10.04.2020

Letzte Ruhestätte


Ein Engel ist ein Gedanke Gottes.

Meister Eckhart, um 1260 - 1328
Theologe und Philosoph des Mittelalters




Karfreitag.
Auch heute werde ich den stets gleichen Spaziergang machen.
Ich werde den Margarethenhügel hoch gehen und weiter bis zum Friedhof.
Dort werde ich mich auf eine Bank unter eine der Birken setzen.
Und eine Weile in die Weite des Himmels schauen.
Der im Moment nicht nur den Vögeln vorbehalten ist,
sondern auch den Engeln...



09.04.2020

Melodie aus der Vergangenheit...

Gestern Nachmittag.
Ich bin auf dem Heimweg vom täglichen Spaziergang.
Schon von Weitem ist eine weiche Melodie zu hören.
Die 'Verursacherin' der Klänge sitzt aufrecht auf einem Klappstuhl.
Als Schutz vor der Sonne trägt sie einen weissen Hut.
 Mit geübter Hand dreht sie an ihrem Örgeli.
Ihr fröhlicher Blick ist nach aussen gerichtet,
scheint die wenigen Vorbeigehenden aufzumuntern.
Den Refrain des Liedes singt sie laut und inbrünstig mit:
"O mein Papa, war eine wunderbare Clown..."


PS. Das Chanson 'O mein Papa' wurde 1939 von Paul Burkhard, 1911 -1977, komponiert für das Musical 'Der schwarze Hecht'. Im Liedtext geht es um die Bewunderung einer Tochter für ihren Vater,einen berühmten Artisten und Zirkusclown.

PPS. Hier der Refrain im Wortlaut - zum (inneren) Singen:


O mein Papa, war eine wunderbare Clown.
O mein Papa, war eine grosse Kinstler.
Hoch auf die Seil, wie war er herrlich anzuschau'n.
O mein Papa, war eine schöne Mann.
Ei wie er lacht, sein Mund sie sein so breit und rot.
Und seine Aug' wie Diamanten strahlen.
O mein Papa...



08.04.2020

Zuhause (8)


Wenn du ein Gärtchen hast und eine Bibliothek,
so wird dir nichts fehlen.

Marcus Tullius Cicero
(gelesen im Diogenes - Abreisskalender 2020)



.
Eine Bibliothek braucht es nicht unbedingt -
ein Stapel Bücher reicht vollkommen.
Dazu ein Balkon und ein hellgelber Sonnenschirm.
Und spriessendes Grün, das zum Vorhang wird.
Ein Zuhause mit Vorgärtchen...


07.04.2020

Zuhause (7)


I can't decide if I need a hug, a large coffee,
six shots of vodka or two weeks of sleep.

Anne Schmucke
(Zitat heute gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)



Die Entscheidung fällt mir sehr leicht:
Da ich keinen Wodka im Vorrat habe, trinke ich eine grosse Tasse Kaffee.
Und verschicke auf diesem Weg allen, die hier lesen eine Umarmung.
Kram Hausfrau Hanna



05.04.2020

Zuhause (6)

Der Zoo,
(oder Zolli, wie wir ihn in Basel nennen)
ist seit einiger Zeit ebenfalls geschlossen.
Die Menschenaffen, habe ich gelesen,
vermissen die BesucherInnen und langweilen sich.

Gestern Mittag.
Ich öffnete das Wohnzimmerfenster zum Lüften.
Von unten hörte ich Kinderlachen und fröhliche Stimmen:
Auf der gegenüberliegenden Strassenseite erblickte ich Mütter und Kinder,
die entzückt, aber mit genügend Abstand, ein Pfauenpaar begleiteten.

Die beiden waren wohl aus dem Zoo entwischt.
Ruhig und hoheitsvoll erkundeten sie den Raum zwischen den parkierten Autos.
 

Wahrscheinlich war es ihnen im stillen, menschenleeren Zoo
ebenfalls zu langweilig geworden.
Sie schienen sich jedenfalls in Gesellschaft sehr wohl zu fühlen...


PS. Ich war übrigens nicht die Einzige, die am Fenster hing...



03.04.2020

Zuhause (5)


Beim täglichen Unterwegssein zu Fuss entdecke ich die Stadt wie neu.
Ich gehe auf Wegen und Pfaden, die ich vorher nicht beachtete.
Und ich halte mich an Orten auf, die ich vorher nicht wahr nahm.
Den oben auf dem Hügel gelegenen Friedhof etwa.
Mit so unfassbar schönen Steinen und Skulpturen,
dass ich immer wieder stehen bleibe und staune.
Die äussere Stille wird zur inneren.


PS. Ein eindrückliches Erlebnis beim Unterwegssein ist auch, dass keine Flugzeuge starten und landen. Der Himmel ist im Moment nur den Vögeln vorbehalten...

02.04.2020

Zuhause (4)


Ich bin gern zuhause. 
Das war immer schon so. 
Im Moment passiert es mir jedoch leicht,
dass ich zu grübeln beginne.
Und mich in Szenarien verstricke,
die ohnehin nicht so eintreffen.
Mir persönlich hilft der tägliche Spaziergang.
Ich ziehe die soliden Laufschuhe an.
Gehe durch die fast leeren Strassen des Quartiers.
Steige den Hügel hoch, wo die Weite des Himmels beginnt.
Beim Gehen, Schritt für Schritt,
entwirrt sich das gedankliche 'Gnusch'.


PS. Und der Kopf bekommt wieder Bodenhaftung.



01.04.2020

Zuhause (3)


Das Höchste, wozu der Mensch gelangen kann,
ist das Erstaunen.

Johann Wolfgang von Goethe
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)



PS.
Ich selbst hätte den Satz leicht anders formuliert.
Hätte zwei der Buchstaben weggelassen und 
aus dem Erstaunen ein Staunen gemacht.
Aber vielleicht hat ja Goethe dasselbe gemeint...





31.03.2020

Zuhause (2)


(...)

'Dieser Raum, der letzte, den er bauen liess, war das kleinste Zimmer im Haus, fast wie ein Holzkasten, mit einem Fenster zum Meer und  lediglich mit einer Pritsche, einer Kerze und einem Radio ausgestattet.'

Linn Ullmann, aus 'Die Unruhigen', Verlag Luchterhand 2018


PS. Mit 'er' ist der schwedische Regisseur Ingmar Bergman, 1918 - 2006, gemeint.
PPS. Im Buch 'Die Unruhigen' erinnert sich die norwegische Schriftstellerin Linn Ullmann an ihren Vater.





30.03.2020

Zuhause (1)


Nicht alle haben einen Garten.

Schrift eines Gartenunternehmens an der Ladefläche des Pick-ups.



PS. Auch eine Mietwohnung (mit oder ohne Balkon) ist ein Zuhause!




26.03.2020

Zum Glück nur im Traum...


Diese Nacht träumte ich, dass ich im Basler Stadtzentrum einer schwedischen Touristengruppe begegnete. Ich freute mich riesig, ging spontan auf eine der Touristinnen zu und wollte mit ihr einen kurzen Schwatz (en snack) abhalten.
Aber es gelang mir nicht.
Ich brachte keinen Satz, keine Formulierung zustande -
ich hatte schlicht alle Wörter vergessen...

Stockholms Innenstadt mit Touristen 2018


PS. Das Erinnerungslose fand zum Glück nur im Traum statt.
PPS. Ich übersetzte soeben den kurzen Beitrag auf Schwedisch.
PPPS.  Gottseidank (tack och lov), das klappte ganz gut ;) 

Den här natten drömde jag något:
Mitt i stan träffade jag en turistgrupp från Sverige.
Jag var jätteglad och ville börja snacka lite med en kvinna.
Jag letade efter orden och också efter formuleringarna.
Men jag orkade inte att prata.
Jag hade glömt allt… 


24.03.2020

So ist es!


so ist es
sagt man

ein baum zum beispiel
ist so

so ist ein baum

und ein baum ist nicht so
und alles ist nicht so

so ist es


Peter Bichsel, 24.März 1935
Schweizer Schriftsteller



Heute hat Peter Bichsel, der Schweizer Schriftsteller und Erzähler, Geburtstag. Er wird 85 Jahre alt.
Seine Gedanken, seine langsame, bedachte Art zu reden sowie auch seine politische Einstellung mag ich sehr.
Das kürzlich gelesene Buch "Was wäre wenn..." (mit Gesprächen zwischen ihm und der Journalistin Sieglinde Geisel) gab mir viel.
Und ich, die ich oft sehr schnell lese, wurde zur langsamen 'Wort-für-Wort-Leserin'.
Danke, Peter Bichsel!



23.03.2020

Musikalische Erinnerung


Ein Lied, das ich als Kind oft zu hören bekam,
war Artur Beuls 'Am Himmel stoht äs Stärnli z Nacht'.
Mutter hat es uns oft und gern vorgesungen:
"Wenn s'Aabigglöggli isch verklunge,
versinkt au hindrem Bärg gli d Sunne."
Vielleicht erinnere ich mich heute an dieses Lied,
weil die Welt momentan still geworden ist:
"Und d Wält wird plötzli müüslistille,
doch s Härz sinnt sine Träume nah."
Und vielleicht erinnere ich mich auch deshalb,
weil heute Mutters Geburtstag wäre.
Und ich an sie denke...


Kinderchöre Vivace und Saltando der Musikakademie Basel


Wenn das Abendglöckchen verklungen ist,
versinkt auch hinter dem Berg bald die Sonne.
Die Welt wird plötzlich mäuschenstill,
und das Herz sinnt seinen Träumen nach.

(Hochdeutsch von Hausfrau Hanna)



21.03.2020

Neue Nachbarn


Vorhin stand ich am Wohnzimmerfenster
und traute meinen Augen nicht:
Schräg gegenüber, auf dem Balkongeländer des Wohnblocks,
sassen ein Erpel und sein Weibchen.


Sie hatten auf ihrem Flug über die Stadt eine längere Ruhepause eingelegt...

... bevor sie weiterflogen.

Kommt  gut durch den Tag!

20.03.2020

Herz und Kopf


Eine schwierige Zeit. Eine fordernde Zeit. Eine verunsichernde Zeit.
Eine Zeit, in der wir körperlich Abstand halten und auf  Distanz gehen müssen.
Eine Zeit, in der wir Nähe, Wärme, Fürsorge anders ausdrücken müssen als bisher.
Sich nicht anstecken lassen - auch nicht von der Angst...

Gestern im Quartier: Kinderzeichnung auf dem Trottoir


PS. Kommt gut durch den Tag!



19.03.2020

Stille Tage


"Meine Kunst ist das Abbild meiner eigenen Einsamkeit."

Edward Hopper, 1882 - 1967
amerikanischer Maler




Die Stadt ist still geworden.
Keine Flugzeuge mehr, die starten und landen.
Vor zehn Tagen war ich
(es scheint schon ewig her zu sein)
 an der  Edward Hopper-Ausstellung in der Fondation Beyeler.
Vor einem der Bilder, einem Aquarell, blieb ich eine ganze Weile stehen:
Eine Frau, deren Gesicht vollständig verdeckt wird von einem grossen Sonnenhut,
sitzt an einem menschenleeren Strand am Meer und schreibt.
Das Bild sprach mich tief an...


PS. Gestern in der Tageszeitung lesenswerte Gedanken über Edward Hopper und über seine Bilder.

17.03.2020

Musik von weit her...


Heute.
Das blaue Sofa wird zum Lebensmittelpunkt.
Kaffee trinken. Süsses essen. 
J.M.Coetzees neu erschienenen Roman lesen. 
Und eine CD mit atemberaubend schöner Musik hören.
Diese hier zum Beispiel:





16.03.2020

Sonntagsbegegnung


Gestern Sonntag.
 Für einmal gingen wir nicht dem Rhein entlang,
wir entschieden uns für einen Spaziergang über das stadtnahe Bruderholz.
Auffallend viele junge Menschen und Familien waren unterwegs.
Immer wieder kam es zu spontanen, kurzen Begegnungen.
Man grüsste sich, rief sich etwas zu, nickte freundlich.

 Sie stand da mit einem Buch in der Hand.
Als ich den Titel las, entfuhr mir ein "Nein! Nicht schon wieder Weihnachten!"
Sie entgegnete schlagfertig: "Doch! Dann wäre das Virus wieder weg!"
Ich konnte nicht anders und lachte, und sie stimmte ein.
Fast entschuldigend meinte ich:
"Humor ist eine Brücke über fast alles. Lachen auch!"
Sie nickte. 
Zum Schluss fragte ich sie, ob ich von ihr ein Erinnerungsbild machen dürfe.
Ich durfte.

PS. Für den Blogbeitrag habe ich das Gesicht weggelassen...




15.03.2020

Eine Stunde lang...


Uns gehört nur die Stunde.
Und eine Stunde, wenn sie glücklich ist, ist viel.

Theodor Fontane, 1819 - 1898, deutscher Schriftsteller, Journalist, Kritiker
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)



Mit den Freundinnen
dasitzen über dem Rhein.
Eine Stunde Glück...

(Haikuversuch von Hausfrau Hanna)


14.03.2020

Hausfrau Hannas Seufzer


Ich bekomme gern Post. 
(Am liebsten habe ich die persönlich an mich gerichtete und von Hand geschriebene)
Gestern hielt ich einen Brief in den Händen, der an mich adressiert war.
Ich öffnete das Kuvert und las dies hier:



Sehr geehrte Hausfrau Hanna

Viele Leute stellen sich Fragen wie zum Beispiel:

- Hat das Leben einen Sinn?
- Trifft Gott die Schuld am Leid der Menschen?

Ich möchte Sie gerne auf die Webseite www.xyz aufmerksam machen, auf der auch andere Fragen unter dem Menüpunkt "Biblische Lehren" beantwortet werden.

Möchten Sie gerne besucht werden? Um mehr zu erfahren, haben Sie die Möglichkeit, das Online-Kontaktformular auszufüllen oder mir per E-Mail zu schreiben.

Freundliche Grüsse



Ich war etwas irritiert und seufzte.
  Normalerweise stehen die Sektenmitglieder
in kleinen Gruppen auf den öffentlichen Plätzen der Stadt.
Und halten still und unaufdringlich ihre Plakate hoch.
Die Vorbeigehenden schenken ihnen kaum Beachtung.
Aber persönlich Post von ihnen zu erhalten?
Das war mir zu eindringend.
Ich seufzte nochmals.
Gestern.
Am Freitag, den 13. ...



12.03.2020

Komplimente bei den Suchbegriffen


Als ich kürzlich diese beiden Suchbegriffe in der Blogstatistik las, 
musste ich leicht verlegen lachen.
Und zwar deshalb, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte,
wie jemand damit in mein Blogstübchen gelangte:

echte basler hausfrau
hannas backstube



PS. Weder bin ich eine 'echte Hausfrau', noch kann ich backen.
PPS. Das auf dem Bild so fein präsentierte Ding ist übrigens eine 'semla', ein Süssgebäck aus Schweden.
PPPS. In der Schweiz sagen wir 'Ofechüechli' und in Deutschland 'Windbeutel'.
PPPPS. Geschmeckt haben die 'semlor' (Plural, da ich gleich zwei gegessen habe) sehr lecker. 
PPPPPS. Oder 'mums', wie man in Schweden sagt... ;)





11.03.2020

Rückzugsnische

Soeben habe ich die Tageszeitung durchgeblättert und überflogen.
Nun liegt sie bereits im Altpapier.
Momentan herrscht eine Zeit der Unsicherheit.
Daran ist nicht nur 'das Virus' schuld.
Es ist auch die Flut von Nachrichten, Diskussionen, Expertenmeinungen und Empfehlungen, die verunsichert.
Wieviel davon lese ich, höre ich mir an, lasse ich zu?
Was lasse ich sein?
Wovon distanziere ich mich?
Ich kann und will die Welt nicht ausschliessen.
Aber ich kann mir eine Rückzugsnische schaffen, in der ich für mich sein kann.
Oder kann es zumindest versuchen...


PS. Anfangs Januar 2020.
Dasselbe Fenster in Engelberg -
einmal bei Tageslicht und einmal beim Eindunkeln.


09.03.2020

In diesen Zeiten...


Es gibt nichts Behaglicheres,
als einfach zu Hause zu bleiben.

Jane Austen, 1775 - 1817, britische Schriftstellerin
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)



PS. Oder wie man in Schweden sagt: "Borta är bra, hemma är bäst."
PPS. "Fortgehen ist gut, zuhause ist es am besten."
PPPS. Einen guten oder einen besten Montag - wünscht Hausfrau Hanna.



08.03.2020

Hausfrau Hannas etwas ungeordnete Morgengedanken zum 8.März...


Heute Sonntag ist der internationale Tag der Frau.
Weltweit gehen Frauen auf die Strasse und kämpfen für gleiche Rechte.
Selbst war ich nie mittendrin in der Frauenbewegung. Mir wurde da schnell unwohl.
Ich bewegte mich lieber am Rande. Eine Beobachterin.
Dennoch.
Ich hatte damals die Schweizer Zeitschrift 'Emanzipation' abonniert und kaufte ab und zu die deutsche 'Emma' am Kiosk.
Auf meinem Auto, einem orangen R4, prangte neben dem violetten Frauenzeichen mit der geballten Faust noch ein weiterer Kleber: "Das Fräulein ist tot. Es lebe die Frau!"
Ich las Svende Merians Buch 'Der Tod des Märchenprinzen'.
Und 'Häutungen' von Verena Stefan.
Eigentlich machte ich stets, was ich wollte.
Ging den Weg, den ich wollte.
Und das ist bis heute so geblieben...




PS.
Das Bild ist aus einer Ausstellung der Glasi Hergiswil und zeigt eine gut bürgerliche Stube aus dem letzten Jahrhundert. Auf dem Klavier stehen Noten von Franz von Suppés Operette "Zehn Mädchen und kein Mann"... 


06.03.2020

Augen, die bleiben...


Aus einem kleinen 'Ängelchen', 
das völlig vertieft das Bilderbuch 'Bei uns in Lappland' anschaut...
2011


... ist ein grosser 'Ängel' geworden,
der interessiert dasselbe Bilderbuch wie damals anschaut.
Sogar die Seite stimmt! ;)
2020

PS. Hier ein anderer Blogbeitrag über Ä. 'Kinderaugen sehen anders'!
PPS. Das Malen begleitet sie. Bis heute :)


05.03.2020

Nichtfasnacht und Baldfrühling

Sie bringt nichts aus der Ruhe.
Auch nicht eine abgesagte Fasnacht.
Gelassen wie immer sass die 'Helvetia' 
in den vergangenen Tagen über dem Rhein.
Trug den schwarzweiss gestreiften Trauerumhang und 
den blumengeschmückten Hut mit Grandezza.

PS. Und es schien, als ob sie durch die vorbeiziehenden Wolken blicken würde.
PPS. Sich freuend auf den baldigen Frühling...



01.03.2020

Eine Armlänge Abstand


Gestern auf dem Barfüsserplatz.
Ich gehe langsam hinunter zur Gerbergasse.
Dabei fällt mir eine alte Frau auf, die auf eine Bekannte trifft.
Sie bleibt mit einer Armlänge Abstand vor ihr stehen.
Und ich höre, wie sie sagt:  
"I gib dir d'Hand erscht wieder, wenn das Züüg vorbi isch."



PS. "Ich gebe dir die Hand erst wieder, wenn das Zeug vorbei ist."





29.02.2020

Festhalten und loslassen

"Heb di fescht!"
So das Motto der diesjährigen Basler Fasnacht. 
Gestern musste ich mich kurz festhalten.
Was irgendwie unvorstellbar schien, war plötzlich real: 
Die Fasnacht 2020 wurde abgesagt.
Ein Virus zwang zum Loslassen...

Vorfasnächtliche Schaufensterdekoration des Quartierbuchladens

PS. Heute werde ich in den kleinen Buchladen im Quartier gehen.
PPS. Und mir ein Buch kaufen.
PPPS. Zum Festhalten während der nicht stattfindenden 'drey scheenste Dääg'...

PPPPS. Hier geht es zum Blogbeitrag von WindWorte zur abgesagten Basler Fasnacht.



27.02.2020

Blickfang (3)


Ein paar Schritte vom Rhein entfernt 
steht hinter einem Zaun ein winterkahler Baum.
Mein Blick wird wie angezogen von dessen Stamm,
der von kreisrunden, pastellfarbenen Flecken umhüllt ist.

Ich überquere die Strasse und 
trete ganz nah an die Gitterstäbe.
Erstaunt und entzückt zugleich sehe ich,
dass die spinnwebenartigen Flecken am Stamm...
... Häkeldeckchen sind.

PS. "Kunst am Baum und bestrickend schön",
meint Hausfrau Hanna 


26.02.2020

Blickfang (2)

Endlich! 
Vor einigen Minuten begann es hier zu schneien -
zum ersten Mal in diesem warmen Winter.
Riesige, schwere Flocken fielen vom Himmel.
Ein Moment des Glücklichseins...




25.02.2020

Blickfang (1)


Du musst so gut sein, dass sie dich nicht übersehen können.

Anne Gopp
(gelesen auf dem heutigen Zettel des Diogenes-Abreisskalenders 2020)



Gestern.
Er war nicht zu übersehen.
Ein Künstler auf Rollen.
Trendy und cool bei frühlingshaften 18 Grad.

24.02.2020

Von einem schwedischen Begriff, den wir so nicht kennen...



Aufräumen ist ein herrlich meditativer Prozess.

Bettina Wagner
(Zitat heute gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)



In Schweden kennt man den Begriff 'Döstädning'.
'Dö' heisst sterben. 
'Städa' heisst putzen, räumen.
Wörtlich übersetzt heisst das also 'Sterberäumen'.
Die wohl bessere, passendere Übersetzung ist jedoch
'Die Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen'.
Genauso heisst der Titel eines kleinen, schmalen Buches,
das sich seit einiger Zeit in einer der drei Bücherbeigen neben meinem Bett befindet.
Geschrieben hat es die in Stockholm lebende Autorin Margareta Magnusson,
die nach eigener Aussage irgendwo zwischen 80 und 100 Jahren alt ist.
Ich habe das Buch erst flüchtig durchgeblättert, aber noch nicht gelesen.
Vielleicht gibt der heutige Kalenderzettel den Anstoss, es endlich zu tun. 
Denn Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen, 
nachzudenken, was man bewahren, aussortieren oder weitergeben möchte, 
hat etwas Befreiendes und macht das Leben einfacher. 
Egal, in welchem Alter...


PS.  Margareta Magnusson 'Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen' 
Erschienen im Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2018

22.02.2020

Hausfrau Hannas Wochenplanung



Måndag gör jag ingenting.
Tisdag ser jag mig omkring.
Onsdag går jag ut och vankar.
Torsdag sitter jag i tankar.
Fredag gör jag vad jag vill.
Lördag stundar helgen till.

från Sverige



Am Montag mach ich nichts...

Am Dienstag seh ich mich um...

Am Mittwoch geh ich hinaus, spazieren...  

Am Donnerstag sitz ich in Gedanken da... 

 Am Freitag mach ich, was ich will... 

Am Samstag steht das Wochenende an...

PS. Eine richtige Flohnerwoche war das! 
PPS. Oder eine Chillerwoche, wie man heute sagt ;)