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30 April 2010

Gelbblauer Traum...

Hej,  mina  vänner!



Heute Nacht habe ich gelbblau geträumt.
Beim Aufwachen war ich fiebrig. Reisefiebrig.

Mein Reisebegleiter, eine dicke, rosa Säulikerze, liegt eingebettet zwischen Wollpullover und Wäsche im Trolley. Eine nette Bekannte hat mir damit Glück gewünscht und angefügt:
"In Schweden hat man es gern gemütlich und zündet das ganze Jahr über Kerzen an!".

Heute Abend steige ich in den Teil des Zuges, der nach Kopenhagen fährt, (der andere Zugteil zweigt dann irgendwann nachts ab nach Moskau...) und morgen Abend werde ich in Stockholm Central ankommen.

Ich bleibe zwei Monate und hoffe, meine schmalen Schwedischkenntnisse in dieser Zeit etwas erweitern zu können...

Ich werde versuchen, mich in der Stadt zu einem Internet-Café durchzuschlagen.
Und euch dann, so ich die technischen Klippen meistere, aus und über Stockholm berichten.
Das kann noch eine Weile dauern.
Damit ihr in der Zwischenzeit keinen Mangel leiden müsst, lest doch diese hübsche Reiseglosse von Kurt Tucholsky!

So. Für den Moment ist alles gesagt. Drückt mir die Daumen!

Mit einem herzlichen "Hej då - vi hörs",
eure Hausfrau Hanna

PS. Schweden in 6 Minuten:




Zeit der Stille



Tid för tystnad - Zeit der Stille...



29 April 2010

Hochzeitseinladung

Ich schätze Menschen, die sich klar positionieren. 
Und ihre Meinung höflich und anständig im Ton vertreten. 
Etwa wie Lars Ohly, der Parteichef der schwedischen Linken:
"Ich danke recht herzlich für die Einladung
aber ich finde nicht, dass ich ein naher Angehöriger bin
und lehne die Monarchie als Institution ab. 
Deshalb wäre es wohl falsch, teilzunehmen."


PS. Ich hätte die Einladung nicht abgelehnt... ;)


X-Large!


Gestern wollte ich noch eine Bluse kaufen für ins Reisegepäck.
Eine gefiel mir besonders. Sie hatte eine gute Länge und war aus einem kringeligen, bügelfreien Baumwollstoff.
In der engen Kabine mit dem grellen Licht probierte ich sie an.
Grösse XL!
Ich zwängte mich hinein. Es sah scheusslich aus. Ich mag es gar nicht weiter beschreiben.
Nach einer  XXL-Bluse mochte ich nicht suchen.
Das fand ich zu pervers.

28 April 2010

Klimawechsel


'Klimawechsel' 
heisst die Serie über wechseljährige Frauen im ZDF.
Schräg, unzimperlich (manchmal thematisch auch unter der Gürtellinie), 
humorvoll und temporeich kommt die Sendung daher.
Ich bin begeistert und oute mich als Fan!
Die vier Schauspielerinnen sind grossartig, spielen facettenreich 
und sind mir als unverwechselbare Typen bereits ans Herz gewachsen.
Morgen Donnerstagabend 21.00 Uhr ist übrigens die nächste Folge.



27 April 2010

Im längsten Dorf Europas...

... hat viel und vieles Platz.
Beatenberg hat seinen Namen von einem Heiligen erhalten. Von Beatus, der ungefähr 100 n.Chr. am Thunersee gelebt und die damaligen Schweizer bekehrt haben soll.
Das wirkt sich, so scheint es mir, bis zum heutigen Tag aus.
Zuerst einmal werden wir am Dorfeingang freundlich begrüsst:



Dann machen wir uns auf den 7 km langen Weg durch das auseinandergezogene Dorf.
Fast übersehen wir auf der rechten Strassenseite das unscheinbare Gebäude.
Der betörend schöne Name und die sinnlichen Bilder lassen uns schliesslich doch aufmerksam werden:



Weiter hinten greife ich in einen Schaukasten. Der Prospekt macht Werbung für ein Theologiestudium.
Ich staune, dass es nur drei Jahre dauert und vermute, dass harmonische Schwingungen in der Luft und die räumliche Nähe zu Gott etwas damit zu tun haben könnten.

Das ist noch längst nicht alles!

Weit oben, wir schaffen den Weg dorthin leider nicht mehr, steht ein Meditationszentrum, "an welchem spirituelle Praxis im Sinne der Kultivierung und Befreiung von Herz und Geist gefördert wird".
Nun, spätestens seit ich in Janwillem van de Weterings Buch 'Der leere Spiegel' gelesen habe, dass diszipliniertes, (zu) langes Sitzen und Meditieren nicht nur einen schmerzenden Hintern, sondern auch hühnereiergrosse Hämorrhoiden verursachen können, habe ich auch diese - allerdings nur leise vorhandenen - Erleuchtungshoffnungen fahrengelassen.
Und so gehe und wandere ich an der Seite meines Mannes vergnügt und befreiten Herzens und Geistes hinunter zur Talstation.

Bei der stillen Einkehr in der reformierten Kirche (mit einem buchstäblich atemberaubend schönen Friedhof), finde ich noch diesen Zettel:



26 April 2010

"Lueg-is-Land"

Als Kind war ich dünn.
Ich ass zu wenig.
Die Mutter machte sich Sorgen und liess mich vom Hausarzt untersuchen.
Dieser meinte, ich erinnere mich wortwörtlich:
"Hanneli, wenn nit meh issisch, chasch nie in ä höcheri Schuel!"
Ich musste also lernen, besser und mehr zu essen.
Und so wurde ich als achtjähriges Schulkind während der ganzen Sommerferien zur Erholung in ein Kinderheim geschickt. Hoch über dem Thunersee, auf dem Beatenberg, lag es.
Sein Name tönte heimelig und naturverbunden: "Lueg-is-Land".
Das Heimleiterehepaar erschien mir alt.
Die drei Erzieherinnen hingegen, denen wir Tante sagen mussten, waren jung.
An zwei Dinge habe ich eine ganz genaue Erinnerung:
Da war das Schlafzimmer, in dem sechs Betten standen. Je drei in einer Reihe.
Pro Reihe gab es einen Nachttopf, der sich im Laufe der Nacht mehr und mehr zu füllen begann und schon einmal überlief.
Und da gab es die 'Liege' nach dem Mittagessen.
Alle Kinder mussten sich ins Bett zurückziehen, ruhen und schlafen. Lesen war nicht erlaubt. Zusammen sprechen und tuscheln war streng verboten, was für lebhafte Kinder nicht durchzuhalten war. Wurde man von der die Liegezeit kontrollierenden Tante erwischt, gab es am nächsten Tag Strafliege.
Die wäre vermutlich nicht so schlimm gewesen, wenn man in der Dunkelheit des Zimmers nicht so allein gewesen wäre.
Nach fünf Wochen war die Erholungszeit vorbei. Ich durfte heim. Die Mutter erzählte mir noch viele Jahre später, ich war längst erwachsen, sie sei bei meinem Anblick fast zu Tode erschrocken.
So bleich und krank hätte ich ausgesehen.
Ich musste nie mehr in ein Erholungsheim.

Letzte Woche besuchten wir Beatenberg, das 7 km lange Dorf im Berner Oberland.
Ich versuchte mich zu erinnern, wo das Heim gestanden haben könnte.
Dabei kam ich ins Gespräch mit einer freundlichen, alten Frau, die in ihrem Garten jätete. Sie hatte ihr ganzes Leben im Dorf verbracht und wusste, was aus dem Heim mit dem schönen Namen geworden war:
Es wurde abgerissen und an seiner Stelle eine Wohnsiedlung gebaut...





25 April 2010

"Hat der Niesen...


...einen Hut, ist das Wetter gut!" -
sagte der Vater, wenn wir bei schönstem Wetter mit der Bahn 
einen Ausflug ins Berner Oberland machten. 
Dann holte er tief Luft und liess ein lustvolles, kräftiges Niesen  ertönen.


PS. Und wir glaubten ihm aufs Wort, dass der Pyramidenberg schuld daran hatte... ;)


24 April 2010

Hausfrauenfilm


Was ein paar Tage im heimeligen Berner Oberland auch auslösen an Erinnerungen... ;)

Von einem kleinen, provinziellen Nest aus machten sich anfangs der Siebzigerjahre zwei Freundinnen auf den Weg in die Hauptstadt der Schweiz. Und da man in der Grosstadt nicht Gefahr lief, von jemandem erkannt zu werden, ergriffen die beiden die Gelegenheit, endlich ihren Gwunder bezüglich zweideutiger Filme zu stillen.
An der Kasse eines jener Kinos, die es unterdessen kaum mehr gibt, kauften sie sich zwei Billette für eine Folge der Hausfrauenfilmserie.
Obwohl es heiterheller Nachmittag war, war der Saal gut besetzt. Ausschliesslich mit Männern.
Die Freundinnen suchten zwei Plätze nahe des Ausgangs mit genügend freien Sitzen zwischen sich und dem männlichen Publikum.
Damals war es noch erlaubt, im Kino zu rauchen.
Da sassen die beiden Landeier nun, überdeckten ihre Nervosität mit Kichern und das Peinliche der Situation mit Rauchen, pafften eine um die andere Zigarette vor sich hin und getrauten sich fast nicht, auf die Leinwand zu gucken.


PS. Und verliessen bereits in der Pause (ja, das gab es damals auch noch) heilfroh und um eine cinéastische Enttäuschung reicher das Kino... ;)



19 April 2010

See, Berge und Zugfahren


Mit einer Gesässhälfte sitze ich auf dem Stuhl vor dem Laptop, 
mit der anderen auf dem prallgepackten kleinen Trolley.
In einer Stunde fährt der Zug nach Bern ab.
Da ich stets so starkes Reisefieber habe und 
mir in einer fremden Umgebung völlig die Orientierung abhanden kommt, 
trainiere ich damit auch für die lange Zugreise nach Schweden.
Diese Woche ist Thun und sein See, 
das Freilichtmuseum Ballenberg und der Beatenberg im Touristenprogramm.
 Auf dem Ballenberg war ich vor sage und schreibe 
30 Jahren zum ersten und einzigen Mal. 
Und auf dem Beatenberg muss ich ein Kindheitstrauma auflösen...

Bis bald - eine wie immer reiseaufgeregte Hausfrau Hanna



PS. Hier bin ich nochmals!
PPS. Denn: Dank theomixens heutigem Beitrag habe ich gemerkt, dass ich die Wanderkarte vergessen habe einzupacken.
PPPS. Bloglesen bildet nicht nur, es macht auch lebenspraktisch... ;-)

17 April 2010

'Ash statt Cash'...

... diese griffigen Worte sind Hausfrau Hanna soeben in der Tageszeitung ins Auge gestochen.
Dann hat sie einen Abstecher zu  Bodeständix gemacht. Dieser hat sich nämlich auf seinen Namen besonnen und einen passenden Musiktitel zum Thema ins Netz gestellt.
 'Asche legt Europa lahm' findet Hausfrau Hanna jetzt leicht übertrieben.
Sie hat eine ganz andere Erfahrung gemacht.
Gestern war sie nämlich unterwegs mit dem Zug. 
Kam entspannt und ausgeruht vom Nickerchen und vor allem ohne Verspätung in der Ostschweiz an.
Eine sehr nette Frau holte sie ab. Und so klappte alles wie am Schnürchen.
Genauso entspannt und reibungslos verlief die Heimreise am Abend.
Und heute nun, das erste Mal überhaupt, Ruhe über der Stadt:
Der Flugverkehr ist eingestellt.

Und so wünscht eine völlig entspannte Hausfrau Hanna allen Leserinnen (und Lesern) ein ebensolches Wochenende :-)

16 April 2010

"Take it easy"...


... ist eine Floskel, die mich auf die Palme bringt.
Weil es Momente gibt im Leben, in denen ich Dinge nicht einfach nehmen kann.
In denen ich das Lachen verliere.
In denen ich mich ärgere über Ungerechtigkeiten oder hinterrückse, nicht nachvollziehbare Handlungen.
Ich will dann auch nicht beschwichtigt, besänftigt oder sonst verbal zur Seite geschoben werden.
Es leuchtet mir zwar ein, wenn Minna von Barnhelm sagt:
"Das Lachen erhält uns vernünftiger als der Verdruss".
Und wahrscheinlich hat sie auch Recht.
Immerhin war es Lessing, der sich diese Weisheit ausgedacht und Minna in den Mund geschoben hat.

Auch der Ausspruch "Lachen ist die beste Medizin", der dem französischen Schriftsteller Nicolas Chamfort zugeschrieben wird, hat etwas für sich. Lese ich in seiner Biographie dann nach, was für ein Lebensstart und was für ein Lebensende ihm beschieden war, blieb ihm dazwischen wohl nur der Galgenhumor...

Mir am nächsten - unverkrampft, leise ironisch und doch gefühlvoll - kommen die folgenden Gedanken. Mascha Kaléko, die ich liebe und verehre, hat sie geschrieben:

"Tehk it ih-si, sagen sie dir.
Noch dazu auf englisch.
"Nimm's auf die leichte Schulter!"

Doch du hast zwei.
Nimm's auf die leichte.


Ich folgte diesem populären
Humanitären Imperativ.
Und wurde schief.
Weil es die andre Schulter
Auch noch gibt.


Man muss sich also leider doch bequemen,
Es manchmal auf die schwerere zu nehmen.

15 April 2010

Hochzeitsmusik

Heute lese ich eine Nachricht in der Tageszeitung, die mich in freudige Erregung versetzt.
(Nein. Es ist nicht das Nein der UBS-Aktionäre zur Decharge der verantwortlichen UBS-Spitze).
Es ist eine kleine, simple Notiz.
Fast hätte ich sie übersehen.
Zur Hochzeit am 19.Juni bekommt die schwedische Kronprinzessin von Benny Andersson, dem ehemaligen ABBA-Mitglied...
...einen Song geschenkt!

Hausfrau Hanna wird genau dann in Stockholm sein.
Mitsingen und mittanzen.
Und am Strassenrand der vorbeirollenden Kutsche zuwinken und zwei Fähnchen schwingen.
Ein gelbblaues und ein rotweisses! ;)

13 April 2010

Kindersprache


Als die Grosse noch klein war und ihre ersten Worte zu plappern begann, war es ein Mix aus Schwedisch und Schweizerdeutsch.
Auf der kleinen Schäreninsel im schwedischen Sommer musste sie stets ein Sonnenhütchen tragen.
Ihrer kleinkindlichen Aufmerksamkeit entging nichts.
Und so zeigte sie aufgeregt auf ihren 'morbror' (den Onkel mütterlichseits), der sich ohne Kopfbedeckung an der Sonne aufhielt:
"Thomas, Tschäppel glömt!"
("Thomas, Tschäppel vergässe!")

12 April 2010

Hausfrauenportionen...

Ein Verkaufsgeschäft in der Stadt am späteren Samstagnachmittag.
In der Vitrine mit den belegten Broten ist alles herabgesetzt auf die Hälfte.
Ich weiss, ich sollte nicht.
Das Angebot ist jedoch zu verlockend und vor allem zu günstig.
Und so schlage ich zu und nehme vier der mit Crevetten belegten Brote.
Neben mir wartet eine Kundin in meinem Alter, steht da in dieser selbstverständlichen, selbstbewussten Art, wie sie Frauen haben, die wissen, dass sie umwerfend aussehen.
Und einen schlanken, ranken Körper haben. 
"Äs birrebitzeli Salat!" wünscht die Kundin.
Die Verkäuferin nimmt einen kleinen Plastikbecher hervor, bedeckt den Boden knapp mit Taboulésalat. Darauf kommt ein Löffelchen Rüeblisalat.
Als der Becher bereits verschlossen ist, fällt der Kundin noch etwas ein:
"Langet's noh für äs birrebitzeli Gurkesalat?"
Jawohl, es reicht auch noch für Gurkensalat...
Es wird mir wieder einmal bewusst, dass ich einfach zu viel esse.
Und dass eine so traumhafte Figur wirklich von Nichts (oder bloss einem 'Birrebitzeli') kommt.


PS. Hier nun ein Bild von meinem Salat am Samstagabend.
PPS. Inklusive der beiden Crevettenbrötchen.
PPPS. Exklusive all der knusprigen Scheiben des Paillassebrotes, die ich zusätzlich noch gegessen habe...

10 April 2010

Lebensspruch


Ich sagte zum Mandelbaum:
"Schwester, erzähl mir von Gott."
Und der Mandelbaum erblühte.

aus Japan


Hier sind es zwar keine Mandelbäume.
Es sind Magnolienbäume, die die Kirche umsäumen und ihre Blüten geöffnet haben.
Der Spruch stimmt trotzdem.

Allen ein schönes Wochenende, an dem auch eine herzweitende Wanderung in der blühenden Natur Platz hat,
wünscht Hausfrau Hanna



09 April 2010

Der 9. April...

... ist ein ganz besonderer Tag!
Zwei ganz nette Männer haben nämlich heute Geburtstag (nun ja, wahrscheinlich haben noch viele nette Männer und noch viel mehr nette Frauen heute Geburtstag...).
Leider ist Hausfrau Hanna noch sehr unausgeschlafen (Pressluftbohrer!).
Und deshalb fällt ihr weder ein geistreicher Vierzeiler, noch eine witzige Anspielung ein.
Auch die aufbauenden und mutmachenden Wünsche wollen sich nicht formulieren.
Deshalb, lieber BodeständiX und lieber Katino muss dieses bärenstarke Ständchen reichen...

08 April 2010

Telefonverkauf


"Guete Daag, Huusfrou Hanna", tönt es frisch und forsch in einem anheimelnden Berndeutsch aus dem Telefonhörer. Es sind genau diese freundlich tönenden Stimmen, die mir am Morgen Unbehagen bereiten und mich innerlich Abstand nehmen lassen:
"Mi Name isch XY vo dr Firma Z in Thun. Mir heinech chürzlich Unterlagä zuegschickt über Huusschtoubmiubä..."
"U nei dir!", antworte ich ohne zu überlegen. Und das ebenfalls im breitesten Berndeutsch.
"I bi nit inträssiert. U mit dä Miubä läben i guet."
Ohne eine Sekunde Atem zu holen, verabschiede ich mich.
Und hänge auf.


PS. Vorhin habe ich aus lauter Gwunder "Firma, Hausstaubmilben und Thun" eingegeben.
Und Google hat diesen Treffer angezeigt...

07 April 2010

Zwischen zwei Haltestellen (10)

Gründonnerstag.
Das Tram ist recht gut besetzt. Zwei Reihen vor mir sitzt ein attraktiver, schwarzgekleideter Mann.
Seinen linken Arm hat er über die Rücklehne gelehnt, die Beine lässig übereinandergeschlagen.
Er spricht in sein Natel in dieser raumfüllenden Präsenz, die Menschen haben, die von sich überzeugt sind. 
Ich kann seinem im Walliserdialekt geführten Gespräch mühelos folgen und höre heraus, dass er mit einem erwachsenen Kind über dessen psychisch kranken Vater spricht. Dieser weigert sich offenbar, Hilfe anzunehmen. 
Und nun erörtert mein tramfahrender Existenzphilosoph, er ist wohl Sozialarbeiter, sämtliche Massnahmen, die man in dieser schwierigen Situation ergreifen könnte.
Es ist von Entmündigung die Rede und von einer Einweisung in die Klinik, die er namentlich nennt.
All das wird ausgebreitet. Laut und deutlich. Im öffentlichen Raum.
Ich steige aus und mit mir noch eine andere Frau.
Das Schicksal des mir unbekannten, alten Mannes geht mir nah.
Und so sage ich zur Frau: "Vor einiger Zeit noch hat man solche Gespräche im geschützten Raum eines Büros geführt. Heute wird das öffentlich gemacht, jederzeit und überall."
Die Frau schaut mich an und ergänzt: "Ja, und die ganze Zeit habe ich gedacht, dass es mir vielleicht auch einmal so geht.  Und diese Vorstellung finde ich demütigend."


06 April 2010

Baulärm

Das Nachbarhaus wird seit zwei Wochen totalsaniert.
Es ist ein liebloser Renditebau aus den Sechzigerjahren.
Nun hat er nach etwas über vierzig Jahren seine Aufgabe erfüllt und wird ausgehöhlt.
Der Pressluftbohrer ist am Werk. Die Wände vibrieren.
Der Bauschutt rumpelt und donnert die Röhre hinunter in den Container.
Die Umwelt wird für einige Zeit unscharf, 
weil der Baustaub wie eine graue Wolke langsam hinunter sinkt.
Vor Ostern spreche ich mit den Bauarbeitern.
Sie erzählen von der Anstrengung der schweren Tätigkeit.
Sie sprechen von der Müdigkeit, die am Abend wie Blei in den Körpern steckt.
"Jemand muss die Arbeit doch machen", sagt einer.
Ja.

05 April 2010

Keine österliche Geschichte


Orpheus und Eurydike.
Eine Geschichte, die von der unglaublichen Macht der Musik handelt.
Vom Übermass der Liebe zweier Menschen, die in der Katastrophe endet.
Vom nicht Akzeptieren und sich Fügen in das vorgegebene Schicksal.
Vom nicht Hinnehmenwollen des Todes.
Vom Zweifel und Misstrauen.
Und letztendlich von der Wahrheit, 
dass kein Verstorbener mehr zurückkehrt vom Ort, 
der in der Mythologie Unterwelt heisst. Totenreich. Sternenlose Welt.
Und den wir Himmel nennen...

01 April 2010

Ostereier


Hausfrau Hanna ist beschäftigt mit vorösterlicher Küchenarbeit. 
Sie bindet Eier ein mit Blümchen und Kräutlein.
Legt sie dann in einen Sud aus Zwiebelschalen 
und lässt sie unter ihrer wachsamen Obhut sieden.
Nach zehn Minuten sollte der 'Ostersegen' in ihnen sein...
Am Ostersonntag dann werden die Eier gnadenlos beim Brunch getütscht. 
Spitze auf Spitze. 
Damit die trockenen Eier nicht würgen im Hals, 
werden sie dick mit selbstgemachter Mayonnaise 
oder leichter und gesünder mit Kräuterquark beladen.

Nun wünscht Hausfrau Hanna allerseits ein gutes Gelingen beim Nachkochen, 
ein geselliges Eiertütschen und gesegneten Appetit!