09.07.2020

Blog-Sommerfüller

Im Moment herrscht hier im Blog etwas Flaute.
Ich bin lieber draussen als am Laptop.
Zudem ist das Leben auf dem Lande eher ruhig und beschaulich.
Zum Glück habe ich vorhin beim Durchsehen der Entwürfe
einen kleinen Beitrag entdeckt, der heute passen könnte.
Geht es darin doch ums Schreiben:

Vor einiger Zeit las ich in einem Buch einen Begriff,
der mir etwas Denken abforderte.
Schrieb doch die sprachlich gewandte Autorin von einem 'silent cookie' -
einem stillen Plätzchen...



PS. So. Der heutige Beitrag ist fertig.
PPS. Und gibt vielleicht Anregung für eigene originelle Sprachschöpfungen ;)


07.07.2020

Ein Mann mit Sprachwitz

Gestern ist es kühl.
Der Himmel zu Beginn noch bewölkt.
Am frühen Nachmittag erscheint die Sonne,
und wir sind unterwegs in die Natur.
Ein Dorfbewohner steht in seinem Garten und betrachtet die Blumen.
Wir grüssen einander freundlich, wechseln ein paar Worte.
Im Dorf sagen übrigens alle einander "Du".
Das war immer schon so.
Und ist bis heute so geblieben.
Der Mann, er ist über neunzig, fragt uns: "Gönge dr go laufe?"
Als wir nicken, meint er spitzbübisch lächelnd:
"Denn sid dr uff em Laufende!"
Sein Sprachwitz gefällt mir, ich lache hell.
Und er stimmt ein.

PS. "Gönge dr go laufe?" ist ein gängiger Mundartsatz, der nicht wortwörtlich übersetzt übersetzt werden kann. Er bedeutet "Geht ihr spazieren?"




04.07.2020

Sommerfenster (3)



Der Mäusebussard, 
(dem eine Dorfbewohnerin den Namen Ikarus gegeben hat) 
kreist über meinem Kopf.
Das Bächlein murmelt und rauscht an mir vorbei.
Es ist erstaunlich, wie wenig es braucht, um zufrieden zu sein...

Hausfrau Hanna



PS. 
Ob auf dem Lande oder in der Stadt -
ich wünsche allen ein gutes Wochenende.

02.07.2020

Sommerfenster (2)

Frühling, Sommer und dahinter
gleich der Herbst und bald der Winter -
ach, verehrteste Mamsell,
mit dem Leben geht es schnell.

Wilhelm Busch, 1832 - 1908, deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller
(Zeilen gefunden im Internet)



An dieser kleinen, pfiffigen Mamsell,
die auf den Wiesen und Auen rund ums Dorf
 'die blaue Blume' gefunden und gepflückt hat,
hätte bestimmt auch Wilhelm Busch
seine helle Freude gehabt... :)




01.07.2020

Sommerfenster (1)


Es gibt nichts Romantischeres als das Meer, das sich an die Küste wirft,
egal, wie oft es von ihr abgewiesen wird.

aus Norwegen


Meer wäre schön! 
Aber eigentlich reicht auch das Bächlein, 
das frisch und munter durch den Garten fliesst.
Und der kleine Weiher, in dem Seerosen blühen
und flinke Kaulquappen herumschwimmen.
Oder still zum Grund abtauchen... 

30.06.2020

Ohne Publikum


    Die leere Openair-Bühne 2017  


Allsång på Skansen!
Alle singen miteinander!
Wenn in Schweden Mittsommer vorbei ist,
beginnt im Freizeitmuseum Skansen in Stockholm 
diese sehr beliebte und populäre Musikshow:
 Musiker, Künstlerinnen, Sänger und Sängerinnen
treten auf der grossen Openair-Bühne auf und singen mit dem Publikum.
Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand aus der Klassik,
dem Jazz, dem Schlager, der Pop- oder Volksmusik kommt.
In Schweden kennt man keinen Spartendünkel.
Heute Abend, habe ich in Tinus Blog gelesen,
wird bereits die zweite Folge live übertragen im TV.
Zum ersten Mal seit 1935 ohne Publikum.
Ein  Allsång ohne mitsingendes, mitgehendes Publikum?
Ob das funkioniert?
Heute Abend werde ich es wissen.
Als Zuschauerin vor dem Laptop...




PS. 'Vi håller ut'!
PPS. "Wir halten aus!" war ein Gemeinschaftswerk in der Corona-Zeit.
PPPS. Ich habe das Video etliche Male angehört und angeschaut.
PPPPS. Tack, svenska musiker, ni är alla grymt bra!

28.06.2020

Rote Falten


Die schönsten Falten
Hat prunkend zur Schau gestellt
Die Klatschmohnblüte!

Saimaro, 1656 -1737





PS. An dieses Haiku werde ich mich erinnern.
PPS Wenn ich das nächste Mal in den Spiegel gucke. ;)


27.06.2020

Verschiedene Begegnungen...

Landleben!
Das heisst nicht einfach Ruhe pur!
Wer das glaubt, macht sich Illusionen.
Mir etwa bereiten die schweren, lauten Motorräder Mühe,
die hinten einen riesigen, autoähnlichen Aufsatz haben.
Soeben donnerten wieder mehrere hintereinander durch das Dorf.
Ich schaute ganz entgeistert durch das Fenster.
Und kam fast nicht nach beim Zählen. 
Vorne sassen die Männer -
die meisten älter und fettleibig.
Hinten war der Platz der Frauen.
Solche Begegnungen verärgern...


PS. Gestern auf dem Abendspaziergang kam es ebenfalls zu einer Begegnung.
PPS. Sie löste ganz andere Gefühle aus :)


25.06.2020

Dieses Staunen...

staunen

frei
der kopf
der körper -
was nun
da alles getan?
staunen
dass da ist
was da ist
und die augen
es sehn

Kurt Marti, 1921 - 2017
Schweizer Schriftsteller, ref. Pfarrer
Das Bild ist vom 24.6.2019, als es Streifen am Himmel hatte...

Gestern gegen Mittag stieg ich im kleinen Dorf aus dem Postauto.
Ich machte zuerst einen Rundgang durch den Garten,
setzte mich eine ganze Weile auf die Bank unter einem der Holunderbäume
und schaute nach oben ins gitterfreie Blau des Himmels.
Sie waren wieder da - die flinken, sich jagenden Schwalben und Spyren!
Und die Mäusebussarde,  die langsam ihre Kreise zogen.
Ankommen braucht seine Zeit.
Staunende Augen helfen...



24.06.2020

Vom Fluss ans Bächlein...

Wovon er wohl träumt?

PS. Der Sommer nimmt Fahrt auf - gestern zeigte die Anzeigetafel am Aeschenplatz 32 Grad.
PPS. Ich melde mich wieder vom kleinen Dorf auf dem Lande.
PPPS. Wenn ich am plaudernden, kühlen Bächlein oder unter dem Holunderbaum sitze...

21.06.2020

In Übung bleiben


Denken ist Reden mit sich selbst.

Immanuel Kant, 1724 - 1804, deutscher Philosoph der Aufklärung
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)



Im März, April und Mai
fand auch kein Schwedischunterricht statt.
Einige der Gruppe trafen sich am Dienstagabend zum Skypen -
eine Art Homeschooling am Feierabend.
Für mich fand ich eine andere Lösung.  
Ich führte schwedische Selbstgespräche:
Im Kopf aber auch halblaut vor mich hin.
 Beim Hoch- und Runtergehen im Treppenhaus
zählte ich jeweils die Stufen auf Schwedisch.
Um in Übung zu bleiben...


Wandsprayerei in der Stadt


PS. Unterdessen hat der Schwedischkurs zum Glück wieder begonnen. ;)



19.06.2020

Hang und Xang oben am Spalenberg

Gestern Mittag oben am Spalenberg. 
Der Mann mit dem Hang gab ein Freiluftkonzert,
zu dem man keine Reservation und kein Ticket brauchte.
Man blieb einfach stehen, hörte zu und liess sich mitnehmen
in eine Welt der Worte, der Gedichte,
der Klänge, der Obertöne und der Zwischentöne.

Während seine Hände über die Klangschale tanzten,
sang er Chansons des Berner Troubadours Mani Matter.
Etwa 'D Strass woni dra wohne':

'Ihr Lüt, i wohnen anere Strass
Und nit symbolisch meinen i das
I wohnen anere Strass, wie gseit
Wo zum Friedhof geit.

I cha vom Fänschter uss d Umzüg gseh
Mit Efeuchränz und Bluemebouquet
Wen alben eine derhär chunnt da
Mit de Füess vora.'

(...)


PS.  Ein Publikum derart humorvoll, geistreich, tiefgründig zu unterhalten, wie es der Strassenkünstler mit dem breiten Berner Dialekt tat, ist hohe Kunst!

PPS. "Ohni Mani wär s Läbä matter!" - seine Schlussworte.

PPPS. Und last but not least: Im Hut befand sich praktisch nur Papiergeld... 






17.06.2020

Zum aktuellen Wetter...


Gestern.
In der Stadt begegne ich zufällig einer Bekannten,
die in einem Dorf auf dem Lande wohnt. 
Wir halten Abstand. Ein Wort gibt das andere. 
Als ich sie frage, wie es ihr gehe, meint sie:
"Ich habe dieses kalte Wetter satt. Und immer regnet es."
Ich schaue sie verständnislos an. 
Und versuche zu schweigen.
Heute regnet es auch in der Stadt.
Über das abgeschrägte Glasdach des Balkons rinnen grosse Tropfen 
und hinterlassen eine langgezogene Spur...


PS. Das Bild ist von letzter Woche, als ich seit Langem wieder einmal ausserhalb der Stadt zu Fuss unterwegs war.
PPS. Der Steinengel gehört zu meinen Lieblingsmotiven.
PPPS. Weidende Kühe auch ;)

16.06.2020

Was ich vermissen werde von vor der Normalität...

Gestern ein erneuter Lockerungsschritt:
Die Grenzen zu Deutschland wurden geöffnet.
Endlich kann wieder mit dem Auto oder im ÖV
nach Weil gefahren und der Grosseinkauf getätigt werden.
Und sobald dann noch Easyjet seine Billigflüge nach Barcelona, Berlin
und all die anderen europäischen Destinationen wieder aufnehmen kann,
dann, ja dann ist sie endgültig eingekehrt:
Das, was wir Normalität nennen.

Impressionen aus der Stadt von vor der Normalität:
Fast leerer ÖV...



Fast leere Plätze...

Fast leerer Himmel...

 Fast leere Wege...

PS. Vielleicht erinnern wir uns ab und zu an das Frühjahr 2020.
PPS. Als alles etwas anders war.
PPPS. Und vielleicht vermissen wir 'es' sogar...



14.06.2020

Wenn's von allen Zweigen schallt...

Gestern Samstag.
Eigentlich will ich bloss auf der Pfalz
etwas in die Weite und auf den Rhein gucken.
Dann jedoch schaue ich gebannt auf ein anderes Geschehen:
Das Schweizer Fernsehen ist soeben daran, Aufnahmen zu machen 
mit und von einem Frauenchor in festlichen Trachten.
Alles geschieht ruhig, freundlich und zugewandt -
ganz ohne unnötiges Getue.
Jeder Handgriff sitzt, jede Anweisung ist präzis.
Nur einmal bittet der Kameramann seinen Mitarbeiter, 
er möge etwas langsamer schieben...

Klar, hell und rein schallt das Jodellied über den Platz.
Und hoch zu den Zweigen der grossen Bäume.
 In einer Strophe kommen 'schöni Blüemli und grüeni Blättli' vor...

PS. Das ganze Lied ist in der TV-Sendung 'Potzmusig' zu sehen und zu hören, wie mir eine der Sängerinnen des 1. Frauen-Jodelchörli-Basel erzählt hat.
PPS. Ich habe diese Sendung bis jetzt noch nie geschaut.
PPPS. Aber am Samstag, 27. Juni, werde ich!  







13.06.2020

Die neue Normalität...


"Vorsichtig und voller Freude in die neue Normalität!"

(Bundesrätin Simonetta Sommaruga an der Medienkonferenz zur Lockerung des Shutdowns)


Gestern auf der Münsterfähre: Er und ich waren die einzigen Passagiere.


PS.
Heute in der Früh.
Ein über die Stadt donnerndes Flugzeug
riss mich aus dem Schlaf.
Die Uhr zeigte 4.40 Uhr.
Ich konnte eine ganze Weile nicht einschlafen.
Und studierte an BR Sommarugas Satz herum,
der mir im Gedächtnis wie stecken geblieben war...




11.06.2020

Kluge Sätze (8)

Es gibt weder Ende noch Anfang,
nur Lebensfreude.

Federico Fellini, 1920 - 1993, italienischer Filmregisseur
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)


Ich begegnete ihr, der Drehorgelfrau,
 hinter und vor dem Bahnhof.
Nun sass sie da.
In der Innenstadt.
Und sang.
Voller Lebensfreude.
Dieses Mal kannte ich das Lied nicht...

10.06.2020

Kluge Sätze (7)


Nichts ist so aufreizend wie Gelassenheit.

Oscar Wilde,
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)


Beim Münster in der Corona-Zeit.
Als bloss eine Handvoll Menschen unterwegs war.
Sie sass, ein Buch in der Hand, auf der Pfalz-Mauer.
Liess lesend Beine und Seele baumeln.
15 Meter luftleerer Raum zwischen ihr
und dem festen Boden...



09.06.2020

Kluge Sätze (6)


Aber zwischendurch setze ich mich und schaue mir
kleine Ausschnitte des Lebens an, und sie gefallen mir: 
ein Sonnenaufgang, die Krokusse in meinem Garten, 
der freundliche Gruss des Busfahrers, ein Lächeln meines Nachbarn -
und all das könnte ich nicht erkennen und nicht unterscheiden, 
ohne dass Eva in den Apfel gebissen hätte.

Peter Bichsel, 1935, Schweizer Schriftsteller
aus 'Das ist schnell gesagt'' S. 216, Suhrkamp 2011



Das Bändchen
von Peter Bichsel liegt gut in der Hand.
Es hätte auch Platz in einem kleinen Rucksack.
Den Schluss des Satzes
(mit Eva, die in den Apfel biss)
musste ich zweimal lesen.
Kurz nachdenken.
Dann verstand ich ihn...






07.06.2020

Kluge Sätze (5)

Es genügt, einfach zu schauen. Lange zu schauen.
Immer wieder zu schauen und die Bilder auf sich wirken zu lassen.
Poesie erschliesst sich allein in der Hingabe.
Der Verstand darf für einen Augenblick ruhen.
Das Herz weiss mehr.

Lorenz Marti, 1952 - 2020, Schweizer Autor und Publizist
aus 'Türen auf! Spiritualität für freie Geister' , Herderverlag 2019


Seit ich blogge, und das sind immerhin schon zehn Jahre, befindet sich Lorenz Martis Website auf meiner Liste 'Gern besuchte Seiten'. 
Sein letztes Buch 'Türen auf!' erschien im vergangenen Herbst. Ich kaufte es. Wie bei allen seinen Büchern las ich langsam, mit vielen Pausen zum Nachdenken. 
Das Buch steht unterdessen im Büchergestell.
Mit vielen von Bleistift angestrichenen Stellen. Mit Ausrufezeichen und Fragezeichen. Mit kleinen, etwas unbeholfenen Zeichnungen und eigenen Gedanken. 

Gestern, ich war unterwegs im Grünen, erhielt ich von einem Freund die Nachricht, dass Lorenz Marti gestorben ist. Am Ende eines schönen Tages und völlig unerwartet.


PS. Hier ein kleiner Blogbeitrag vom September 2019 zu Lorenz Martis Buch 'Türen auf!' 


06.06.2020

Kluge Sätze (4)

An diesem Abend schrieb Malin in ihr Tagebuch:
Manchmal ist es so, als ob das Leben einen seiner Tage herausgriffe und sagte:
"Dir will ich alles schenken! Du sollst solch ein rosenroter Tag werden, der im Gedächtnis leuchtet, wenn alle anderen vergessen sind."
Dies ist so ein Tag. Nicht für alle Menschen natürlich. (...)
Aber für uns, für Melchersons im Schreinerhaus auf Saltkrokan, ist es ein Tag so überschäumend voll von Lust und Freude und Glanz und Glück, dass ich nicht weiss, was wir anstellen sollen.


aus 'Ferien auf Saltkrokan' (S. 333) Oetinger-Verlag 1992
Astrid Lindgren, 1907 - 2002


PS.Spielende Kinder im Tegnérlundenpark in Stockholm, durch den Astrid Lindgren jeden Tag von ihrem Zuhause in der Dalagatan zur Arbeit beim Verlag Rabén und Sjögren ging.  


05.06.2020

Kluge Sätze (3)


Jetzt sind die guten alten Zeiten, 
nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.

Peter Ustinov, 1921 - 2004, britischer Schauspieler, Schriftsteller, Regisseur
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)

Im Tram während des Shutdowns...


PS. 2030 ist das!
PPS. Ob wir uns dann tatsächlich zurücksehnen werden an diese 'heruntergefahrene' Zeit, in der Ruhe und Leere am Himmel, auf den Strassen, in den Trams, Bussen und Zügen herrschten?
PPPS. Wer weiss... wer weiss...


04.06.2020

Kluge Sätze (2)


schöner Tag

wie schön es regnet
heute regnet
ohne heftigkeiten
ohne hinterlist
sehr höflich
fast vornehm
ein echter
gentleman-regen
schöner als heute kanns
auch morgen nicht regnen

Kurt Marti, 1921 - 2017
Schweizer Schriftsteller, reformierter Pfarrer  

In der Weite bei Worpswede

PS. Heute ist ein schöner Tag: Es regnet!
PPS. Und zwar genauso, wie  Kurt Marti es beschreibt.
PPPS. Ich hoffe, dass es morgen genauso schön regnet...

03.06.2020

Kluge Sätze (1)


Ich habe ins Blaue geschossen
und ins Schwarze getroffen.

Friedrich Dürrenmatt, 1921 - 1990, Schweizer Schriftsteller, Dramatiker, Maler
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)



PS.
Kluge Sätze sind keine Schnellschüsse. 
Sie sind langsam gewachsen...

Hausfrau Hanna


31.05.2020

Ein veränderter Innenraum...

Vorgestern Freitag im Münster.
Der riesige Innenraum sah verändert aus: 
Immer zwei Stuhlreihen waren eng zusammengerückt 
und mit rotweissen Plastikbändern
(wie sie auf Baustellen zu sehen sind)
zusammengebunden worden.
Etwas verwirrt, um nicht zu sagen bedeppert,
 setzte ich mich eine Weile auf einen der Stühle,
der mit einem weissen 'Mäscheli' gekennzeichnet war.
Ich musste mich fassen.

Gestern Samstag war ich nochmals im Münster.
Der Innenraum hatte sich über Nacht wieder verändert:
Alle rotweissen Absperrbänder waren entfernt worden.
Nur die zartfarbenen Bändel an den Stühlen waren geblieben.

Als ich draussen durch den Kreuzgang ging, hörte ich Musik:
Ein Paar sang und spielte "Halleluja!" von Leonard Cohen.
Vor Freude und Erleichterung hätte ich beinahe mitgesungen...


PS. Allen hier Lesenden wünsche ich schöne, zartfarbene Pfingsten!

30.05.2020

Im und ums Münster



"Ich hofe das Corona bald vorbei ist."

 Bitte eines Kindes, 
die ich gestern im offen daliegenden 
Wunsch- und Bittbuch im Münster gelesen habe.
Unter der Bitte befand sich noch eine Zeichnung.
Mit einer lachenden Sonne...


Wieder zusammen unterwegs - ein Grossvater und sein Enkel auf der Pfalz!





28.05.2020

Hinter der Scheibe (6)


Was ist Leben?
Ein Schatten, der vorüber streicht!

William Shakespeare 
aus 'Macbeth'

Bild aufgenommen 2017 im Moderna Museet Stockholm


Gestern kurz vor 14.00 Uhr.
Ich gehe zu Fuss in die Stadt.
Mein Weg führt bei einem Alters- und Pflegeheim vorbei.
Bis vor Kurzem hing noch eine Besuchsverbot-Mitteilung am Eingang.
Nun sehe ich, dass hinter der riesigen Fensterfront aus Glas,
mit genügend Abstand zueinander, 
zwei betagte Frauen in bequemen Sesseln sitzen.
Sie blicken hinaus auf die Strasse und scheinen zu warten.
Besuch von Angehörigen ist wieder erlaubt.
Begegnung mit einer Glasscheibe dazwischen ist möglich.
Während ich meinen Weg fortsetze, 
schlucke ich einige Male ganz schön schwer.
.....


27.05.2020

Ins Leben einbezogen


Schön
mit verschiedenen
Stimmen
lachen zu können
auch mit jener
der Traurigkeit

Werner Lutz, 1930 - 2016
Schweizer Lyriker



PS. 
Das Gedicht von Werner Lutz, der in Basel gelebt hat, 
habe ich kürzlich erst gelesen.
Und das gleich mehrere Male hintereinander.
Leise und laut.
Die Worte passen zum gestrigen Blogbeitrag und zu den Kommentaren.



26.05.2020

Silentium oder bitte Ruhe!



Es war vor vielen Jahren.
Ich hatte mit meiner damaligen Klasse
(lebhaften sieben- und achtjährigen Mädchen und Buben)
abgemacht am Nachmittag bei der Dorfkirche.
Das schien mir der geeignete Treffpunkt zu sein
für die Monatswanderung durch den Wald zum Talweiher.
Als ich bei der Kirche ankam, traf mich beinahe der Schlag.
Die Kinder warteten nicht etwa brav, 
wie ich selbstverständlich angenommen hatte, 
auf dem Platz vor der Kirche -
sondern rannten auf dem Friedhof umher.
Sie machten Fangis um die Grabsteine herum.
Quietschten und schrien vor Lebensfreude.
Ich pfiff die Kinder zu mir.
Und erklärte ihnen, dass sie das nicht hätten tun sollen.
Ein Friedhof sei kein Spielplatz, sondern ein Ort der Ruhe.
Da sagte eines der Mädchen etwas, 
an das ich mich bis heute glasklar erinnere:
"Aber diä do (meint damit die Toten) chönne öis doch nümm ghöre."



PS. Die Geschichte kam mir unlängst wieder in den Sinn, als ich im Friedhof oben auf dem Hügel auf einer Bank sass und sinnierte...




23.05.2020

Gutes Raumgefühl...


Bei einem Spaziergang dem Rhein entlang in der Zeit des Shutdowns.
Ich schaue einer Entenmutter zu, 
die mit ihrem Nachwuchs einen Ausflug macht.
Die Kleinen bewegen sich so quirlig und lebhaft, 
dass ich dreimal ansetzen muss, um sie zu zählen:
Es sind sechs!

Der Ausflug in die Weite des Rheins hat sie wohl ermüdet.
Die Mutter bemerkt es und wechselt die Rolle: 
Sie übernimmt nun
 (nachdem sie zuvor die putzmuntere Schar nur begleitet hat)
ganz klar die Führung.
Ein Sprung!
Und schon steht sie auf der künstlich angelegten Steininsel.
Zuerst scheint sie die drei Erpel zu ignorieren.
Und ist ganz auf ihre Jungen bezogen.

Dann plötzlich geschieht etwas, was mich verblüfft.
Die Entenmutter dreht sich um und scheucht couragiert die drei 'Männer' weg.
Diese gehorchen und schwimmen davon...

Die Jungen sind noch zu klein und zu unbeholfen,
um es bis zur Mutter zu schaffen.
Sie bleiben unten auf dem schmalen Mäuerchen.
Werden ganz ruhig und schmiegen sich aneinander -
während die Mutter über ihnen die Umsicht hat
und so um sie herum wie einen Schutzraum bildet...


PS. Leider habe ich nicht herausgefunden, zu welcher Entenart die Familie gehört.

21.05.2020

Zwei Bitten


Heute ist Auffahrt.
Auf Baseldeutsch 'Uffahrt'.
Im christlichen Glauben wird daran erinnert,
dass Jesus zurückgekehrt ist zu seinem Vater im Himmel. 
Als Kind hat mich das Bild des mit weit ausgestreckten Armen
in den Himmel auffahrenden Jesus sehr beeindruckt.
Noch ist es nicht erlaubt, Gottesdienste zusammen zu feiern. 
Habe ich gestern im TV gehört.
Da das Wetter jedoch schön und warm ist,
bietet sich eine Wanderung an,
ein Spaziergang oder
 eine Ausfahrt ...

 Plakat am Rande eines Weizenfeldes mit einer Bitte



PS. Ich kann es mir nicht verkneifen und gebe ganz ungefragt allen, die heute im Auto unterwegs sind einen Rat: "Bitte ohne Auffahrt! Haltet Abstand!"


19.05.2020

Ins Klangbad getaucht



Musik ist die Stenographie des Gefühls.

Leo Tolstoi, 1828 - 1910, russischer Schriftsteller
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)


Auf der Pfalz während des Shutdowns.
Eine junge Frau sass auf der Steinbank.
Auf ihrem Schoss hielt sie ein blechernes, 
aus zwei Klangschalen bestehendes Instrument.
Mit ihren Fingern und Händen 
erzählte sie eine Geschichte aus Klängen.
Das hatte etwas Beruhigendes, fast schon Meditatives.

Das Instrument ist übrigens ein 'Hang'.
Was Berndeutsch ist und 'Hand' bedeutet'.






15.05.2020

In Metall verewigte Liebesgeschichte...

Seit 35 Jahren lebe ich in Basel.
Ich meine, die Stadt gut zu kennen.
Aberdutzende Male bin ich über die Pfalz gegangen.
Und jetzt das!
Diese Woche sehe ich zum ersten Mal,
dass sich auf dem regennassen Kopfsteinpflaster etwas befindet,
das nicht zur Umgebung passt:
Es ist das dritte 'Ding' von rechts auf der drittuntersten 'Pflasterzeile'.

Ich beuge mich hinunter
zu der matt glänzenden, kleinen Messingplatte,
auf der in Grossbuchstaben etwas eingraviert ist:

PS.
Nach dem Lesen bin ich hell entzückt:
Jemand erinnerte sich hier an eine Liebesgeschichte,
die im März 1981 auf der Pfalz zwischen zwei Menschen begonnen hatte!
Wer waren Harald und Gabriele?
Woher kamen sie?
Heirateten sie? Bekamen sie Kinder?
Hielt die Ehe?
Fragen...
Zu einer Liebesgeschichte vor fast 40 Jahren...




14.05.2020

Bewegte Denkanstösse


An der Aussenwand des Theaters Basel erschien auf einem rosa Band ein kurzer Satz, der für einen Moment still stand, sich auflöste und dann einem neuen Satz Platz machte. Ich las mit:

Nur Mut, nicht alles ist verloren.

Was ist der Fortschritt?

Es kann noch alles gut kommen.

Das ist sie jetzt: Die neue Welt!

PS. 
Bewegte Denkanstösse in der Zeit des Shutdowns -
der heruntergefahrenen, stillgelegten Zeit...