Dasselbe

30.11.2011


In unserem Schweizer Dialekt sagen wir 'Ängel'.
Und in Schweden?




PS. 'Ängel'!




Beflügelt und beschwingt

29.11.2011

Vor etlicher Zeit bekam ich etwas Praktisches geschenkt:
Eine Box, gefüllt mit handlichkleinen Notizzetteln, auf die Engel und Engelszitate aufgedruckt waren. Mit Engeln ist das so eine Sache. Und da mir damals ganz und gar nicht nach Engeln zumute war, verschwand das Schächtelchen irgendwo in einem Kastenfach.
Aus den Augen, aus dem Sinn.
Bis, ja bis es mir kürzlich beim Sortieren und Räumen wieder in die Hände fiel.
Und ich zu lesen begann. Zettel um Zettel.
Einige der Zitate sprachen mich sehr an. 
Etwa dieses:
"Man begegnet ihm manchmal flüchtig im Treppenhaus, es kann aber auch ein Luftzug gewesen sein..." Cyrus Atabay

PS. Die Engelsbox steht nun auf dem Küchenregal. Ich notiere auf die Zettel die täglichen Einkäufe und all die Dinge, die ich nicht vergessen darf.
Vielleicht ist es ja nur Einbildung.
Aber irgendwie geht der Alltag momentan leichter vonstatten. Wie von Flügeln getragen...

Bazarerfahrungen und Bucherinnerungen

28.11.2011


Am Samstag war Bazartag in der Stadt!
Beim ersten Bazar war ich aktiv. Ich stand hinter einem Stand und half beim Verkauf von 'fingerfood', den Frauen aus aller Welt gebacken hatten.
Es lief gut. Die Leute blieben stehen,  liessen sich von den internationalen Spezialitäten verführen.
Was mich doch etwas verwunderte: Die Schinkengipfeli waren zuerst ausverkauft...



Der nächste Bazar mit seiner ganz speziellen Atmosphäre war nur ein Katzensprung entfernt.
Im Buchantiquariat brach ich in Begeisterung aus über die literarischen Schätze von Annodazumals:


Olga Meyer, Marta Wild, Johanna Spyri... 
Anneli. Heidi. Pucki. Trotzkopf...
Leseerinnerungen wurden wach:





PS. Es war dann die Vernunft, die reine Vernunft, die ein eindringliches 'Stopp' sagte.

PPS. Heute bereue ich es bereits, diese Buchschätze nicht gekauft zu haben.

PPPS. In einem Jahr ist wieder Bazar oben auf dem Berg :-))

Faulmöwe

25.11.2011


Ein Zustand ergriff mich diese Woche, den ich als träge, satt, selbstzufrieden erlebte.  
Ich mochte nicht schreiben, und es wollte mir partout nichts einfallen.
Möwenfaul halt.
Autorinnen bezeichnen diesen unangenehmen Zustand als Schreibstau.
Ich bin keine Autorin.
Und doch fragte ich mich, ob mir die Auszeichnungen 
dermassen zu Kopf gestiegen waren, dass dieser bleischwer wurde.
Wie sonst nur nach dem 'Glas Roten' zuviel.


Faulmöwe - möwenfaul

"Zoart, ganz zoart"...

24.11.2011


... sang er im ersten Lied der LP 'Zartbitter'.
Er sang es so sanft, zart und verhalten in seinem Wienerdialekt, dass ich jeweils einen Augenblick lang die Augen schliessen musste und den Atem anhielt. So nah ging es mir.

"Und wann’st stirbst und jeder traurig is,
dann sei’s bitte ich, der dir die
Augerln schliesst.
Zart, ganz zart, viel zart."

Soeben habe ich im Blog von Wildgans gelesen, dass Ludwig Hirsch gestorben ist.
Das macht mich betroffen.


PS. Im Februar, anlässlich seines 65.Geburtstages, habe ich mich an ihn erinnert.






Hausfrau Hanna wird ausgezeichnet...

21.11.2011

Grosse Überraschung heute Morgen:
'Hausfrau Hanna' hat eine Auszeichnung erhalten!
Ein herzliches Dankeschön für den von Sofasophia überreichten Blog-Award (wie das heisst).
Ich freue mich - auch weil ich nie, nie an so etwas gedacht hätte.
Schon gar nicht beim Formulieren, Sortieren und Niederschreiben der Gedanken zu kleinen Bloggeschichten. Da lege ich nur Wert darauf, dass diese kurz und knapp sind.
Im besten Fall unterhalten und ganz wichtig, keine (!) Orthografiefehler enthalten...

PS. Dem Award ist übrigens eine nette Aufforderung beigefügt:
Ich soll sieben verschwiegene Details aus meinem Leben preisgeben.
Oha ;-)
So öffne ich also die Schatztruhe, entnehme ihr diese sieben wunderbaren Musikstücke, deren Auswahl eine beliebige ist - genausogut könnten es sieben andere sein :-))

1.Was fanden wir sie cool damals - auch wegen dieses Liedes:


2. Der Hahn kräht. Die Lebensfreude sprüht.


3.Wecker weckt. Damals und heute.


4. Einheimisches - mein Lieblingstrio vom Bielersee:


5. In dieser Musik ersaufe ich. Vor Glück.


6. Sverige i mitt hjärta. För evigt!


7. Und Bach. Der Grösste.

Die ich in mir trage...

20.11.2011


Letzter Sonntag vor dem 1.Adventsonntag.


Totensonntag oder Ewigkeitssontag.
Heute wird in den Gottesdiensten der Menschen gedacht, die während des Kirchenjahres gestorben sind.
Die Glocken der benachbarten reformierten Kirchen haben begonnen, den Gottesdienst einzuläuten.
Ich öffne für einen Moment die Balkontüre.
Soeben fällt die letzte Glocke ein.
Das Geläute klingt, ich bilde es mir wahrscheinlich nur ein, etwas dunkler und schwerer als sonst.
Ich besuche keinen Gottesdienst.
Ich trage die mit mir verbundenen Verstorbenen in mir.
Und lese Hilde Domins Gedicht.
Wieder und wieder.
Denn einmal genügt nicht.


Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.
Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.
Alle Spiegel so klar
wie ein See nach großem Regen,
ehe der dunstige Tag
die Bilder wieder verwischt.

Nackt ist nicht gleich nackt...

18.11.2011


Soeben habe ich in der Tageszeitung etwas Gemütbewegendes gelesen:
Nacktwandern darf künftig von den Kantonen bestraft werden. 
Denn es stehe fest, dass nach dem Empfinden eines durchschnittlichen Menschen 
beim Nacktwandern Sitte und Anstand verletzt würden.


PS. Häuschenschnecken finde ich auch schöner als Nacktschnecken ;)

PPS. Gegen diese Nacktfrühstücker im Grünen ist hingegen nichts einzuwenden:

'Frukost i det gröna'  Pablo Picasso, Stockholm

PPPS. Und mehr Informationen zum Thema in Titus' Augenreiberei. Lesenswert!



Tageserwachen

17.11.2011


Ich bin schon lange auf und schaue zu, wie es Tag wird.
Die gelben Ahornblätter, die dem Baum noch verblieben sind, leuchten in der Sonne.
Eine Krähe fliegt vorbei. Leider nicht in den Süden.
Und in andern Teilen des Landes stecken die Leute unter einem weissen, wattigen Meer aus Nebel.
Schwer vorstellbar...

"Wer sucht, der findet..."

16.11.2011


... sagte Mutter damals, und ihre Stimme klang beschwörend.
Manchmal auch triumphierend, wenn sie mir den vermissten und trotz aller Suche nicht gefundenen Gegenstand hinstreckte.
Und was lese ich soeben?
Eine leicht abgeänderte Fassung des mütterlichen Erziehungssatzes:

'Wer einen Engel sucht,
wird auch einen finden.'



PS. Einfach nicht zu krampfhaft, empfiehlt Hausfrau Hanna.
PPS. Dann findet man sie nämlich überall.
PPPS. Die Engel...:-)

Füllhorn

15.11.2011


"Der Alltag ist wie ein Füllhorn. Wenn man sich Zeit nimmt und hin(ein)guckt", 
gibt sich Hausfrau Hanna überzeugt und wünscht allerseits einen sichtfreien und klaren Tag :-)

Hitchcockspannung...

14.11.2011

Ab und zu mag ich sie, diese hühnerhauterzeugenden Film- und Buchkrimis, die den Alltag aufpfeffern wie die Prise Cayenne die sonst fade Kürbissuppe.
Nun, gestern Abend freute ich mich auf einen spannenden Fernsehkrimi im SF: 'Mord hinterm Vorhang'. Stephanie Glaser in ihrer letzten Filmrolle als Krimiautorin Lydia Walliser. 
Ich halte mich kurz:
Soviel Biederkeit und Langeweile an einem Sonntagabend liess mich ermatten.
Nach einer Stunde fand ich endlich die Kraft, den Ausknopf an der Fernbedienung zu drücken.
Bei einem Hitchcockfilm wäre mir das nie passiert.
Nie!

Von umtriebigen und verwundeten Krähen

11.11.2011

Krähen sind gescheit und umtriebig.
Im Moment führen sie sich als Herrscherinnen des Balkons auf, wühlen mit ihren starken Schnäbeln in den Kistchen und Töpfen, verstecken ihre Futterschätze oder nehmen regelrechte Erdbäder.
Und das völlig ungestört in meiner Abwesenheit.
Komme ich nach Hause, schimpfe ich über die hinterlassene Sauerei erst einmal ins Leere.
Dann wische ich die überall auf dem Boden verstreuten Erdspuren zusammen.



PS. Was Musik, Worte und Metaphern auch vermögen!
Höre ich diese schwedische Volksweise vom Mädchen und der Krähe, werde ich von einem Moment auf den andern ganz sanft, bin milde gestimmt.
Und eine leise, nordische Wehmut breitet sich aus, wenn ich das besungene Mädchen vor mir sehe, das mit hellen, wehenden Locken durch den Wald eilt. In seinen Armen eine verwundete Krähe, die es in die Geborgenheit und Wärme seines Zuhauses bringen will. Obwohl es weiss, dass die Krähe bald tot sein wird.

Herbstterror

10.11.2011

Viertel vor acht Uhr.
Die Ruhe des Morgens wird plötzlich durchbrochen von Motorengeheul.
Ich eile verärgert auf den Balkon, um die alles beherrschende Lärmquelle auszumachen.
Zwei junge Männer schreiten durch einen der Nachbargärten. Auf dem Rücken diese lärmenden Motoren, in den Händen das Laubblasrohr.
Der alljährliche Herbstterror hat begonnen...


PS. "Ta det lugnt!" - sagt man in solchen Situationen in Schweden - "reg dich ab!"
Und deshalb hier noch eine schwedische Version:

Kvart i åtta.
Jag ser två killar i granngården som går omkring med bullriga motorer på ryggen och lövblåsrör i händerna. De blåser ihop löv.
Den årliga höstterror har börjat...

Prägendes Kinoerlebnis

08.11.2011


Zusammen mit der Winterzeit beginnt für mich jeweils die Kinosaison.
In meiner frühesten Erinnerung, die mit Kino und Film zu tun hat, beinele ich als Fünfjährige an der Hand der grossen Schwester der Hauptstrasse entlang ins Nachbardorf.
Dort, im Saal eines Restaurants, findet Kino statt.
'Schneewittchen' von Walt Disney.
Ich prestiere den Film mit seinen auch heftigen, angsteinflössenden Szenen problemlos. Robustes Kind.
Beim Nachhausegehen zeige ich einfach völlig erstaunt mit dem Finger auf die kleinen Männchen, die sich eben noch im Film bewegt haben und jetzt still und wie hingezaubert im Schaukasten beim Kino ausgehängt sind...
So etwas prägt fürs Leben :-)

Tellenbub

07.11.2011


Wie jedes Jahr um diese Zeit ist in der Stadt Herbstmesse. Hausfrau Hanna avanciert dann zur geschätzten und begehrten Begleiterin mit grossem Herz und noch grösserem Geldbeutel.
So auch an diesem Wochenende.
Zuerst studiert der Besuch gründlich den Situationsplan:


Auf dem grossen Messeplatz dann die erste Versuchung: "Hausfrau Hanna, ich will schiessen!"
"Kommt nicht in Frage. Schiessen mag ich nicht!"
"Aber mit Mami zusammen durfte ich auch schon."
Dieses Argument macht mich weich, Mamis sind für mich oberste Instanz. Und so erlaube ich drei Schüsse.
Die Schiessstandfrau erklärt dem Buben geduldig den Vorgang und hilft etwas mit ihrer den Vorlauf unterstützenden Hand.
Hochkonzentriert gibt sich der Bub dem Geschehen hin. Päng. Treffer.
Das war wohl Zufall und kindliches Glück.
Päng. Treffer.
Ich traue meinen Augen nicht.
Päng. Treffer.
Ein Lachanfall lässt mich nach Luft schnappen.
Und was fällt dem Buben dazu ein?
"Ich bin nicht LuckyLuke - jetzt bin ich LuckyLinus!"




Auf dem nächsten Platz meldet sich das Hüngerchen.
Marroni. Hotdog. Und von Hausfrau Hannas Risotto kosten...



Zum Abschluss dann FCB-farbiges Zuckerzeug. Und die entsprechenden Spuren:




PS. Vor lauter Mässmoggen, Schiessereien, Hotdogs und strahlenden Kinderaugen habe ich etwas völlig vergessen: Gestern wäre eigentlich 'Hausfrau Hannas' zweiter Bloggeburtstag gewesen.

PPS. Heute wird nachgefeiert! Und sich gefreut über jeden netten Glückwunschkommentar...:-)

Gleichwertigkeit

04.11.2011

Vielleicht fühle ich mich Schweden und seinen Menschen so verbunden, weil ein ungeschriebenes Gesetz immer noch Gültigkeit hat und tief im Bewusstsein der meisten Schweden und Schwedinnen verankert ist: Das Jantegesetz oder 'Jantelagen'.
Seine Kernbotschaft klingt vielleicht etwas moralisch:
"Du sollst niemals glauben, dass du etwas Besseres bist als die andern!"


PS. Ein 'Jantegesetz' täte manchen hierzulande gut,
meint Hausfrau Hanna und wünscht allen ein erholsames, schönes Wochenende!

Ohne Dach

03.11.2011

Ich wurde erst dann ganz erwachsen, als Vater und Mutter gestorben waren.
Und das elterliche Dach über dem Kopf fehlte.
Als Heranwachsende ertrug ich den Vater manchmal nur schwer. Er mich wahrscheinlich auch.
Als er alt und dement wurde, sah ich in seinem Wesen die Liebenswürdigkeit, den Humor, die tiefe Zufriedenheit, mit der er über sich hinaus in die Weite sah: "Ich schaue gern gegen Osten zum Berg hin. Da geht die Sonne auf."
Das versöhnte mich mit allem, was war.
Heute vor zehn Jahren ist er gestorben.
Ich habe den Eindruck, als ob er mir zuwinke. Heiter und verschmitzt lächelnd...






Schattenwurf

02.11.2011

In der Novembersonne werden die Schatten riesig...


Schwanensee und roter Fluss

01.11.2011

Am Abend des 31.Oktobers 1986 wurde live von der Grossen Bühne des Stadttheaters im Schweizer Fernsehen das Ballett 'Schwanensee' übertragen.
Meine fernsehlose Freundin Christine kam zu Besuch.
Auf dem einen Kanal wurde die getanzte Bühnenaufführung übertragen, auf dem andern das Geschehen hinter der Bühne. Und für diese voyeuristische und deshalb spannendere Variante entschieden wir uns dann auch.
Wir sahen den Menschenschwänen beim Aufwärmen zu.
Sahen sie graziös trippelnd verschwinden durch den seitlichen Vorhang und nach dem Auftritt schwitzend und schweratmend wieder erscheinen und zu Boden sinken.
Gegen Mitternacht verabschiedete sich Christine und ging nach Hause.
Und ich ging zu Bett mit dem Gefühl, etwas ganz Besonderes, Schönes erlebt zu haben.

An- und abschwellende Sirenen sowie von den Strassen herauftönende Polizeidurchsagen, die Fenster zu schliessen und drinnen zu bleiben, rissen uns aus dem Schlaf.
Es war eine konfuse, angstmachende Situation.
Irgendwann am Vormittag dieses 1.Novembers kam dann die Entwarnung im Radio:
Schweizerhalle hat gebrannt. Die Gefahr ist vorbei.
Auf der Herbstmesse hatte es soviele Menschen, wie wohl noch nie zuvor. Die meisten vermummt mit Schals gegen den Fauleiergestank.
Dann der vom Löschwasser rotgefärbte Rhein. Die tot vorbeitreibenden Fische.
Die Sorge, dass sich der Fluss nie wieder erholen würde.
Die unterschwellige Angst, dass sich wieder einmal solche Katastrophe ereignen könnte.
Die Wut auf die Politiker. Und auf ihre Beschwichtigungen und Verharmlosungen.
Und das Gefühl: Wir sind davongekommen.