Von toten Fräuleins...

31.01.2013


Früher, wirklich sehr früher, wurden die ledigen Frauen 'Fräulein' genannt. Oder zu einem 'Frl.' abgekürzt, was weniger zu schreiben gab.
Das war einmal...
Deshalb staunte ich heute Morgen nicht schlecht, als ich dank Frau Flohnmobils Beitrag wieder einmal die Suchbegriffe in meiner Blogstatistik durchlas und das hier vorfand: 
blog fräulein hanna.
Sofort glomm in mir ein Verdacht auf: 
Das konnte nur der ältere, politisch korrekte Kollege von einst gewesen sein! Als wir jungen, aufmüpfigen Frauen nämlich Ende der Siebzigerjahre das 'Frl.'-Schildchen an der Schulzimmertüre überklebten, weil wir mit 'Frau' angesprochen werden wollten, gab es beim Pausenkaffee eine emotionale und heftige Diskussion. 
Das Schlussvotum gab dann der ältere Kollege ab:
"Ich verstehe euch einfach nicht. Mit 50 nämlich würdet ihr mit Stolz reagieren, spräche euch ein Mann noch mit 'Fräulein' an!"





PS. Und auf  'Frl. Hannas' Auto, einem orangen Renault 4, prangte neben dem violetten Frauenzeichen mit geballter Faust noch ein weiterer Kleber: "Das Fräulein ist tot! Es lebe die Frau!"

PPS. So war das damals...





10 Kommentare:

flohnmobil hat gesagt…

Ja das hat eine ganze Weile gedauert, bis die Fröleins einigermassen eliminiert waren. Ganz so vehement durchsetzen wie du, liebe Hausfrau Hanna, musste ich mich nicht. Da konnte ich von deiner Vorarbeit profitieren.
Mein Wirkliches Leiden äusserte sich darin, dass mich alle immer Trixli oder Trixle nannten. Das fand ich spätestens ab 15 furchtbar, aber es hat einige Jahre gedauert, bis ich meine Verwandtschaft auf meinen richtigen Vornamen umerzogen hatte.
Herzliche Grüsse, BEA

Smilla hat gesagt…

Liebe HausFRAU Hanna
Ich habe in der Schweiz das Froilein und das "Schwestern"-Sterben auch aktiv mitgestaltet... und als ich im 82-gi geheiratet habe, wurde z.B die Krankenkassenrechnung schwups an den Namen meines Mannes geschickt.... Mei da sprühten mir die Funken aus den Nasenlöchern....und es ging danach auch anders!
Und jetzt gut 30 Jahre später lebe ich in Frankreich auf dem Land und kann es immer wieder nicht fassen, dass sich junge Frauen mit Mille vorstellen...
Werde an gewissen stellen auch konsequent mit dem Namen meines Mannes begrüsst, obwohl ich offiziell nicht so heisse und dies auch immer wieder einflechte...
Aber ich fauche nicht mehr so ; )
♥-liche Grüsse et bis bälder bisous MADAME Smilla

Quer hat gesagt…

Es ist ja gut, wie es nun ist. Aber manchmal traure ich den alten Fräuleins von damala schon etwas nach. Das hatte oft so etwas Zärtliches, wenn man die Kellnerinnen mit "Fräulein" an den Tisch bitten durfte. Und meine ledige Tante war noch richtig stolz darauf, ein gestandenes Fräulein zu sein...

Einen schönen Tag wünsche ich, Hausfrau Hanna!
Brigitte

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Ich hatte damals in der Primarschule,
liebe Frau Flohnmobil,
ein Freundinchen, aus dem wir ein Trixli machten. Ich hoffe, 'es' (das Trixli) erlebte nicht dasselbe Leiden, wie du es eben geschildert hast...
Das wird Thema am diesjährigen Klassentreffen!
Herzlich Hausfrau Hanna

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Genau! Die gab es damals ja ebenfalls,
liebe Madame Smilla,
die 'Krankenschwestern'! Ich war da beruflich nicht involviert, wusste aber von weiblichen Pflegenden, dass sie sich gewehrt hatten, mit 'Schwester XY' angesprochen zu werden, weil es niemandem, wirklich niemandem in de Sinn gekommen wäre, einen Pfleger mit 'Bruder XY' anzureden... ;)
Auch etwas leiser fauchend und bisous über die Grenze
Hausf.r.a.u Hanna

PS. Komisch eigentlich, dass es den Begriff Hausfräulein nicht gab...

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Ich kenne sie auch noch,
liebe Frau Quer,
die ledigen Fräuleins, die stolz waren auf ihr unabhängiges Leben!
Unsere Deutschlehrerin gehörte dazu. Und besass den Doktortitel:
Die korrekte Anrede für uns war also 'Fräulein Doktor' :)

Herzlich und ganz ohne Titel
Hausfrau Hanna

smultronella hat gesagt…

Mitte der 90er hatte ich eine Kundin, die mich noch mit Fräulein angeredet hat. Ich fand das total schräg.

In Schweden gibt es das fröken auch nicht mehr. Aber in der Schule wird eine Lehrerin in der Unterstufe noch mitunter als fröken bezeichnet. Also inoffiziell versteht sich.

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Das 'fröken',
liebe Smutronella,
ist mir tatsächlich hängengeblieben vom Buch 'Mig äger ingen'.
Eigenartig, dass der Begriff auch heute noch (wenn auch inoffiziell) im emanzipierten Schweden existiert...
Und die 'hemmafru' nicht ;)

Herzliche Heimwehgrüsse in den Norden
Hausfrau Hanna

giftigeblonde hat gesagt…

Hier werden Kellnerinnen in Cafes und Restaurants immer noch gern mit Fräulein angesprochen.

Mir ist mal was schräges passiert:
Hochschwanger in der Gemüseabteilung nach Salat oder so suchend, sprach mit eine ältere Dame an:
Fräulein können sie mir sagen wo ich xxx finde?

Da war ich baff, so schwanger wie ich war konnte ich gar kein "Fräulein" mehr sein.

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Willkommen in Hausfrau Hannas Blog,
liebe 'giftigeblonde' Bloggerin,
genauso wie in Deutschland tönt es auch hier noch häufig durch das Restaurant oder die Beiz: 'Frölein zahle!'
Vor allem von Männern ;)

Herzlich über die Grenze
Hausfrau Hanna