06.06.2020

Kluge Sätze (4)

An diesem Abend schrieb Malin in ihr Tagebuch:
Manchmal ist es so, als ob das Leben einen seiner Tage herausgriffe und sagte:
"Dir will ich alles schenken! Du sollst solch ein rosenroter Tag werden, der im Gedächtnis leuchtet, wenn alle anderen vergessen sind."
Dies ist so ein Tag. Nicht für alle Menschen natürlich. (...)
Aber für uns, für Melchersons im Schreinerhaus auf Saltkrokan, ist es ein Tag so überschäumend voll von Lust und Freude und Glanz und Glück, dass ich nicht weiss, was wir anstellen sollen.


aus 'Ferien auf Saltkrokan' (S. 333) Oetinger-Verlag 1992
Astrid Lindgren, 1907 - 2002


PS.Spielende Kinder im Tegnérlundenpark in Stockholm, durch den Astrid Lindgren jeden Tag von ihrem Zuhause in der Dalagatan zur Arbeit beim Verlag Rabén und Sjögren ging.  


05.06.2020

Kluge Sätze (3)


Jetzt sind die guten alten Zeiten, 
nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.

Peter Ustinov, 1921 - 2004, britischer Schauspieler, Schriftsteller, Regisseur
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)

Im Tram während des Shutdowns...


PS. 2030 ist das!
PPS. Ob wir uns dann tatsächlich zurücksehnen werden an diese 'heruntergefahrene' Zeit, in der Ruhe und Leere am Himmel, auf den Strassen, in den Trams, Bussen und Zügen herrschten?
PPPS. Wer weiss... wer weiss...


04.06.2020

Kluge Sätze (2)


schöner Tag

wie schön es regnet
heute regnet
ohne heftigkeiten
ohne hinterlist
sehr höflich
fast vornehm
ein echter
gentleman-regen
schöner als heute kanns
auch morgen nicht regnen

Kurt Marti, 1921 - 2017
Schweizer Schriftsteller, reformierter Pfarrer  

In der Weite bei Worpswede

PS. Heute ist ein schöner Tag: Es regnet!
PPS. Und zwar genauso, wie  Kurt Marti es beschreibt.
PPPS. Ich hoffe, dass es morgen genauso schön regnet...

03.06.2020

Kluge Sätze (1)


Ich habe ins Blaue geschossen
und ins Schwarze getroffen.

Friedrich Dürrenmatt, 1921 - 1990, Schweizer Schriftsteller, Dramatiker, Maler
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)



PS.
Kluge Sätze sind keine Schnellschüsse. 
Sie sind langsam gewachsen...

Hausfrau Hanna


31.05.2020

Ein veränderter Innenraum...

Vorgestern Freitag im Münster.
Der riesige Innenraum sah verändert aus: 
Immer zwei Stuhlreihen waren eng zusammengerückt 
und mit rotweissen Plastikbändern
(wie sie auf Baustellen zu sehen sind)
zusammengebunden worden.
Etwas verwirrt, um nicht zu sagen bedeppert,
 setzte ich mich eine Weile auf einen der Stühle,
der mit einem weissen 'Mäscheli' gekennzeichnet war.
Ich musste mich fassen.

Gestern Samstag war ich nochmals im Münster.
Der Innenraum hatte sich über Nacht wieder verändert:
Alle rotweissen Absperrbänder waren entfernt worden.
Nur die zartfarbenen Bändel an den Stühlen waren geblieben.

Als ich draussen durch den Kreuzgang ging, hörte ich Musik:
Ein Paar sang und spielte "Halleluja!" von Leonard Cohen.
Vor Freude und Erleichterung hätte ich beinahe mitgesungen...


PS. Allen hier Lesenden wünsche ich schöne, zartfarbene Pfingsten!

30.05.2020

Im und ums Münster



"Ich hofe das Corona bald vorbei ist."

 Bitte eines Kindes, 
die ich gestern im offen daliegenden 
Wunsch- und Bittbuch im Münster gelesen habe.
Unter der Bitte befand sich noch eine Zeichnung.
Mit einer lachenden Sonne...


Wieder zusammen unterwegs - ein Grossvater und sein Enkel auf der Pfalz!





28.05.2020

Hinter der Scheibe (6)


Was ist Leben?
Ein Schatten, der vorüber streicht!

William Shakespeare 
aus 'Macbeth'

Bild aufgenommen 2017 im Moderna Museet Stockholm


Gestern kurz vor 14.00 Uhr.
Ich gehe zu Fuss in die Stadt.
Mein Weg führt bei einem Alters- und Pflegeheim vorbei.
Bis vor Kurzem hing noch eine Besuchsverbot-Mitteilung am Eingang.
Nun sehe ich, dass hinter der riesigen Fensterfront aus Glas,
mit genügend Abstand zueinander, 
zwei betagte Frauen in bequemen Sesseln sitzen.
Sie blicken hinaus auf die Strasse und scheinen zu warten.
Besuch von Angehörigen ist wieder erlaubt.
Begegnung mit einer Glasscheibe dazwischen ist möglich.
Während ich meinen Weg fortsetze, 
schlucke ich einige Male ganz schön schwer.
.....


27.05.2020

Ins Leben einbezogen


Schön
mit verschiedenen
Stimmen
lachen zu können
auch mit jener
der Traurigkeit

Werner Lutz, 1930 - 2016
Schweizer Lyriker



PS. 
Das Gedicht von Werner Lutz, der in Basel gelebt hat, 
habe ich kürzlich erst gelesen.
Und das gleich mehrere Male hintereinander.
Leise und laut.
Die Worte passen zum gestrigen Blogbeitrag und zu den Kommentaren.