Begegnung auf dem Bahnhofsplatz

19.08.2018


Gestern auf dem Bahnhofsplatz. Ich warte aufs Tram.
Ein gut fünfzigjähriger Mann, der an zwei Stöcken geht, 
kommt auf mich zu und spricht mich in seinem Oberbaselbieter Dialekt an:
 "Heit dir nit vier Franke für mi?" 
Ich blicke in freundliche, verschmitzte Augen.
"Ein Lastwagen ist mir über den Fuss gefahren. Jetzt brauche ich einen Kaffee!"
Ich bin derart überrascht, dass ich nicht anders kann und lachen muss.
"Sie sind gut", sage ich zu ihm, 
"eine solche Begründung habe ich noch nie gehört!"
Im Portemonnaie finde ich nur einen Zweifränkler und frage ihn, ob der reiche.
Der Mann nickt und meint, das sei immerhin ein Anfang...



PS. Solche Menschen sind selten - ich mag sie:)




Insel der Zeit

18.08.2018



Där är havet.
Där är stranden.
Här är min ö.
(...)

Dort ist das Meer.
Dort ist der Strand.
Hier ist meine Insel.
(...)


Basler Münster und Fähre


PS. Es muss nicht immer eine Insel am Meer sein.
PPS. Manche haben ihre Insel am Fluss.
PPPS. Und wieder andere am Bächlein...

Das Spiegelbild

16.08.2018


Nach dem kurzen Regenschauer.
Eine Pfütze ist entstanden.
Häuser spiegeln sich darin.


Warum nur stehen sie auf dem Kopf?  




Im Fluss (3)

15.08.2018



Das Gedicht der in Riehen bei Basel wohnenden Lyrikerin und Schriftstellerin Ingeborg Kaiser schrieb mir eine Freundin vor vielen Jahren auf eine Geburtstagskarte. Schaue ich einem gegen den Strom paddelnden Ruderer nach,  kommt es mir unwillkürlich wieder in den Sinn:



rudern
gegen den
strom beharrlich und
langsam mit
blossem auge die
ufer sehen vögel
und steine endlich
anlegen bei
sich


Ingeborg Kaiser, 1930
aus 'manchmal fahren züge' Gedichte orte-Verlag 1983








PS. Ich selbst mag nicht mehr gegen den Strom rudern, das ist mir zu mühsam. Ich lasse mich lieber vom Wasser und von den Wellen sanft schaukelnd mittragen.

PPS. Auch so kann ich bei mir anlegen... 


Im Fluss (2)

14.08.2018


Am vergangenen Freitagnachmittag.
Ich gehe dem Rhein entlang. 
Die angenehmen Temperaturen lassen es zu.
Vor dem Hotel 'Krafft'
(wo einst Hermann Hesse ein Zimmer in Dauermiete hatte)
bleibe ich stehen und schaue dem Treiben auf dem Floss im Fluss zu.
Seit 20 Jahren organisiert dort ein Basler Kulturmann abendliche Live-Konzerte.
Zuvor wird die schwimmende Bühne von einer Crew hergerichtet.
Ein Bub mit einer roten Kopfbedeckung ist einer der Helfer.
Sicher und geübt zieht er das grüne Kanu am Drahtseil an den Steg am Ufer.
Dort nimmt er von einer Helferin ein Paket in Empfang und setzt wieder über.



PS. Am Abend gaben übrigens die 'Original Blues Brothers' ein begeisterndes Konzert auf dem Floss.
PPS. Die Leute sassen dicht an dicht auf den Steinstufen, die hinunter zum Rhein führten.
PPPS. Wir standen, zusammen mit anderen Zuspätgekommenen, etwas abseits auf der Brücke.
PPPPS. Dort sahen wir zwar nicht viel vom Geschehen auf der Bühne.
PPPPPS. Aber Soul und Blues fuhren ein. Und wie!

Im Fluss (1)

13.08.2018


Am Freitagnachmittag bei der Mittleren Brücke.
Er nahm Anlauf, sprang ab und schien übers Wasser zu fliegen.
Der junge R(h)einspringer war in seinem Element...




PS. Für einmal erwischte ich den genau richtigen Moment ;)




Insel der Musse

09.08.2018


Am Flughafen Arlanda in Stockholm gab ich meine letzten Kronen aus.
Für Taschenbücher.
Jetzt habe ich Zeit und Musse. Jeden Morgen setze ich mich unter das Blätterdach des Holunderbaumes.
Ich, die keine Reisende bin, lese vom Reisen.
Ein spannend, ein kritisch, ein leidenschaftlich geschriebenes Buch des schwedischen Autors Per J. Andersson:

För den som reser är världen vacker.
Für den, der reist, ist die Welt schön.






PS. Das Buch ist übrigens unter dem Titel 'Vom Schweden, der die Welt einfing und in seinem Rucksack nach Hause brachte' auf Deutsch erhältlich.

PPS. Naja, die Übersetzung ist Geschmacksache...