Dieser sanfte Regen!

24.07.2017


Im Hochsommer lese ich viel.
Das hat damit zu tun, dass ich mich an Hitzetagen in der Zeitlosigkeit der Land'idylle' aufhalte.
Frühmorgens, wenn der Hahn im benachbarten Gehege kräht, setze ich mich hellwach mit einem Buch unter den Holunderbaum und beginne zu lesen. 
Manchmal ein kurzes Abschweifen. Der Blick geht hoch zum Himmel und folgt den Mauerseglern und den Mäusebussarden.
Am Nachmittag, die Sonne ist unterdessen weitergewandert, ziehe ich um ans kleine Bächlein, das mit seinem sanften Plaudern etwas Einlullendes und Einschläferndes hat.
Gestern morgen in aller Herrgottsfrühe las ich jedoch nicht weiter.
Das Buch blieb aufgeschlagen neben dem Bett zurück.
Ich fuhr zurück in die Stadt.
Denn eine Kaltfront brachte den ersehnten Regen.
Endlich!
Und Abkühlung.
Endlich...




PS. Das Buch wartet bis zur nächsten Hitzewelle, die kommen wird.
PPS. Im Moment sitze ich bei weit geöffneter Balkontüre am Laptop und lausche dem sanften Regen, der auf den grossen Ahorn im Hinterhof fällt... :)

Gedicht im Dialog

21.07.2017



 Wie sanft der Abend
die hohen Bäume fällt
wie sanft die Stille mächtig wird
wie sanft die Zeit ins Zeitlose treibt
wie sanft die Kühle
zu reden beginnt mit mir


Werner Lutz

Strindbergstatue von Carl Eldh im Tegnérlundenpark in Stockholm




Werner Lutz, 1930 - 2016, Schweizer Lyriker 
aus 'Die Ebenen meiner Tage' Gedichte im Dialog, Waldgut 2015




Zwischen zwei Haltestellen (100)

18.07.2017


Heute morgen im Regiozug hinaus aufs Land.
Zwei Jungs steigen ein und unterhalten sich gutgelaunt.
Die Worte fliegen, von reichhaltiger Mimik und Gestik begleitet, hin und her.
Dass sie sich gegenseitig "Alter" nennen, ist nichts Unbekanntes für mich.
Dann jedoch höre ich einen völlig neuen Jungsausdruck.
Sagt doch der eine zum andern -
und seine Stimme tönt dabei ganz liebevoll:
"Du Popelnascher!"

Schwedische Jugendliche 'zwischen zwei Haltestellen' auf der Stockholmfähre ;)


Raum der Sehnsucht...

17.07.2017


Sommer.
Ich pendle zwischen hier und dort -
zwischen der Stadt und dem Rückzugsort auf dem Lande.
Und wünsche einen guten Start in die neue Woche,
Hausfrau Hanna






(...)

'Der Tag war mein und die Nacht.
Mit allen Bäumen, die die Sterne fingen.
Ich lag auf dem Felsen, der von der Sonne erwärmt wurde.
Es war Sommer.
Und unter dem Dach wohnten Schwalben,
die mich lehrten, durch Mauern zu fliegen.
All das, was mir Heimat war, 
ist nun hier im Raum des Sehnens...'


(Übersetzungsversuch Hausfrau Hanna)

Stockholmgeschichten: Das Regenbogenheftli!

14.07.2017


In Schweden
 (und das ist ein markanter Unterschied zu hier)
 wird praktisch alles, auch der winzigste Betrag, mit Karte bezahlt.
 Papiergeld sieht man selten bis nie im Umlauf.
Dabei sind die neuen Geldscheine sehr schön gestaltet.
Auf dem 20-Kronenschein etwa ist Astrid Lindgren abgebildet.
Auf dem 50-Kronenschein Evert Taube, der Troubadour.
Meinen letzten Fünfziger habe ich übrigens kurz vor Abflug
am Flughafenkiosk ausgegeben.
Für eine dieser bunten, glänzenden Frauenzeitschriften.
Damtidning auf Schwedisch.
49 Kronen hat sie gekostet.
Umgerechnet knapp sechs Franken.
Die eine Krone habe ich der Kassierin grosszügig zurückgereicht... ;)


PS. Ich bin jetzt stolze Besitzerin und Guckerin von 100 bunten Seiten über die Kronprinzessin.
PPS. Sie feiert übrigens genau heute ihren 40.Geburtstag!
PPPS. Hausfrau Hanna schickt ein herzliches 'Grattis på födelsedagen, kronprinsessan Victoria'!

Stockholmgeschichten: Das Haiku!

12.07.2017


Oben in Södermalm gibt es eine Kirche, die ich unglaublich schön finde:
Die Katarinakyrka.
Es ist der 19.Juni, ein Montag, bei unserem Besuch.
Der Zufall will es, dass ausgerechnet an diesem Tag
Anna Lindh
(die schwedische Aussenministerin, die 2003 ermordet worden ist)
ihren 60.Geburtstag hätte feiern können.
An ihrem Grab rote Rosen -
Blumen der Liebe...



Anstatt auf dem direkten Weg den Friedhof zu verlassen,
machen wir einen kleinen Umweg.
Und wieder spielt der Zufall mit!
Plötzlich stehen wir vor einem schlichten Grab.
Ein paar Blumen.
Auf dem Grabstein der eingemeisselte Name
Tomas Tranströmer -
einer der grössten schwedischen Lyriker und Literaturnobelpreisträger 2011:



Seitlich neben dem Grab 
steht eine kleine Sitzbank aus Stein.
Mit Platz für eine einzige Person. 
Ich setze mich darauf.
Und lese das Haiku zu meinen Füssen:


'Grosser und langsamer Wind
aus der Meeresbibliothek.  
Hier darf ich ruhen.'

(Übersetzungsversuch von Hausfrau Hanna)




PS. Ich sitze da, und die Tränen fliessen.
PPS. Så  många känslor...

Stockholmgeschichten: Der Kunstgarten!

09.07.2017


Ein sehr schöner Ort, der etwas ausserhalb von Stockholm liegt, ist der Millesgården.
Carl Milles war ein bekannter und anerkannter Bildhauer, der Aufträge in ganz Europa bekam.
Er muss sehr reich geworden sein und schaffte sich mit diesem Park und dem Wohnhaus ein Paradies.
Beim Flanieren durch den Park,  beim Betrachten der vielen Skulpturen, beim Verweilen und über die Ostsee Schauen, stellte sich eine grosse Ruhe - und damit auch Glück ein...



Zwei Tänzerinnen...



Erinnerungsbild für Zuhause...



Skulpturen in Bewegungen über dem Wasser -
und auch die Kleine neben dem Wasserbecken  hatte 'spring i benen' ...;)