23.01.2021

Irritierender Abfall...

Dass leere Packungen, Bierdosen und Flaschen 
achtlos weggeworfen, hingestellt oder entsorgt werden, 
ist ein alltägliches Ärgernis in der Stadt.
Dieser Abfall auf einem Fenstersims nahe des Kunstmuseums -
eine angebrochene, auf 50% heruntergesetzte Gutzipackung,
 zwei halbvolle Petflaschen,
eine Thermoskanne, die wie neu aussah
sowie eine gelbe Plastiktüte
hatte jedoch etwas Irritierendes:
Jemand mit Sinn für Ordnung hinterliess hier seine Spuren...
 

Kaum hatte ich das Bild gemacht, hörte ich eine Männerstimme: 
"Das isch meins!"
Ich drehte mich um und erblickte einen Arbeiter, 
der die Aufsicht für die grosse, städtische Baustelle hatte.
Ich erklärte mich ihm: "Ich habe nur ein Bild gemacht!"
Der Mann hatte Humor, streckte den Daumen hoch und lachte.
Dann wünschten wir uns gegenseitig einen guten Nachmittag :)

PS. Der nette Mann ist derjenige im Hintergrund mit der gelblichen Weste :)

22.01.2021

Begleitet von Tangomusik

    Ich bin der Meinung, dass alles bessergehen würde,
    wenn man mehr ginge.

    Johann Gottfried Seume, 1763 - 1810, deutscher Schriftsteller und Dichter
    (gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2021)



Bei meinem gestrigen Spaziergang 
dem Rhein entlang hörte ich plötzlich Tangoklänge.
Und das lange bevor ich den Akkordeonspieler auf der Bank sah.
Dieser schien der alltäglichen Welt weit entrückt zu sein.
Er spielte derart virtuos und mit Passion die Tangos seiner Heimat,
dass ich eine ganze Weile stehen blieb...


PS. Der Musiker fand nicht nur bei mir Anklang.
PPS. Im Hut befanden sich etliche Geldstücke...




20.01.2021

Janis forever!

Gestern hätte sie
(die neben Joan Baez mein anderes Idol war damals)
ihren 78. Geburtstag feiern können:
JANIS JOPLIN (1943 - 1970)


Meinen Lieblingssong
(nein, nicht 'Me and Bobby McGee...)
hörte ich einige Male gestern:

19.01.2021

Was zum Alltagsbedarf gehört und was nicht...

Gestern begann der zweite Shutdown.
Die Massnahmen wurden verschärft.
So müssen alle Geschäfte, die keine Lebensmittel 
oder Dinge für den Alltagsbedarf führen, geschlossen bleiben.
Ich gehe für einmal im Migros-Supermarkt am Aeschenplatz einkaufen.
Etliche Regale sind mit Plastikbändern abgesperrt.
Diese Produkte gehören nicht zum alltäglichen Bedarf.
Haartrockner etwa, wie ich leicht verwundert bemerke.
An der Kasse lege ich alles aufs Band. 
Darunter auch ein kleines Paket mit Réchaudkerzen.
Die Kassierin stutzt einen Moment, dann meint sie, 
es gäbe die Réchaudkerzen auch im Doppelpack und zum Aktionspreis. 
Sie hole mir jetzt welche.
Ich kann sie nicht aufhalten.
Schon eilt sie davon und ist im Nu wieder zurück:
"Jetzt sind Sie auf der sicheren Seite", sagt sie, und ihre Augen funkeln schelmisch. 
"Glühbirnen dürfen wir nämlich nicht verkaufen!"
 Leicht verwirrt schüttle ich den Kopf:
"Ehrlich, ich verstehe diese Logik nicht ganz."
"Ich auch nicht", antwortet die hilfsbereite, freundlichen Kassierin,
"Reiseartikel dürfen wir nämlich verkaufen!"


PS. Das gemeinsame Lachen tat gut. Und hatte etwas Befreiendes :)


18.01.2021

Rollentausch

Es schneielet, es beielet,
es goht e chüele Wind.
Und d Meitli lege d Händsche a
und d Buebe laufe gschwind.


Schweizer Mundartlied, T.und M. überliefert

Als ich damals als junge Lehrerin 
mit den Schulkindern dieses Schnee- und Winterlied sang,
tauschten wir ganz vergnügt die Rollen:
Die Buben zogen sich die Handschuhe an.
Und die Mädchen liefen geschwind...




16.01.2021

Bisschen Liebe...

Beim über die Brücke Gehen entdeckte ich an einem Pfeiler
ein bisschen Liebe...
BISSCHEN LIEBE FÜR DICH 


PS. Und die verteile ich jetzt grosszügig an alle, die hier lesen. 
PPS. Ein schönes, weisses Wochenende wünscht 
Hausfrau Hanna


15.01.2021

Weisses Basel...

    "Was machen Sie?"
    "Nichts.
    Ich lasse das Leben auf mich schneien."

    Hausfrau Hanna (frei nach Rahel Varnhagen)


Luginbühls Kugel mit weisser Kappe...

Niki de Saint-Phalles Nana im weissen Cape...

Tinguelys Bistro: Geschlossen... 


14.01.2021

Eine etwas verspätete Geburtstagswürdigung

1968 hörte ich sie zum ersten Mal.
Joan Baez.
Zu Beginn des Schuljahres stand eine neue
Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin vor uns Mädchen.
Sie hiess Anni und war nur wenige Jahre älter als wir.
Neben frischen, unkonventionellen Unterrichtsideen 
brachte sie auch eine LP mit von Joan Baez.
Der erste Song, den wir zusammen anhörten, war 'Farewell Angelina'.
Ich erinnere mich, dass ich hin und weg war. 
Und sich eine neue musikalische Welt auftat...


Anni liess uns Jugendlichen viel Raum -
was damals eher unüblich war im Schulunterricht. 
Wir kreierten Schnittmuster nach unsern Vorstellungen,
änderten mitgebrachte Kleider um und diskutierten gleichzeitig über Songtexte.
Ich liebte und verehrte Anni.
Und ich liebte und verehrte Joan Baez
(und liess sogar meine Haare nach ihrem Vorbild wachsen...).
Gleichzeitig bewunderte ich ihr politisches Engagement
für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Minderheiten.

Am vergangenen 9.Januar wurde sie, 
mein Vorbild von damals, 80 Jahre alt: 
Danke für alles, Joan Baez!

12.01.2021

(Wie) Heimat


   
       Freundschaft - das ist wie Heimat.

       Kurt Tucholsky, 1880 - 1935, deutscher Schriftsteller und Journalist
       (gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)


       Freundschaft ist Heimat.

       Charles Baudelaire, 1821 - 1867, französischer Schriftsteller und Lyriker
       (gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2021)




Fast derselbe Satz!
Ein Wort mit drei Buchstaben macht die Veränderung aus.
Mich persönlich spricht die Version Baudelaires mehr an.
Die Freundschafts-Bilder sind vom gestrigen Rheinspaziergang:
Man sass zusammen, tauschte sich aus, trank ein heisses Getränk.
Die Kälte war nebensächlich... 


11.01.2021

Entsorgte Klatschgeschichten...

Bei der Räumaktion der letzten Woche  
entsorgte ich etliche Zeitschriften im Altpapier.
Darunter befanden sich auch 'skvallertidningar' -
schwedische Regenbogenheftli und Klatschzeitschriften.
Mit Geschichten und Bildern königlicher Hoheiten von heute und damals.
Die Eiskunstläuferin, die sich derart elegant präsentiert
und sehr gekonnt auf den Kufen steht, war Prinzessin Christina.
Eine Schwester des heutigen Königs Carl Gustaf.
Im Jahr 1953 war das...

PS.  ... meinem Geburtsjahr!


10.01.2021

In Altem blättern...

Man soll niemandem etwas nachtragen.
Wir haben alle schon genug zu schleppen.

Johannes von Müller, geb. 1752 in Schaffhausen, gest. 1809 in Kassel
Intellektueller, Universalhistoriker, sprachmächtiger 'homme de lettres'.
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2021)



Ich habe während der vergangenen Tage viel Altes, Angesammeltes 
aus den Schubladen und Regalen in die Hand genommen.
Ich habe es angeschaut, zum Teil gelesen und mich erinnert.
Dann habe ich einiges entsorgt und einiges wieder ordentlich eingeräumt.

 

PS. Ein Neujahrsbeginn, der Befreiendes hatte...


06.01.2021

Bewegen und Bewegtsein...

Die Heiligen Drei Könige hatten nur ein Gerücht, um sich dran zu halten - 
aber es bewegte sie, die weite Reise zu machen.
Die Schriftgelehrten wussten es eigentlich besser, aber es bewegte sie nicht.

Søren Kierkegaard, 1813 - 1855, dänischer Philosoph, Schriftsteller, Essayist und Theologe
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)

Zu Fuss unterwegs/Kinderzeichnung 


Dreikönigstag. 
Ich schaue dem leisen, feinen Schneefall zu.
Und sinniere noch etwas über den Begriff des 'Bewegtseins' .
Allen ein gutes Vorwärtskommen und 
Unterwegssein durch den Tag!


05.01.2021

Reichtum...

    "Und dann sagen mir immer ganz viele Menschen, wenn ich das erzähle: 
    Ja, das muss man sich ja leisten können, so viel Zeit habe ich gar nicht.
    Und in der Tat ist das Gehen jetzt Ausdruck von Zeitreichtum.
    Man muss es sich leisten können zu gehen.
    Und die Armen, die fahren mit dem Auto."

    Bertram Weisshaar, Spaziergangsforscher
    (gelesen gestern in der Tageszeitung)


Der tägliche Spaziergang ist für mich kein Muss.
Er gehört wie selbstverständlich zu meinem Alltag.
Gut, gut, ich kann ihn
(den Spaziergang zu Fuss) 
mir ja auch leisten...

04.01.2021

Wetterprognose...

Schnee, der sich
leicht ballen lässt,
schmilzt bald.


Jean Paul, 1763 - 1825, (eigentlich Johann Paul Friedrich Richter)
deutscher Schriftsteller 


Vorgestern Abend.
Der Meteomann im TV verkündete,
dass es gestern schneien würde.
Auch hier in der Region der Nordwestschweiz.
Aber ausser ein paar winzigen kugeligen 'Flöckchen',
die für ein paar Minuten aus dem Hochnebel rieselten,
geschah den ganzen Tag über nichts mehr.
Gestern Abend entschuldigte sich der Meteomann:
Die Wetterlage sei im Moment zu unberechenbar 
für eine genaue Prognose... 



02.01.2021

Zusammen das alte Jahr verabschieden...

Am frühen Nachmittag des Silvesters.
Ich gehe zu Fuss in die Stadt.
Oben am Spalenberg höre ich aus einem Kleidergeschäft sehr laute Musik schallen.
Ich kenne den Song.
Er wurde das ganze Jahr über rauf und runter gespielt.
Und überall auf der Welt wurde in Gruppen dazu getanzt:

Ich trete an die offene Ladentüre.
Und dann geschieht tanz spontan etwas.
Wir beginnen uns, zur Musik zu bewegen.
Die Verkäuferin drinnen.
Und ich tanze die Schrittfolge draussen auf der Gasse.
Publikum hat es zum Glück keines...

 "Ein gutes neues Jahr!"


01.01.2021

Zum neuen Jahr!

Ich fühle mich erstarken und weiss, 
dass ich durch den Berg hindurchkomme und darüber hinweg.

Paula Modersohn-Becker, 1876-1907, deutsche Malerin
(in einem Brief an ihre Eltern, um den 3. März 1900)

Worpsweder Landschaft im März 2019

Diesen Satz las ich im vergangenen Jahr 2020 in einem Buch,
in dessen Zentrum die Selbstporträts der Paula Modersohn-Becker standen.
Er sprach mich tief an.
Und so hielt ich ihn fest in meinem Zitatebuch.
Nach diesem
(für die meisten von uns wohl)
ziemlich beanspruchenden Jahr
passt er gut in den ersten Tag des neuen Jahres -
auch deshalb, weil er Mut macht!