Zwischen zwei Haltestellen (50)

30.09.2013

Es ist einer dieser schönen, warmen Frühherbsttage. Der Bus hinauf ins kleine Bauerndorf ist rappelvoll. Die meisten Leute müssen stehen.
Ich dagegen habe einen Sitzplatz ergattert.
Auf der andern Seite des schmalen Ganges sitzt ein kleiner Bub am Fenster und erzählt der neben ihm sitzenden Mutter begeistert, was er alles durch die grosse Scheibe sieht.
Ich habe kaum den Gedanken "Hm, die Mutter könnte den Kleinen ja auch auf den Schoss nehmen und den freigewordenen Platz jemandem anbieten" zu Ende gedacht, höre ich auch schon, wie eine Frau 65+  in roter Windjacke und rassigem Kurzhaarschnitt zu den neben ihr stehenden Wanderfreundinnen sagt:
"Die chönnt s'Chind au uff d'Schoss neh!"
Ohne zu überlegen entfährt mir: "Fragen Sie doch!"
Die Frau verliert sich etwas in früheren Zeiten, als Mütter noch Umsicht bewahrt haben: "Also wir haben früher die Kinder noch ungeheissen auf den Schoss genommen."
Wahrscheinlich tönt es etwas bemüht freundlich, als ich nachdopple: "Ja, aber heute ist das offenbar anders. Fragen Sie doch!"
"Neinnein, ich stehe lieber."
Aha.


Lied über eine Altstadtgasse in Stockholm

28.09.2013




Bei solcher Strassenmusik bleibe ich stehen, höre zu und werde unglaublich froh.
Fast schon aufgeräumt...
Ich wünsche allen ein ebensolches Wochenende
Hausfrau Hanna


PS. Jag blir glad och lite upprymd när jag hör Sofia Karlsson sjunga den här visan om en gata i Stockholms Gamla stan. 
Trevlig helg till er alla önskar Hausfrau Hanna :)


Jag har kärlek i bröstet      Mit Liebe in der Brust,
gitarren i min hand.   die Gitarre in meiner Hand.
Pennan på fickan     Den Bleistift in der Tasche
och jag skriver ditt namn.   und ich schreibe deinen Namen.
Och himmelen är klar    Der Himmel ist klar
och solen är varm.    und die Sonne ist warm.
Sjön den ligger blank    Der See liegt blank
i Riddarfjärds famn.    in der Umarmung des Riddarfjärdens.
Det sjunger i hjärtat    Es singt im Herzen,
när jag viskar ditt namn.   wenn ich deinen Namen flüstere.

SVP-Vorstoss und seine Folgen

27.09.2013


Ich las soeben in der Tageszeitung von einem glücklich verheirateten (das stand wortwörtlich so da!) hier in der Stadt lebenden SVP-Politiker.
Dieser erschreckte sich angeblich so heftig über die hohen Unterhaltsbeiträge, die geschiedene Männer in seinem Bekanntenkreis ihren Ex-Frauen bezahlen mussten, dass er einen politischen Vorstoss einreichte.
Darin forderte er, dass geschiedene Frauen ihre Erwerbstätigkeit wieder aufnehmen müssen, sobald das jüngste Kind drei Jahre alt ist.
Ha!
Bis heute war ich felsenfest davon überzeugt, dass die SVP konsequent und hartnäckig an einem Familienmodell festhielt, das aus den traulichen 50er-Jahren stammte:
Die Mutter treusorgend im Haus, der Vater genauso treusorgend ausser Haus, andere Lebensmodelle nicht existent.

PS. Hausfrau Hanna kommt nun zum einzig logischen Schluss und rät Herrn Frehner von der SVP, unverzüglich einen zweiten Vorstoss nachzuschieben. Mit der Forderung nach flächendeckenden, betreuten Tagesstrukturen. In die Kinder spätestens mit drei Jahren hingebracht werden und die Mütter anschliessend selbstverständlich und ruhig ihrer Erwerbsarbeit nachgehen können...









Ein besonderer Sonnenschein

25.09.2013

Behäbige Zufriedenheit verströmt die Flusspferddame Helvetia.
Der Grund dafür liegt dösend neben ihr: Eine kleine Tochter.
Diese hat den Namen Kianga bekommen. Was Swahili ist und Sonnenschein bedeutet:


Dank des Zooms ist man plötzlich ganz nah dabei:


Schritt für Schritt wird die Umgebung erkundet:

Ein sanftes mütterliches Stupsen:

Und dann der gemeinsame Badeplausch:

Hausfrau Hannas gekauftes Glück...

24.09.2013


Morgen Mittwoch habe ich einen Termin bei der Coiffeuse. Haareschneiden steht zwar im Zentrum. Aber fast so wichtig ist das Sideboard vor der Spiegelwand mit den schönen, regenbogenfarbigen Zeitschriften zum Durchblättern und Anschauen.
Ich bediene mich da immer.
Als ich gestern Nachmittag jedoch die brandaktuelle Ausgabe unseres Schweizer Klatsch- und Promiblattes an einem Kiosk sah, war es um mich geschehen:
Ich konnte und mochte keine zwei Tage länger warten und kaufte mir unverzüglich ein Exemplar:


Söta lilla svenska prinsessan!

PS. Betrachtet man das Titelbild, versteht man auch s o f o r t, warum... ;)








Anna Lindh - für sie!

23.09.2013


Im September 2003 wurde die schwedische Aussenministerin Anna Lindh in einem Stockholmer Warenhaus ermordet. Ein Flüchtling, der in Schweden eine neue Heimat bekam, gab damals seiner Trauer Ausdruck in einem kleinen Gedicht. Die Zeitung 'Dagens Nyheter' veröffentlichte es kürzlich ganz am Schluss ihres grossen Berichts zur Erinnerung an die beliebte Aussenministerin:


Kurdistan sörjer dig
Palestina saknar dig
Somalia gråter för dig
Vi behöver dig kom
Snälla kom





PS. Manchmal sind es die einfachen, bescheidenen Worte, die uns am meisten anrühren und erreichen. Weil in ihnen die Trauer und die Tränen mitschwingen und das, was wir alle am nötigsten haben:
Mitgefühl und Mitmenschlichkeit.


Hier die Übersetzung:
Kurdistan trauert um dich
Palestina vermisst dich
Somalia weint um dich
Wir brauchen dich komm
bitte komm


Wie Herbstblätter

22.09.2013



Die Worte heute wie Herbstblätter,
die auf dem Asphalt liegen,
ganz still.


Hausfrau Hanna


Der schönste Tag im Leben - den vackraste dagen i livet!

21.09.2013


Ob in der Schweiz oder in Schweden: Ein Jahr intensiver Planung geht dem schönsten Tag voraus.
Mindestens.
Den Kurs "Lär dig gå i höga klackar" für die Braut mit eingerechnet, in dem das Gehen in Stöckelschuhen gelehrt (und gelernt!) wird. So zumindest habe ich es mit staunenden Augen in einer Werbung gelesen.
Dann ist er endlich da: Der Hochzeitstag! Bröllopsdagen!
Das erbetene Bilderbuchwetter wird von einem freundlichen Wettergott geliefert. Pünktlich und 'lagom'.
Die edle Limousine mit der Frauenfigur auf der Kühlerhaube wartet mit laufendem Motor. Der schwarz gekleidete Chauffeur vertritt sich etwas gelangweilt die Füsse.
In der Zwischenzeit fängt das Kamerateam jeden Moment der Liebe, Freude, Nervosität, Spannung ein.
Für die Jahre danach...


Detta vill jag spegla i mina tre bilder:




PS. 'Viel Glück' oder 'Lycka till' wünscht Hausfrau Hanna dem strahlendschönen Brautpaar, das unterdessen wohl irgendwo in den Flitterwochen weilt... :)

Hausfrau Hannas schwedische Meise

20.09.2013

Auf Skansen, dem prächtigen Freizeitpark in Stockholm, beobachte ich, wie sich ein Eichhörnchen einem grossen, hageren Mann nähert. Dieser hält seine Hand bereit. Und schwupps ist das kleine Tier auch schon auf seinem Arm und beginnt wie selbstverständlich von der gemahlenen Nussmischung zu fressen.
Er sei ein Tierfreund, erklärt mir der Mann in einem für mich nicht ganz einfach zu verstehenden Schwedisch. Er komme praktisch jeden Tag und füttere die Eichhörnchen. Sie kennten ihn, seien seine Freunde geworden.


Ich staune.
"Willst du auch einmal probieren?" fragt (ich nenne ihn für mich Kalle) der Mann.
Als ich nicke, habe ich auch schon die Hand voll Futter.
Nur, bei mir will das Eichhörnchen nicht. Dafür hüpft ein filigranes Vögelchen auf meine Hand und krallt sich zart ganz vorn an meinen Fingern fest:


PS. Jetzt habe ich nicht nur Meisen auf dem Balkon, sondern auch eine Meise in Stockholm... ;)

Sonnengereifte Trauben als Rarität

19.09.2013


Auf unserem Spaziergang in Rosendals sahen wir etwas ganz Besonderes:
Ein paar Reihen Weinstöcke mit Trauben, die dunkelblau herangereift waren. Der lange schwedische Sommer und die Sonne zeigten Wirkung:


In der Schweiz hätten wir selbstverständlich probiert. Nicht so hier.
Zu selten und kostbar war jede einzelne Traubenbeere.
Und so stand denn auch mit weisser Kreide auf der Schiefertafel folgende Bitte an die Vorbeigehenden:

"Lasst die Trauben reifen! Pflückt keine!"


PS. Ob daraus Wein gekeltert wird, habe ich nicht erfahren. Wie er schmeckt auch nicht... :)

Stilles Örtchen

18.09.2013

Jedes Mal, wenn ich bei einem Besuch in einem Restaurant, Warenhaus oder Museum in Stockholm dieses Piktogramm an der WC-Türe sehe, stutze ich etwas:


PS. Diese schwedische 'Alle-pinkeln-in-die-gleiche-Schüssel'-Lösung kann es mir gar nicht. Ich bin an diesem Ort für eine klare Geschlechtertrennung!

PPS. Wie in Schweden hingegen mit dem Freiluftpinkeln umgegangen wird, imponierte mir schon damals bei meinem Aufenthalt: Hier der Beitrag von 2010.

Schwedische Nummernschilder *lol*

17.09.2013

In Schweden haben die Autos Nummernschilder mit oft spassiger Buchstabenfolge.
Mehr dazu bei Smultronella.
Und hier mein Beispiel:



Lerchenmädchen

16.09.2013

Gestern vor einer Woche. Ein Bilderbuchsonntag ging zu Ende. Einer Eingebung folgend betraten wir ganz zum Schluss noch die Kirche auf Skeppsholmen.
Wir kamen mitten hinein in ein festliches Chorkonzert, setzten uns hin und liessen den Sonntag ausklingen.
Grossartig war er, der Mädchenchor aus Karlstad. Die Mädchen zogen das Publikum mit ihrer Ausstrahlung, Hingabe und ihren hellen, reinen Glockenstimmen in den Bann.

Schwedische Lerchenmädchen...





Flickkören aus Karlstad


Von Hühnern und einer roten Schubkarre

14.09.2013



Was eine rote Schubkarre und weisse Hühner auch bewirken können!
Tack, kära Frau Quer, ohne Sie wäre das heute nichts geworden mit einem Beitrag...

Am letzten Sonntag, einem strahlenden Sommertag, waren wir wohl mit der halben Bevölkerung von Stockholm am Erntefest (skördefest) im prachtvollen Garten von Rosendals.
Ein kleines, blondes Mädchen sass ganz allein auf einem Stein, ruhte sich  nach getaner Arbeit aus.
Vor sich seine rote Schubkarre...



Dieses rotgelockte Mädchen hingegen rannte wie eine wild gewordene Hummel umher, rupfte und zupfte dann beherzt an den bunten Hühnerfedern. Die flauschige Pracht war gut angeklebt und hielt...




Allein am Allsång

13.09.2013



Der 'Allsång på Skansen' ist d a s  sommerliche Musikereignis in Stockholm.
Sänger und Musikerinnen, junge (Yohio) und alte Idole (Lill Babs) aus allen Musiksparten treten gleichberechtigt neben- und miteinander auf. Die Art der Musik spielt dabei keine Rolle: Rock, Pop, Schlager,Volksmusik, Klassik, Jazz. Alles hat Platz. Eine kunterbunte Mischung. Niemand rümpft die Nase.
Im Gegenteil, das Publikum geht voll aus sich heraus und singt begeistert mit.
Deshalb auch der Name 'Allsång': Alle singen!

Am letzten Samstag beim Besuch des Freizeitparks Skansen.
Dort, wo im Juni und Juli das Musikspektakel stattfand, herrschte gähnende Leere.
Nur die Bühne war noch blumengeschmückt.
Ganz allein und einsam sass eine Frau in der vordersten Reihe.
Und träumte davon, einmal dabei zu sein und aus voller Kehle mitzusingen... ;)




PS. Mit leichter, musikalischer Kost vom 'Allsång' in diesem Jahr wünsche ich ein schönes Wochenende,
Hausfrau Hanna



Stockholm im Rampenlicht - Stockholm i rampljuset!

11.09.2013


Heute vor einer Woche flogen wir nach Stockholm.
Der mächtigste Mann der Welt, der amerikanische Präsident Barack Obama, hatte genau dieselbe Idee...
Was das hiess, merkten wir in dem Moment, als wir am Bahnhof ankamen und auf den Bus umsteigen wollten.
Da war nämlich weit und breit kein Bus. Nur ein einsamer Taxifahrer mit seinem Auto. Erleichtert wollten wir einsteigen. Als wir die Adresse angaben, winkte er ab und sagte bloss: "Stängt!"
Was im Klartext hiess, dass die ganze Gegend abgesperrt war für den gesamten Verkehr.
Was machen?
Wir machten genau das, was die Schweden in solchen Situationen tun:
Ta det lugnt och ta en fika! Reg dich nicht auf und trink erstmals einen Kaffee:


Dann ging es zu Fuss und mit holperndem Trolley den ganzen Weg vom Bahnhof bis zum Hotel. Mit den Umwegen um die Absperrungen herum war es bloss ein halbes Stündchen:


Plötzlich fuhr ein Konvoi mit vielen, vielen Autos vorbei. Uns kullerten fast die Augen aus den Höhlen.
Wir blieben stehen, schauten und gafften, wie man das in solchen Situationen halt tut.
Und dann kamen zwei Limousinen, die sich glichen wie ein Ei dem andern.
Dass der amerikanische Präsident in der hinteren sass, merkte ich nur, weil ich hinter der dunkel getönten Scheibe eine Hand winken sah. Ich winkte zurück. Hejsan!        

Links ist sie, die Präsidentenlimousine  'The Biest'!

Am Schluss blieb das grosse Aufräumen:

Geduldig, wie das nur Schweden können:

Am Tag darauf las ich in den 'Dagens Nyheter', dass der gut gelaunte Präsident sogar mit dem schwedischen Publikum geflirtet und 'hej' gesagt habe. Ein Sprachtalent, dieser Präsident!
Absolut verstehen konnte ich allerdings, dass Herr Obama Stockholm eine 'fantastiskt vacker stad' fand und bereits einen zweiten Besuch plane...



PS. Nur bitte, bitte nicht ausgerechnet w i e d e r dann, wenn wir nach Stockholm reisen... ;)




Zum Überbrücken...

04.09.2013












Von Zimtschnecken und der schönsten Hauptstadt der Welt!

03.09.2013


Heute bekam ich von Schulfreundin D., die Stockholm von einer Städtereise kennt, diese Mail:

"Stockholmmmmmmmmmmmmmm! Geniess es!
Und iss doch für mich bitte einen Cannellebollen oder zwei...
Und trink einen guten Kaffee dazu...
Hei, ich fange an zu träumen..."

Unsere Krokodile essen viel! Wir brauchen mehr Besucher.

PS. Selbstverständlich werde ich in den nächsten Tagen die Bitte der Freundin erfüllen. Und für sie in einem der wundervollen Stockholmer Cafés eine Kanelbulle essen. Oder zwei. Noch besser sind allerdings drei. Denn 'kanelbullar' sind etwas vom Feinsten, Köstlichsten, Herrlichsten, was es gibt:
Mums, sagt die Schwedin dazu!

Und ich verabschiede mich mit einem herzlichen 'hej då'!


Kleiner aktueller Nachtrag um 17.15 Uhr:
Soeben habe ich in den DN gelesen, dass Präsident Obama ausgerechnet morgen ebenfalls nach Stockholm fliegt. Herregud, wäre er doch bloss wie zuerst geplant weiter geflogen zu Herrn Putin nach Russland.
Drückt die Daumen, dass wir irgendwie und irgendwann durch das Verkehrschaos kommen... 


Gelebte Achtsamkeit

02.09.2013


Es hat etwas Faszinierendes, Menschen beim Essen zuzusehen.
Kürzlich beobachtete ich eine Frau im Vegirestaurant, die ass ganz langsam. Wie in Zeitlupe.
Sie kaute jeden Bissen, dass es ihn bedeutsam machte.
Manchmal hielt sie die Hand mit der Gabel kurz an, bevor sie das Essen in den Mund schob.
Es sah aus, als ob sie innerlich danken wollte.
Dasselbe beim Trinken des Tees. Wahrscheinlich Grüntee. Schlückchen für Schlückchen. In einer Achtsamkeit, die mich überwältigte.
Als sie meinen Blick spürte und hin zu mir blickte, fühlte ich mich ertappt.
Ich schaute auf meinen Teller und ass schnell auf.