Der Sinn
von Weihnachten.
Menschwerdung.
Im Kind, das geboren wird.
Es ist ein Wunder.
Jedes Mal aufs Neue.
Das Leben
berührt.




PS. Nehmt euch ein paar Minuten Zeit für Titus' heutigen Beitrag. Hier.

PPS. Gute, frohe Weihnachtstage wünscht allen hier Lesenden
Hausfrau Hanna


Heidi Abel - eine Medienpersönlichkeit

23.12.2011


Denke ich an Heidi Abel, werde ich heute noch sentimental.
Ich erlebte sie als Sechzehnjährige live als Moderatorin einer Art Castingshow im Kursaal in Bern. Junge Menschen aus allen Teilen der Schweiz traten auf. Auch wir, das Teenie-Klassiktrio, mit einem Repertoire aus Telemann, Händel und Bach. Wir wurden in unserer Region ausgewählt von einem Musikmanager, zu dem unsere Musiklehrerin eine persönliche Beziehung pflegte.
So lief das. Auch damals schon. Persönliches Netzwerk ebnete den Weg.  Nun gut, wahrscheinlich spielten wir auch nicht allzu schlecht...
Bevor der Anlass begann, war 'die Abel' - wie sie genannt wurde - für niemanden ansprechbar. Sie tigerte seitlich der Bühne hin und her, in der Hand hatte sie unzählige Spickzettelchen, die sie immer wieder umsortierte und von denen sie halblaut den Moderationstext ablas und sich so einprägte.
Vorne im Rampenlicht war sie sehr offen, zugewandt, charmant und souverän. Als die Reihe an uns war aufzutreten, stellte sie ein paar persönliche Fragen. Wir antworteten brav, ohne die Sätze geprobt zu haben, in das vor uns aufgestellte Mikrophon. Und dann spielten wir. Einen Telemann, den wir wochenlang intensiv geübt und geprobt hatten.
Zum Schluss bekamen wir ein Kuvert mit einem Geldbetrag in die Hand gedrückt.
Später verjubelten wir ihn in einem richtig guten Restaurant. Weltmännisch. Wichtig. Grossspurig.

Als Heidi Abel zusammen mit ihrem kleinen Team später in den Achtzigerjahren die Radiotalkshow 'Persönlich' am Sonntagmorgen moderierte, sassen Hausmann Hanna und ich regelmässig am Frühstückstisch in der Küche und hörten zu. So gut, so unterhaltsam, so lebhaftbewegt war die Sendung.
Plötzlich fehlte sie in der Sendung. Als Grund wurde eine Krankheit angegeben, die nicht näher bezeichnet wurde. Ihr Team führte die Sendung ohne sie weiter. Es war nicht mehr dasselbe.
Wie ein Hammerschlag fühlte es sich an, als ihr Tod in den Medien bekanntgegeben wurde.
Das war am 23.Dezember 1986 - heute vor 25 Jahren.

Von Pikanterien, Pomp und königlichem Glanz!

22.12.2011



Es ist die letzte Schwedischstunde vor Weihnachten.
Wir lesen eine doppelseitige Reportage über die Oscargala des Nordens, das Nobelfest in Stockholm, tauchen tief ein in die Welt von 'glitter, glamour och kunglig glans.'
Das erste Nobelfest war übrigens 1901.
Die damals 100 Gäste, alles Männer nota bene, fanden noch locker Platz im Spiegelsaal des 'Grand Hotel' gegenüber dem Königsschloss.
Heute sind es gut 1300 Gäste, die sich in der blauschimmernden 'Blå Hallen' im 'Stadshuset' dem Festmahl hingeben.
Wichtige Gäste bekommen an den reich dekorierten Tischen 80 cm Platz, weniger prominente
Gäste müssen sich mit 60 cm begnügen.

Zwei pikante Geschichten von zwei Literaturnobelpreisträgern lohnen sich zu lesen:
Knut Hamsun kam bereits angesäuselt ans Bankett und tätschelte Selma Lagerlöf auf ihren in einem Korsett steckenden Hintern. Später dann soll er auch das Diplom und den Preischeck im Lift des Grand Hotel vergessen haben...
Thomas Mann, der grosse deutsche Schriftsteller und Bourgeois, erlaubte sich 1929 einen andern Ausrutscher: Er sperberte im Voraus nämlich ganz unbescheiden darauf, den Abend zwischen zwei königlichen Hoheiten, Kronprinzessin Louise und Prinzessin Ingrid, zu verbringen. Als er diesen Platz nicht bekam, meinte er gehässig, er wolle dann im Fall nicht zwischen 'två gamla murklor' sitzen.
Ganz nebenbei: Er selbst war damals auch schon 55 Jahre alt...





Anstelle einer deutschen Übersetzung: Das sind 'två  gamla murklor'!


PS. Und was sagen uns nun die beiden Geschichten?
PPS. Schriftsteller und Nobelpreisträger können sich zwar schriftlich sehr gekonnt und gewählt ausdrücken.
PPPS. Im mündlichen Umgang sind sie auch nur ganz gewöhnliche Menschen.
PPPPS. Männer halt... ;)



Von blauen Glasaugen und verschwundenen Puppen

20.12.2011


Als Kind hatte ich ein Buschibäbi - eine Babypuppe -  mit kornblumenblauen Glasaugen, über denen sich dichtbewimperte Lider öffnen und schliessen konnten.
Obwohl sie kein sichtbares Geschlecht hatte, taufte ich die Puppe Beat:
'Der Glückliche'.
Drehte ich ihn um, tönte aus seinem Innern ein batteriebetriebenes 'Mamaaaaa'.
Ich konnte das endlos wiederholen, so gut gefiel mir dieser Hilferuf.
Kleine Mädchen sind neugierig und wollen wissen, wie Dinge funktionieren. Und so drückte ich einmal mitleidslos dem Beat in eines seiner starrblickenden Glasaugen.
Ich drückte wohl zu fest, denn plötzlich schepperte das Auge im Innern des Puppenkopfes.

Immer vor Weihnachten verschwanden auf geheimnisvolle Weise unsere sämtlichen Puppen und Bären. Und pünktlich am Heiligabend sassen alle wieder unter dem Tannenbaum in neuen Kleidern, die Tante Rösy und Tante Flora genäht und gestrickt hatten.
Ich persönlich vermisste die Puppen in der Zwischenzeit nie...


Beat gibt es übrigens immer noch. So sieht er heute aus:




PS. Er ist bekleidet mit dem Original-Strampelsack von 1960.
Seine Augenlider funktionieren bestens, klappen auf und zu, 'Mamasagen' hingegen geht nicht mehr.
Und der grosse Riss, der sich über die Stirne zieht, ist wohl dem Alter und dem spröde gewordenen Material zuzuschreiben. Denn ich war's im Fall nicht...

Let it snow!

19.12.2011


Gestern Nachmittag ganz oben im engen Tal. Man fühlte sich wie in einer Schneekugel, an der ununterbrochen geschüttelt wurde, so heftig wirbelte die weisse Pracht vom Himmel herunter.
Der Schneefall stimmte mich glücklich.
Je näher wir dann der Stadt kamen, desto spärlicher fielen die Flocken, und in der Stadt war es dann definitiv vorbei mit  Schneien.
Dachte ich.
Denn in der Mailbox fand sich eine besondere E-Mail.
'Die Grosse' schrieb, dass sie etwas Schönes entdeckt habe im Internet.
Man müsse auf Google gehen, 'Let it Snow' eingeben und warten.
Dann passiere nämlich etwas Überraschendes...



PS. Ich befolgte ihre Anweisungen und wurde belohnt. Plötzlich begann es zu schneien. Dutzende feiner Schneeflöckchen rieselten über den Bildschirm. Und dieser begann sich sogar zu beschlagen...
Einen stillen, weissen Start in die neue Woche,
wünscht Hausfrau Hanna

Weihnachts-(P)Optimismussong

17.12.2011

Joachim, der heulende, tobende Sturm, ist weitergezogen Richtung Osten.
Kalt ist es geworden, und zaghafte, erste Schneeflocken sind in der Nacht vom Himmel gefallen.
Morgen ist der 4.Advent.
"Tänd ett ljus" - "Zünd ein Licht an": Mit dem schwedischen Weihnachtspopsong aus den Achtzigern wünsche ich allerseits einen schönen, stimmungsvollen, letzten Adventssonntag,
Hausfrau Hanna



PS. "Zünd ein Licht an und lass es brennen,
lass niemals die Hoffnung verschwinden,
jetzt ist es dunkel,
aber es wird wieder hell.
Zünd ein Licht an für alles, woran du glaubst,
für diesen Planeten, auf dem wir wohnen.
Zünd ein Licht an für die Kinder dieser Welt…"

Zum Verwechseln ähnlich...

15.12.2011

Gestern schaute ich die Bundesratswahlen.
Ich behielt recht: Alles blieb, wie es war!
Die SVP-Leute wirkten müde und ausgelaugt. Genauso tönte der Satz, den sie repetitiv in die Mikrofons sagten: "Die andern haben die Konkordanz gebrochen."
Alain Berset, der neugewählte SP-Bundesrat aus dem Kanton Fribourg, soll nicht nur klug, konsensfähig und sozial, sondern auch musikalisch sein. Das gefiel mir. Das gefiel mir sehr gut.
An wen nur erinnerte mich der 39-jährige Jungbundesrat? Ich grübelte...

Bildquelle: Tribune de Genève


PS. Jaklar! An Fredrik Reinfeld natürlich - Schwedens Staatsminister!

Bildquelle: flyborg.wordpress

Innere Berufung

14.12.2011


Als sie zur Welt kam, bekam sie von den Eltern einen Namen, den oft auch russische Tänzerinnen tragen. Marina.
Es war wohl der Klang und nicht die Vorahnung, der die Eltern den Namen aussuchen liess.
Und vielleicht doch nicht.
Als die Kleine nämlich knapp fünf war, entdeckte sie den Tanz.
Im Laufe der Jahre tauchte sie immer mehr in die von Aussen so schwebendleicht scheinende Welt des Tanzes ein.
Einer inneren Musik folgend ging sie ihren Weg, trainierte und tanzte, erzählte dabei Geschichten voller Poesie und Zauber. Und es schien, als ob ihr Körper und ihre Seele dabei zu einer Einheit verschmelzen würden.
Es braucht, neben Begabung und den körperlichen Voraussetzungen, wohl auch diese unerklärliche, absolute Begeisterung, um eine jahrelange Tanzausbildung auf sich zu nehmen.
Fern des alltäglichen, gewohnten Umfeldes mit Familie, Schule und Freundinnen.
Seit einiger Zeit ist sie Ausbildungsschülerin einer Tanzakademie.
Und vielleicht, vielleicht wird der Traum vom Tanz auf der Bühne irgendeinmal Wirklichkeit...



Polina - ihr  Idol!



PS. Heute feiert sie ihren Geburtstag: Happy Birthday, Zauberfee!

Lucialicht

13.12.2011


'Mörk' heisst übersetzt 'dunkel'.
'Natt' heisst Nacht.
In vielen schwedischen Weihnachtsliedern wird das Dunkel der endlos langen Nacht besungen, das dann durchbrochen und erhellt wird vom strahlenden Licht der Kerzen.
Heute wird in ganz Schweden das Fest der Lichterkönigin, das Luciafest, gefeiert.
Dazu auch dies hier und dies hier.


PS. Und hört man diese Luciaweise, wird man so unglaublich froh, und ein molligwarmes Gefühl durchströmt den ganzen Körper...

Zu wenig Kontrolle!

12.12.2011


Heute Morgen las ich diese Geschichte in der Tageszeitung. Frontseite. Mit grossaufgemachter Fortsetzung dann auf Seite 23:
Eine hier in der Stadt wohnende Schweizer Sozialhilfeempfängerin erhielt die Miete für ihre möblierte Einzimmerwohnung jeden Monat direkt von der Sozialhilfe. Anstatt die Miete damit zu bezahlen, gab sie das Geld für Anderes aus. Als ihr der Hausbesitzer gekündigt hatte, bezog sie die 900 Franken mehr als ein Jahr lang weiter, obwohl sie längst nicht mehr in der Wohnung lebte.
Sie kommunizierte das dem Amt nicht, behielt das Geld für sich und betrog somit die Steuerzahlenden der Stadt um etwa 20'000 Franken.
So etwas ist unehrlich und unrechtmässig.
Damit meine Meinung klar ist.
Trotzdem.
Ich sehe die Betrugsgeschichte auch von einer andern Seite an, und diese andere Seite macht mich nachdenklich:
Die Frau, sie ist in meinem Alter, gönnte sich wahrscheinlich mit den monatlichen 900 Franken Dinge, die für mich selbstverständlich sind und die ich bezahlen kann, ohne mit der Wimper zu zucken.
Und etwas macht mich noch viel, viel nachdenklicher. Was haben wir als Kollektiv mit unsern Steuern nicht alles schon bezahlt. Ohne zu heulen. Ohne zu schreien:
M i l l i a r d e n beträge für Banken, die aus Gier Milliarden gegen die Wand gefahren haben.
Millionen für unnötige, überblähte Projekte.
Und, und, und...



PS. Ehrlich jetzt! Dagegen sind die 20'000 Franken ein Klacks. Vergleichbar mit dem
20- Rappenstück, das ich einst dem Vater aus dem gut gefüllten Portemonnaie geklaut habe.
Das war auch nicht in Ordnung.
Aber harmlos...

Adventsrad

10.12.2011


In der Kirche stand nicht der übliche Adventskranz.
Es war ein Rad.
"Ein Rad ist wie das Leben, beide bewegen sich stetig", dachte ich. "Nichts bleibt, wie es ist. Das Schöne nicht. Das Schlimme nicht."
Morgen Sonntag wird im Uhrzeigersinn am Rad weitergedreht, bis sich die dritte Kerze mit dem noch unverbrauchten, weissen Docht oben befindet.
Die erste und die zweite Kerze drehen langsam mit.
Dann werden alle drei angezündet und geben während des Gottesdienstes ihr sanftes, kleines Licht dem Raum und den Menschen ab.

Ich wünsche allen ein gutes 3.Adventswochenende.
Und Zeit für Stille(s) - Hausfrau Hanna



Ein Wunder

09.12.2011


Vorgestern Abend.
Ein Wunder geschah.
Und liess eine ganze Stadt im Freudentaumel ersaufen.
Unser FCB schlug im Champions League-Spiel Manchester United.
Blaurote Helden...


Heruntergeschraubt

08.12.2011


In Stockholm wohnte ich in einem der südlich gelegenen Vororte, die nicht unbedingt bekannt sind für Wohncharme und Style. Architekten entwarfen diese Städte in den 50er-Jahren am Reissbrett, statteten sie aus mit einer Tunnelbahnstation und einem Lebenszentrum mit allen wichtigen Geschäften wie Post, Bank, Apotheke.
Für mich noch die kleine Bibliothek, in der ich mich unglaublich gern aufhielt.
Die kleine Mietwohnung in der familienfreundlichen Überbauung war ebenfalls Original 60-Jahre. Ausgestattet mit dem Allernotwendigsten und mit Möbeln, die man als Vintage bezeichnen könnte.
Das Einfache, Ruhige gefiel mir.
Und ich merkte, wie wenig ich eigentlich brauchte.
Ein heruntergeschraubtes Leben...


Bastelengelchen

07.12.2011

Diese beiden wunderschönen Engelchenkarten befanden sich in den letzten Tagen in meiner Post. Und so drängte sich mir diese Idee geradezu auf:
Mich -  nach vielen Jahren unkreativen Daseins im Advent -
dieses Jahr wieder einmal hingebungsvoll dem Basteln zu widmen...







Winkmöwen

06.12.2011



Havet är en mur.
Jag hör måsarna skrika -
de vinkar åt oss.


Tomas Tranströmer
(Literaturnobelpreisträger 2011 aus Schweden)



Das Meer ist eine Mauer.
Ich höre die Möwen schrein -
sie winken uns zu.   

Tomas Tranströmer



PS. Anstelle des Meers ist hier der Fluss. Anstelle einer Mauer ein fliessendes Band.
Alles Andere gleicht sich...
...findet Hausfrau Hanna.

"Eisgekühltes Coca Cola...

05.12.2011


...Coca Cola eisgekühlt", sang Gaby spontan und vor allem sehr laut, als ich bei ihr in der Küche stand und sie mir zusah, wie ich der Kühltasche mein Geschenk entnahm:
Eine Flasche Prosecco.
Wir hatten nämlich etwas zu feiern und wollten zusammen anstossen.
Als sie sah, dass ich auch noch eine Schachtel mit belegten Broten mitbrachte, sang sie die zweite Strophe gleich hinterher:

"Ein belegtes Brot mit Schinken,
ein belegtes Brot mit Ei.
Das sind zwei belegte Brote.
Eins mit Schinken, eins mit Ei."




PS. Die Brote waren zwar belegt mit Lachs und Crevetten. Und das Lied passte auch nicht unbedingt in den Advent.
Aber so ist Gaby ;) !

Adventwärme

02.12.2011


Advent ist eine besondere Zeit. Wird es draussen dunkel, werden Kerzen angezündet in der Stube. 
Daheimsein. Warm. Gemütlich.
Musik hören, die eigene Weihnachtsmelodie entdecken. 
Das Tempo und die Hast des Tages verlangsamen sich -
ich werde zum Ritardando...


Advent är en fin tid. Om det är mörkt ute, tändas ljus i vardagsrummet. 
Vara hemma, vad varmt och mysigt.
Lyssna på musik, hitta sin egen julmelodi.
Hastigheten försvinnar -
jag blir en ritardando...



PS. Mit der Weise 'Komm gib mir Wärme - kom ge mig värme' des finnischschwedischen Komponisten Jean Sibelius wünsche ich allerseits ein verlangsamtes 2.Adventwochenende:


Ahnenforschung

01.12.2011

Normalerweise schenke ich den Zufällen im Leben nicht viel Beachtung und wische sie gern mit einem kurzen "Zufall halt!" beiseite.
Bis - ja bis ich kürzlich eine andere, tiefgehende Erfahrung machte.
Ich betrieb nämlich etwas matrilineare Ahnenforschung  im Internet.
Und wurde fündig.
Verblüfft schaute ich auf das Resultat, wurde dabei so glücklich, dass ich das Ganze schlicht nicht mehr als Zufall abtun wollte. Sondern an Vorsehung zu glauben begann... 
Ich fand nämlich meine Vorfahrin, Hausfrau Hanna, die vor ungefähr 140 Jahren gelebt hatte.
Und nun der Zufall, der für mich keiner ist: 
Sie lebte tatsächlich...
... in Schweden :-)

PS. Hier sieht man sie, meine ernst blickende, schwedische Vorfahrin:

Hustru Hanna!
Bildquelle: Skåne - Nordiska Museet
Porträtt av Nämdeman Erik Nilsson i Lyngby och hustru Hanna.

Dasselbe

30.11.2011


In unserem Schweizer Dialekt sagen wir 'Ängel'.
Und in Schweden?


PS. 'Ängel'!

Beflügelt und beschwingt

29.11.2011

Vor etlicher Zeit bekam ich etwas Praktisches geschenkt:
Eine Box, gefüllt mit handlichkleinen Notizzetteln, auf die Engel und Engelszitate aufgedruckt waren. Mit Engeln ist das so eine Sache. Und da mir damals ganz und gar nicht nach Engeln zumute war, verschwand das Schächtelchen irgendwo in einem Kastenfach.
Aus den Augen, aus dem Sinn.
Bis, ja bis es mir kürzlich beim Sortieren und Räumen wieder in die Hände fiel.
Und ich zu lesen begann. Zettel um Zettel.
Einige der Zitate sprachen mich sehr an. 
Etwa dieses:
"Man begegnet ihm manchmal flüchtig im Treppenhaus, es kann aber auch ein Luftzug gewesen sein..." Cyrus Atabay

PS. Die Engelsbox steht nun auf dem Küchenregal. Ich notiere auf die Zettel die täglichen Einkäufe und all die Dinge, die ich nicht vergessen darf.
Vielleicht ist es ja nur Einbildung.
Aber irgendwie geht der Alltag momentan leichter vonstatten. Wie von Flügeln getragen...

Bazarerfahrungen und Bucherinnerungen

28.11.2011


Am Samstag war Bazartag in der Stadt!
Beim ersten Bazar war ich aktiv. Ich stand hinter einem Stand und half beim Verkauf von 'fingerfood', den Frauen aus aller Welt gebacken hatten.
Es lief gut. Die Leute blieben stehen,  liessen sich von den internationalen Spezialitäten verführen.
Was mich doch etwas verwunderte: Die Schinkengipfeli waren zuerst ausverkauft...



Der nächste Bazar mit seiner ganz speziellen Atmosphäre war nur ein Katzensprung entfernt.
Im Buchantiquariat brach ich in Begeisterung aus über die literarischen Schätze von Annodazumals:


Olga Meyer, Marta Wild, Johanna Spyri... 
Anneli. Heidi. Pucki. Trotzkopf...
Leseerinnerungen wurden wach:





PS. Es war dann die Vernunft, die reine Vernunft, die ein eindringliches 'Stopp' sagte.

PPS. Heute bereue ich es bereits, diese Buchschätze nicht gekauft zu haben.

PPPS. In einem Jahr ist wieder Bazar oben auf dem Berg :-))

Faulmöwe

25.11.2011

Ein Zustand ergriff mich diese Woche, den ich als träge, satt, selbstzufrieden erlebte.  Ich mochte nicht schreiben, und es wollte mir partout nichts einfallen.
Möwenfaul halt.
Autorinnen bezeichnen diesen unangenehmen Zustand als Schreibstau.
Ich bin keine Autorin.
Und doch fragte ich mich, ob mir die Auszeichnungen dermassen zu Kopf gestiegen waren, dass dieser bleischwer wurde.
Wie sonst nur nach dem 'Glas Roten' zuviel.
Faulmöwe - möwenfaul

"Zoart, ganz zoart"...

24.11.2011


... sang er im ersten Lied der LP 'Zartbitter'.
Er sang es so sanft, zart und verhalten in seinem Wienerdialekt, dass ich jeweils einen Augenblick lang die Augen schliessen musste und den Atem anhielt. So nah ging es mir.

"Und wann’st stirbst und jeder traurig is,
dann sei’s bitte ich, der dir die
Augerln schliesst.
Zart, ganz zart, viel zart."

Soeben habe ich im Blog von Wildgans gelesen, dass Ludwig Hirsch gestorben ist.
Das macht mich betroffen.


PS. Im Februar, anlässlich seines 65.Geburtstages, habe ich mich an ihn erinnert.






Hausfrau Hanna wird ausgezeichnet...

21.11.2011

Grosse Überraschung heute Morgen:
'Hausfrau Hanna' hat eine Auszeichnung erhalten!
Ein herzliches Dankeschön für den von Sofasophia überreichten Blog-Award (wie das heisst).
Ich freue mich - auch weil ich nie, nie an so etwas gedacht hätte.
Schon gar nicht beim Formulieren, Sortieren und Niederschreiben der Gedanken zu kleinen Bloggeschichten. Da lege ich nur Wert darauf, dass diese kurz und knapp sind.
Im besten Fall unterhalten und ganz wichtig, keine (!) Orthografiefehler enthalten...

PS. Dem Award ist übrigens eine nette Aufforderung beigefügt:
Ich soll sieben verschwiegene Details aus meinem Leben preisgeben.
Oha ;-)
So öffne ich also die Schatztruhe, entnehme ihr diese sieben wunderbaren Musikstücke, deren Auswahl eine beliebige ist - genausogut könnten es sieben andere sein :-))

1.Was fanden wir sie cool damals - auch wegen dieses Liedes:


2. Der Hahn kräht. Die Lebensfreude sprüht.


3.Wecker weckt. Damals und heute.


4. Einheimisches - mein Lieblingstrio vom Bielersee:


5. In dieser Musik ersaufe ich. Vor Glück.


6. Sverige i mitt hjärta. För evigt!


7. Und Bach. Der Grösste.

Die ich in mir trage...

20.11.2011

Letzter Sonntag vor dem 1.Adventsonntag.

Totensonntag oder Ewigkeitssontag.
Heute wird in den Gottesdiensten der Menschen gedacht, die während des Kirchenjahres gestorben sind.
Die Glocken der benachbarten reformierten Kirchen haben begonnen, den Gottesdienst einzuläuten.
Ich öffne für einen Moment die Balkontüre.
Soeben fällt die letzte Glocke ein.
Das Geläute klingt, ich bilde es mir wahrscheinlich nur ein, etwas dunkler und schwerer als sonst.
Ich besuche keinen Gottesdienst.
Ich trage die mit mir verbundenen Verstorbenen in mir.
Und lese Hilde Domins Gedicht.
Wieder und wieder.
Denn einmal genügt nicht.

Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.
Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.
Alle Spiegel so klar
wie ein See nach großem Regen,
ehe der dunstige Tag
die Bilder wieder verwischt.

Nackt ist nicht gleich nackt...

18.11.2011

Soeben habe ich in der Tageszeitung etwas Gemütbewegendes gelesen:
Nacktwandern darf künftig von den Kantonen bestraft werden. Denn es stehe fest, dass nach dem Empfinden eines durchschnittlichen Menschen beim Nacktwandern Sitte und Anstand verletzt würden.


PS. Häuschenschnecken finde ich auch schöner als Nacktschnecken ;-)

PPS. Gegen diese Nacktfrühstücker im Grünen ist hingegen nichts einzuwenden:

'Frukost i det gröna' Pablo Picasso, Stockholm

PPPS. Und mehr Informationen zum Thema in Titus' Augenreiberei. Lesenswert!

Tageserwachen

17.11.2011


Ich bin schon lange auf und schaue zu, wie es Tag wird.
Die gelben Ahornblätter, die dem Baum noch verblieben sind, leuchten in der Sonne.
Eine Krähe fliegt vorbei. Leider nicht in den Süden.
Und in andern Teilen des Landes stecken die Leute unter einem weissen, wattigen Meer aus Nebel.
Schwer vorstellbar...

"Wer sucht, der findet..."

16.11.2011


... sagte Mutter damals, und ihre Stimme klang beschwörend.
Manchmal auch triumphierend, wenn sie mir den vermissten und trotz aller Suche nicht gefundenen Gegenstand hinstreckte.
Und was lese ich soeben?
Eine leicht abgeänderte Fassung des mütterlichen Erziehungssatzes:

'Wer einen Engel sucht,
wird auch einen finden.'



PS. Einfach nicht zu krampfhaft, empfiehlt Hausfrau Hanna.
PPS. Dann findet man sie nämlich überall.
PPPS. Die Engel...:-)

Füllhorn

15.11.2011


"Der Alltag ist wie ein Füllhorn. Wenn man sich Zeit nimmt und hin(ein)guckt", 
gibt sich Hausfrau Hanna überzeugt und wünscht allerseits einen sichtfreien und klaren Tag :-)

Hitchcockspannung...

14.11.2011

Ab und zu mag ich sie, diese hühnerhauterzeugenden Film- und Buchkrimis, die den Alltag aufpfeffern wie die Prise Cayenne die sonst fade Kürbissuppe.
Nun, gestern Abend freute ich mich auf einen spannenden Fernsehkrimi im SF: 'Mord hinterm Vorhang'. Stephanie Glaser in ihrer letzten Filmrolle als Krimiautorin Lydia Walliser. 
Ich halte mich kurz:
Soviel Biederkeit und Langeweile an einem Sonntagabend liess mich ermatten.
Nach einer Stunde fand ich endlich die Kraft, den Ausknopf an der Fernbedienung zu drücken.
Bei einem Hitchcockfilm wäre mir das nie passiert.
Nie!

Von umtriebigen und verwundeten Krähen

11.11.2011

Krähen sind gescheit und umtriebig.
Im Moment führen sie sich als Herrscherinnen des Balkons auf, wühlen mit ihren starken Schnäbeln in den Kistchen und Töpfen, verstecken ihre Futterschätze oder nehmen regelrechte Erdbäder.
Und das völlig ungestört in meiner Abwesenheit.
Komme ich nach Hause, schimpfe ich über die hinterlassene Sauerei erst einmal ins Leere.
Dann wische ich die überall auf dem Boden verstreuten Erdspuren zusammen.



PS. Was Musik, Worte und Metaphern auch vermögen!
Höre ich diese schwedische Volksweise vom Mädchen und der Krähe, werde ich von einem Moment auf den andern ganz sanft, bin milde gestimmt.
Und eine leise, nordische Wehmut breitet sich aus, wenn ich das besungene Mädchen vor mir sehe, das mit hellen, wehenden Locken durch den Wald eilt. In seinen Armen eine verwundete Krähe, die es in die Geborgenheit und Wärme seines Zuhauses bringen will. Obwohl es weiss, dass die Krähe bald tot sein wird.

Herbstterror

10.11.2011

Viertel vor acht Uhr.
Die Ruhe des Morgens wird plötzlich durchbrochen von Motorengeheul.
Ich eile verärgert auf den Balkon, um die alles beherrschende Lärmquelle auszumachen.
Zwei junge Männer schreiten durch einen der Nachbargärten. Auf dem Rücken diese lärmenden Motoren, in den Händen das Laubblasrohr.
Der alljährliche Herbstterror hat begonnen...


PS. "Ta det lugnt!" - sagt man in solchen Situationen in Schweden - "reg dich ab!"
Und deshalb hier noch eine schwedische Version:

Kvart i åtta.
Jag ser två killar i granngården som går omkring med bullriga motorer på ryggen och lövblåsrör i händerna. De blåser ihop löv.
Den årliga höstterror har börjat...

Prägendes Kinoerlebnis

08.11.2011


Zusammen mit der Winterzeit beginnt für mich jeweils die Kinosaison.
In meiner frühesten Erinnerung, die mit Kino und Film zu tun hat, beinele ich als Fünfjährige an der Hand der grossen Schwester der Hauptstrasse entlang ins Nachbardorf.
Dort, im Saal eines Restaurants, findet Kino statt.
'Schneewittchen' von Walt Disney.
Ich prestiere den Film mit seinen auch heftigen, angsteinflössenden Szenen problemlos. Robustes Kind.
Beim Nachhausegehen zeige ich einfach völlig erstaunt mit dem Finger auf die kleinen Männchen, die sich eben noch im Film bewegt haben und jetzt still und wie hingezaubert im Schaukasten beim Kino ausgehängt sind...
So etwas prägt fürs Leben :-)

Tellenbub

07.11.2011


Wie jedes Jahr um diese Zeit ist in der Stadt Herbstmesse. Hausfrau Hanna avanciert dann zur geschätzten und begehrten Begleiterin mit grossem Herz und noch grösserem Geldbeutel.
So auch an diesem Wochenende.
Zuerst studiert der Besuch gründlich den Situationsplan:


Auf dem grossen Messeplatz dann die erste Versuchung: "Hausfrau Hanna, ich will schiessen!"
"Kommt nicht in Frage. Schiessen mag ich nicht!"
"Aber mit Mami zusammen durfte ich auch schon."
Dieses Argument macht mich weich, Mamis sind für mich oberste Instanz. Und so erlaube ich drei Schüsse.
Die Schiessstandfrau erklärt dem Buben geduldig den Vorgang und hilft etwas mit ihrer den Vorlauf unterstützenden Hand.
Hochkonzentriert gibt sich der Bub dem Geschehen hin. Päng. Treffer.
Das war wohl Zufall und kindliches Glück.
Päng. Treffer.
Ich traue meinen Augen nicht.
Päng. Treffer.
Ein Lachanfall lässt mich nach Luft schnappen.
Und was fällt dem Buben dazu ein?
"Ich bin nicht LuckyLuke - jetzt bin ich LuckyLinus!"




Auf dem nächsten Platz meldet sich das Hüngerchen.
Marroni. Hotdog. Und von Hausfrau Hannas Risotto kosten...



Zum Abschluss dann FCB-farbiges Zuckerzeug. Und die entsprechenden Spuren:




PS. Vor lauter Mässmoggen, Schiessereien, Hotdogs und strahlenden Kinderaugen habe ich etwas völlig vergessen: Gestern wäre eigentlich 'Hausfrau Hannas' zweiter Bloggeburtstag gewesen.

PPS. Heute wird nachgefeiert! Und sich gefreut über jeden netten Glückwunschkommentar...:-)

Gleichwertigkeit

04.11.2011

Vielleicht fühle ich mich Schweden und seinen Menschen so verbunden, weil ein ungeschriebenes Gesetz immer noch Gültigkeit hat und tief im Bewusstsein der meisten Schweden und Schwedinnen verankert ist: Das Jantegesetz oder 'Jantelagen'.
Seine Kernbotschaft klingt vielleicht etwas moralisch:
"Du sollst niemals glauben, dass du etwas Besseres bist als die andern!"


PS. Ein 'Jantegesetz' täte manchen hierzulande gut,
meint Hausfrau Hanna und wünscht allen ein erholsames, schönes Wochenende!

Ohne Dach

03.11.2011

Ich wurde erst dann ganz erwachsen, als Vater und Mutter gestorben waren.
Und das elterliche Dach über dem Kopf fehlte.
Als Heranwachsende ertrug ich den Vater manchmal nur schwer. Er mich wahrscheinlich auch.
Als er alt und dement wurde, sah ich in seinem Wesen die Liebenswürdigkeit, den Humor, die tiefe Zufriedenheit, mit der er über sich hinaus in die Weite sah: "Ich schaue gern gegen Osten zum Berg hin. Da geht die Sonne auf."
Das versöhnte mich mit allem, was war.
Heute vor zehn Jahren ist er gestorben.
Ich habe den Eindruck, als ob er mir zuwinke. Heiter und verschmitzt lächelnd...






Schattenwurf

02.11.2011

In der Novembersonne werden die Schatten riesig...


Schwanensee und roter Fluss

01.11.2011

Am Abend des 31.Oktobers 1986 wurde live von der Grossen Bühne des Stadttheaters im Schweizer Fernsehen das Ballett 'Schwanensee' übertragen.
Meine fernsehlose Freundin Christine kam zu Besuch.
Auf dem einen Kanal wurde die getanzte Bühnenaufführung übertragen, auf dem andern das Geschehen hinter der Bühne. Und für diese voyeuristische und deshalb spannendere Variante entschieden wir uns dann auch.
Wir sahen den Menschenschwänen beim Aufwärmen zu.
Sahen sie graziös trippelnd verschwinden durch den seitlichen Vorhang und nach dem Auftritt schwitzend und schweratmend wieder erscheinen und zu Boden sinken.
Gegen Mitternacht verabschiedete sich Christine und ging nach Hause.
Und ich ging zu Bett mit dem Gefühl, etwas ganz Besonderes, Schönes erlebt zu haben.

An- und abschwellende Sirenen sowie von den Strassen herauftönende Polizeidurchsagen, die Fenster zu schliessen und drinnen zu bleiben, rissen uns aus dem Schlaf.
Es war eine konfuse, angstmachende Situation.
Irgendwann am Vormittag dieses 1.Novembers kam dann die Entwarnung im Radio:
Schweizerhalle hat gebrannt. Die Gefahr ist vorbei.
Auf der Herbstmesse hatte es soviele Menschen, wie wohl noch nie zuvor. Die meisten vermummt mit Schals gegen den Fauleiergestank.
Dann der vom Löschwasser rotgefärbte Rhein. Die tot vorbeitreibenden Fische.
Die Sorge, dass sich der Fluss nie wieder erholen würde.
Die unterschwellige Angst, dass sich wieder einmal solche Katastrophe ereignen könnte.
Die Wut auf die Politiker. Und auf ihre Beschwichtigungen und Verharmlosungen.
Und das Gefühl: Wir sind davongekommen.

Muttersprache

31.10.2011

Zuhören.
Wort für Wort.
Rose Ausländer -
in ihrem Namen die Fremde.
Nochmals den Worten lauschen.
Und dann das Ahnen,
was Muttersprache
bedeutet.
Heimat.





So etwas wie Neid...

29.10.2011


Mein Freund Katino ist diese Woche umgezogen. Von einer Altbauwohnung in eine neue Wohnung eines neuerbauten Wohnhauses.
Als wir zusammen telefonierten gestern Abend, konnte ich durch den Hörer fast die weissen Wände sehen, die makellose Frische der noch von niemandem benutzten Räume riechen.
Dann erzählte mir Katino von der gestylten Küche mit allen Schikanen, in die jedoch kein Licht installiert worden war.
Als er den Mangel der Verwaltung weiterleitete, schrieb ihm diese zurück:
"Die Küche ist ausgestattet mit so grossen Fenstern, dass wir von einer Beleuchtung abgesehen haben."
Aha! Eine solche Antwort hat was und leuchtet ein...
Nun, nach dem Umzug anfangs Woche, bekam Katino nochmals einen Brief von der Verwaltung.
Sie begrüsste ihn als neuen Mieter sehr herzlich. Dem Kuvert beigelegt war ausserdem ein Gutscheinheft im Wert von sage und schreibe 1000 (tausend) Franken.
Einlösbar bis Ende 2012 im benachbarten Restaurant :-)

PS. Ein Jahr lang nicht Kochenmüssen am Abend. Etwas neidisch macht das schon...
... seufzt Hausfrau Hanna.

Anarchist!

28.10.2011


Deshalb, genau deshalb blogge ich. Und blogge weiter.
Ich mag das Überraschende, das Unerwartete, das im Kontakt mit Menschen liegt, die ich persönlich nicht kenne...
So wie etwa gestern Morgen.
Im hausfrauhanna(at)bluewin.ch-Briefkasten fand ich eine Mail und ein Bild. Von einer Blogleserin mit einer besonderen Begabung, die Umwelt wahrzunehmen:

"Liebe Hausfrau Hanna,
habe das Vogelhäuschen-Photo am Sonntag gemacht und dachte, ich schicke Dir das Bild. Der Vogel wird wohl auch ein Anarchist sein... ;-)
Mit vögeliwohlen Grüssen stadtwärts,
Lisette"
Bild aufgenommen von Lisette


PS. Dem tieferen Sinn von Lisettes Satz 'der Vogel wird  wohl auch ein Anarchist sein' spüre ich heute bei einem Spaziergang dem Fluss entlang nach...;-)

Down by the Riverside

26.10.2011

Heute vor 100 Jahren ist Mahalia Jackson, die afroamerikanische Gospelsängerin, zur Welt gekommen.
Ich hörte ihre Weihnachtslieder am liebsten. Aber Ende Oktober ist es zu früh für ein 'Silent Night'.
'Down by the Riverside' finde ich passender.
Wunderwunderschön und ergreifend, wie sie die religiöse Botschaft mit ihrer Stimme und ihrem Körper ausdrückt:

Gedanken während einer Livesendung

25.10.2011


"Schade, schade, dass die Grünen so viele Sitze verloren haben!
Hurra, die SVP-Mannen machen betretene Gesichter!
Mehr politische Mitte hat etwas typisch Schweizerisches",
vermag ich noch zu denken am Sonntagabend vor dem Fernseher.
Dann nicke ich ein...




PS. Was für ein Resultat hat eigentlich der Berner Bond gemacht? Fragt sich soeben Hausfrau Hanna...

Tomas Tranströmer, der wenig bekannte Literaturnobelpreisträger

24.10.2011


Als ich den Namen des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers las, war ich ein einziges, grosses Fragezeichen: Tomas Tranströmer? Nie gehört! Wahrscheinlich ging es nicht nur mir so...
Unterdessen änderte sich das.
Letzte Woche lasen wir im Schwedischunterricht drei seiner Gedichte, versuchten uns an einer Übersetzung. Ich fand es schwierig.
Am Samstag dann stöberte ich in einer Buchhandlung in einem kleinen Gedichtband, der zu Ehren des neuen Literaturnobelpreisträgers auflag.
Dieses drei Zeilen knappe Gedicht passte sich meinen Schwedischkenntnissen an.
Es schien, als hätte Tranströmer es für mich geschrieben:

"Se hur jag sitter
som en uppdragen eka.
Här är jag lycklig."


"Schaut, wie ich sitze
wie ein an Land gezogener Kahn.
Hier bin ich glücklich."





Letzte Vorstellung

22.10.2011


Gestern Mittag auf dem Markt in der Stadt.
Neben mir am Blumenstand sucht eine lebhaft gestikulierende und mit italienischem Akzent sprechende Kundin Trockenblumen aus, die die Marktfrau zum Strauss bindet.
Die Kundin kommt mir bekannt vor.
"Mi scusi. Lei è Signora Mummenschanz?"
Die Frau lacht lauthals und herzlich: "Si, sono Signora Mummenschanz!"
Irgendwie hat das etwas Ansteckendes, und ich fahre fort: "Auguri, tanti auguri per la sua ultima Vorstellung."
(Irgendwo habe ich gelesen, dass Mummenschanz 2011 ihre allerletzte Tournee bestreiten. Und dabei auch hier in der Stadt gastieren).
Jetzt geht das südländische Temperament mit Signora Mummenschanz durch:
"Waasss?! Letzte Vorstellung?! Ich mache weiter, bis ich tot umfalle."
Dann zeigt mir Floriana Frassetto, wie Signora Mummenschanz richtig heisst, ihre kraftvolle Faust und fügt an: "Uomini - Männer! Noi donne haben Frauenpower und geben nicht auf!"
Ich glaube ihr aufs Wort.

PS. Hier zum Wochenende eine kleine Kostprobe für alle, die Mummenschanz nicht kennen (was ich mir nicht vorstellen kann...) oder keine Gelegenheit haben, sie live zu erleben:

"Jeder sei auf seine Art ein Grieche"

21.10.2011


In Griechenland herrscht Chaos.
Heute lese ich in der Tageszeitung, dass in Athens Strassen Tausende demonstrieren und protestieren gegen das neue Sparprogramm.
Sparen. Sich einschränken. Den Gürtel enger oder eng schnallen. Verzichten.
Hart ist das schon.
Ich werde nachdenklich.
Die Griechen!
Die lebten erst ein arbeitsarmes Leben und gingen dann mit 50 in Rente.
Sie gaben das Geld aus und lebten über die Verhältnisse.
Und ich war, wie all die die vielen, vielen Touristen, die seit Mitte der Siebzigerjahre auf den sonnigen Inseln den Urlaub verbrachten, angetan vom mediterranen Lebensstil zwischen Bouzoukiklängen, Sirtaki und Retsina.
Ich lauschte hingerissen unzählige Male den verschmitzten Worten des Filmlebenskünstlers Alexis Sorbas'. Und liess die wohl schönste Inschrift, die je auf einem Grab zu lesen war, ergriffen ins Herz sinken:

"Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei."


PS. Die Überschrift stammt übrigens nicht von mir - ich fand den Satz bei Goethe... ;)

Müssiggang

20.10.2011


"Müssiggang ist aller Laster Anfang..."



PS. Müssiggang ist aller Alltagsfreuden Anfang. Denn nur wer in Ruhe, Gelassenheit und Untätigkeit dazusitzen vermag, dem setzt sich auch ein Spatz auf den Kopf...
meint Hausfrau Hanna

Lange Leitung

19.10.2011


Kürzlich erzählte ich wieder einmal einen Witz.
Unserem Besuch beim Mittagessen.
Ich hätte es sein lassen sollen, denn der Besuch lachte nicht.
Ich kam unter Druck, geriet in Erklärungsnotstand und begann den Witz nochmals zu erzählen.
Betonte die Pointe extra mit passender Mimik und Gestik.
Vier verwunderte Augen schauten mich an.
Nach dem vierten Versuch begriff der Besuch. Und lachte endlich.
Ich war erlöst.
"Eure Leitung ist so lang, man könnte sie dreimal um die Welt wickeln",
hätten wir als Kinder zu solchem Besuch gesagt.




PS. Und ich erzähle keine Witze mehr. Nie wieder ;)




Von Betonköpfen und Demonstrationen

18.10.2011


Gestern auf dem Bahnhofsplatz gesehen und gelesen:


'Westliche Welt
runter mit
dem Konsum
faire Verteilung
der weltweiten Ressourcen.'


PS. Dazu auch Alice Gabathulers Blogbeitrag. Hier lesen.

PPS. Als kleines Kind vermochten mich die Nik(o)lausworte noch zu beeindrucken.
Das ist lange, lange her...


Strotzend vor Lebenslust!

15.10.2011



"Nach 'Emmas Glück' brilliert die Bestsellerautorin
Claudia Schreiber wieder mit einem Roman,
der vor Lebenslust nur so strotzt."


Mit rotgeschriebener Lebenslust auf giftgrünem Grund fängt man mich.
Zumindest optisch.
Ganz schnell, ohne viel zu überlegen, kaufte ich das nur 286-seitige Buch 'Süss wie Schattenmorellen' .
Und fast genauso schnell las ich es in einem Aufwisch durch, denn die Geschichte hatte Tempo und Schwung, und die Hauptfiguren waren richtige Originale mit schrägem Charakter. 
Am besten gefiel mir der Grossvater, der sich auf Seite 80 bei seinem einzigen Freund, einem Friseur, beklagt:
"Ich bin nun wirklich alt geworden. Ich habe inzwischen häufiger einen steifen Nacken als einen nackten Steifen!"



PS. Ja, ja, die Männer mit ihrer Pointentreffsicherheit,
meint Hausfrau Hanna.
PPS. Und wünscht ihrerseits allerseits ein vor Lebenslust strotzendes Herbstwochen-
ende :-)

Nein Danke!

14.10.2011


Über so etwas kann ich mich freuen :)
Gesehen, als ich unterwegs war ins Stadtzentrum...

Nationaltier der Schweiz

13.10.2011


Gestern über Mittag.
Die Bauarbeiter von Gegenüber haben ihre Arbeit niedergelegt. Im Haus herrscht ebenfalls tiefe Ruhe. Ich schreibe eine Geburtstagskarte auf Schwedisch, suche nach Wörtern, formuliere Sätze.
Das Telefon unterbricht mich.
"Madame!", sagt eine helle Frauenstimme mit französischem Akzent und will dann mein Interesse wecken für Wein aus Spanien.
Ich sage: "Non, kein Wein. Keine Werbung. Rien du tout." Das 'Rien du tout' rutscht mir aus dem Mund wie ein Stakkato...
Dann lege ich auf.
Am Abend dann, ich schneide Kartoffeln für einen Gratin, klingelt das Telefon wieder.
Wieder höre ich die gleiche Frauenstimme: "Madame!"
Ich wiederhole die drei kurzen Sätze vom Mittag. Und lege auf.
Drei Sekunden später läutet es wieder. Ich nehme ab.
Und noch einmal ist es die Frau. Ihre Stimme tönt aufgebracht:
"Madame, Sie sind eine dumme Kuh!"
Dann legt sie auf.



PS. Hier ein echtes Schweizer Nationaltier!






Gedichtzauber

12.10.2011


Es gibt Gedichte, die üben eine besondere Anziehung aus auf mich.
Als ob in ihnen eine Zauberkraft läge.
Ich lese die Worte still.
Dann laut.
Und wiederhole sie nochmals.
Dann überlasse ich sie meinem Innern.


Was vorüber ist
ist nicht vorüber
Es wächst weiter
in deinen Zellen
ein Baum aus Tränen
oder vergangenen Glücks

Rose Ausländer

Aus einem Interview...

11.10.2011

... in der Tageszeitung habe ich die Essenz herausgefiltert.
Der Chefarzt der Orthopädie am städtischen Universitätsspital wird von der Journalistin konfrontiert mit dem Satz, dass Chirurgen Ärzte seien, die schnipseln, weil sie es mit Menschen nicht gut können. Ob das ein wahres Klischee sei?
"Nein, ich denke immer an den Menschen und sein Schicksal", widerspricht der Chefchirurg.
Das tönt glaubhaft.
Denn er erklärt uns Lesern und Leserinnen gleich anschliessend, wie er das meint:
Ein "Ömeli" müsse man ganz anders behandeln als einen "Profifussballer"...


PS. Der Mann führt folgende Titel: Prof. Dr. med. Dr.phil.
Und hat Jahrgang 1972. Das Büebli, das!



Die schönsten Jahre...

10.10.2011

Du weißt nicht mehr wie Blumen duften,
kennst nur die Arbeit und das Schuften -
... so geh´n sie hin die schönsten Jahre,
am Ende liegst Du auf der Bahre
und hinter Dir da grinst der Tod:
Kaputtgerackert - Vollidiot!         


Joachim Ringelnatz



PS. Der Ringelnatz! So kannte ich ihn nicht bis jetzt. 
Auch wenn er recht hat - irgendwie will mir bei seinem derb formulierten  Reim das Lachen nicht gelingen.
Auch nicht das schadenfrohe...

Mystischer Geldsegen...

09.10.2011

Was östlich daherkommt, gibt sich oft einen exotischen, rätselhaften, tiefgründigen Anstrich.
Vor gut einer Woche bekam ich von einer Bekannten diese Mail, die ich interessiert las und die mich verblüffte:

"
2011 ist ein ungewöhnliches Jahr, sagen die Chinesen.
Der Monat Juli dieses Jahres hatte 5 Freitage, 5 Samstage und 5 Sonntage. Dies ist nur alle 623 Jahre der Fall. Die Chinesen nennen dieses Phänomen "ein Sack voller Geld" und das ist noch nicht alles.
Dieses Jahr haben wir vier außergewöhnliche Daten:
1.1.11 /  1.11.11 /  11.1.11 /  11.11.11.
Zudem hat der Monat Oktober dieses Jahr 5 Sonntage, 5 Montage und 5 Samstage. Das ist nur alle 823 Jahre der Fall.
Wenn Du die letzten beiden Zahlen Deines Geburtsjahres mit dem Alter, welches Du dieses Jahr erreicht hast, zusammenzählst, erhältst Du die Zahl 111.
Diese Zahl ist dieses Jahr für alle gleich!!!! Und das bedeutet das Jahr des Geldes!!!
Diese Jahre sind hauptsächlich als "Besitz von Geld" bekannt. Die chinesische Regel sagt, dass du dies 8 guten Freunden weitersagen musst und das Geld kommt in den nächsten 4 Tagen, wie es durch das Feng-Shui erklärt ist. Diejenigen, die es nicht weiterleiten, erhalten auch kein Geld.
Teste das mal - es ist zwar unglaublich, aber es stimmt tatsächlich!"


PS. Ich lasse mir normalerweise nicht so leicht einen Bären aufbinden. 

PPS. Aber dieses Mal wurde ich schwach. Der versprochene Geldhaufen übte eine derart suggestive Kraft aus, dass ich die Mail tatsächlich an acht Leute weiterschickte. Und sicher ist sicher! Gleich noch zwei zusätzliche Personen anmailte. Ob ich da wohl zuviel des Guten getan hatte?
Das Geld blieb nämlich aus. Bis heute...

PPPS. Nun bin ich gespannt, ob andere mehr Glück haben. 

PPPPS. Man dürfte mich dann gern berücksichtigen und beteiligen... ;-)