31.05.2020

Ein veränderter Innenraum...

Vorgestern Freitag im Münster.
Der riesige Innenraum sah verändert aus: 
Immer zwei Stuhlreihen waren eng zusammengerückt 
und mit rotweissen Plastikbändern
(wie sie auf Baustellen zu sehen sind)
zusammengebunden worden.
Etwas verwirrt, um nicht zu sagen bedeppert,
 setzte ich mich eine Weile auf einen der Stühle,
der mit einem weissen 'Mäscheli' gekennzeichnet war.
Ich musste mich fassen.

Gestern Samstag war ich nochmals im Münster.
Der Innenraum hatte sich über Nacht wieder verändert:
Alle rotweissen Absperrbänder waren entfernt worden.
Nur die zartfarbenen Bändel an den Stühlen waren geblieben.

Als ich draussen durch den Kreuzgang ging, hörte ich Musik:
Ein Paar sang und spielte "Halleluja!" von Leonard Cohen.
Vor Freude und Erleichterung hätte ich beinahe mitgesungen...


PS. Allen hier Lesenden wünsche ich schöne, zartfarbene Pfingsten!

30.05.2020

Im und ums Münster



"Ich hofe das Corona bald vorbei ist."

 Bitte eines Kindes, 
die ich gestern im offen daliegenden 
Wunsch- und Bittbuch im Münster gelesen habe.
Unter der Bitte befand sich noch eine Zeichnung.
Mit einer lachenden Sonne...


Wieder zusammen unterwegs - ein Grossvater und sein Enkel auf der Pfalz!





28.05.2020

Hinter der Scheibe (6)


Was ist Leben?
Ein Schatten, der vorüber streicht!

William Shakespeare 
aus 'Macbeth'

Bild aufgenommen 2017 im Moderna Museet Stockholm


Gestern kurz vor 14.00 Uhr.
Ich gehe zu Fuss in die Stadt.
Mein Weg führt bei einem Alters- und Pflegeheim vorbei.
Bis vor Kurzem hing noch eine Besuchsverbot-Mitteilung am Eingang.
Nun sehe ich, dass hinter der riesigen Fensterfront aus Glas,
mit genügend Abstand zueinander, 
zwei betagte Frauen in bequemen Sesseln sitzen.
Sie blicken hinaus auf die Strasse und scheinen zu warten.
Besuch von Angehörigen ist wieder erlaubt.
Begegnung mit einer Glasscheibe dazwischen ist möglich.
Während ich meinen Weg fortsetze, 
schlucke ich einige Male ganz schön schwer.
.....


27.05.2020

Ins Leben einbezogen


Schön
mit verschiedenen
Stimmen
lachen zu können
auch mit jener
der Traurigkeit

Werner Lutz, 1930 - 2016
Schweizer Lyriker



PS. 
Das Gedicht von Werner Lutz, der in Basel gelebt hat, 
habe ich kürzlich erst gelesen.
Und das gleich mehrere Male hintereinander.
Leise und laut.
Die Worte passen zum gestrigen Blogbeitrag und zu den Kommentaren.



26.05.2020

Silentium oder bitte Ruhe!



Es war vor vielen Jahren.
Ich hatte mit meiner damaligen Klasse
(lebhaften sieben- und achtjährigen Mädchen und Buben)
abgemacht am Nachmittag bei der Dorfkirche.
Das schien mir der geeignete Treffpunkt zu sein
für die Monatswanderung durch den Wald zum Talweiher.
Als ich bei der Kirche ankam, traf mich beinahe der Schlag.
Die Kinder warteten nicht etwa brav, 
wie ich selbstverständlich angenommen hatte, 
auf dem Platz vor der Kirche -
sondern rannten auf dem Friedhof umher.
Sie machten Fangis um die Grabsteine herum.
Quietschten und schrien vor Lebensfreude.
Ich pfiff die Kinder zu mir.
Und erklärte ihnen, dass sie das nicht hätten tun sollen.
Ein Friedhof sei kein Spielplatz, sondern ein Ort der Ruhe.
Da sagte eines der Mädchen etwas, 
an das ich mich bis heute glasklar erinnere:
"Aber diä do (meint damit die Toten) chönne öis doch nümm ghöre."



PS. Die Geschichte kam mir unlängst wieder in den Sinn, als ich im Friedhof oben auf dem Hügel auf einer Bank sass und sinnierte...




23.05.2020

Gutes Raumgefühl...


Bei einem Spaziergang dem Rhein entlang in der Zeit des Shutdowns.
Ich schaue einer Entenmutter zu, 
die mit ihrem Nachwuchs einen Ausflug macht.
Die Kleinen bewegen sich so quirlig und lebhaft, 
dass ich dreimal ansetzen muss, um sie zu zählen:
Es sind sechs!

Der Ausflug in die Weite des Rheins hat sie wohl ermüdet.
Die Mutter bemerkt es und wechselt die Rolle: 
Sie übernimmt nun
 (nachdem sie zuvor die putzmuntere Schar nur begleitet hat)
ganz klar die Führung.
Ein Sprung!
Und schon steht sie auf der künstlich angelegten Steininsel.
Zuerst scheint sie die drei Erpel zu ignorieren.
Und ist ganz auf ihre Jungen bezogen.

Dann plötzlich geschieht etwas, was mich verblüfft.
Die Entenmutter dreht sich um und scheucht couragiert die drei 'Männer' weg.
Diese gehorchen und schwimmen davon...

Die Jungen sind noch zu klein und zu unbeholfen,
um es bis zur Mutter zu schaffen.
Sie bleiben unten auf dem schmalen Mäuerchen.
Werden ganz ruhig und schmiegen sich aneinander -
während die Mutter über ihnen die Umsicht hat
und so um sie herum wie einen Schutzraum bildet...


PS. Leider habe ich nicht herausgefunden, zu welcher Entenart die Familie gehört.

21.05.2020

Zwei Bitten


Heute ist Auffahrt.
Auf Baseldeutsch 'Uffahrt'.
Im christlichen Glauben wird daran erinnert,
dass Jesus zurückgekehrt ist zu seinem Vater im Himmel. 
Als Kind hat mich das Bild des mit weit ausgestreckten Armen
in den Himmel auffahrenden Jesus sehr beeindruckt.
Noch ist es nicht erlaubt, Gottesdienste zusammen zu feiern. 
Habe ich gestern im TV gehört.
Da das Wetter jedoch schön und warm ist,
bietet sich eine Wanderung an,
ein Spaziergang oder
 eine Ausfahrt ...

 Plakat am Rande eines Weizenfeldes mit einer Bitte



PS. Ich kann es mir nicht verkneifen und gebe ganz ungefragt allen, die heute im Auto unterwegs sind einen Rat: "Bitte ohne Auffahrt! Haltet Abstand!"


19.05.2020

Ins Klangbad getaucht



Musik ist die Stenographie des Gefühls.

Leo Tolstoi, 1828 - 1910, russischer Schriftsteller
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)


Auf der Pfalz während des Shutdowns.
Eine junge Frau sass auf der Steinbank.
Auf ihrem Schoss hielt sie ein blechernes, 
aus zwei Klangschalen bestehendes Instrument.
Mit ihren Fingern und Händen 
erzählte sie eine Geschichte aus Klängen.
Das hatte etwas Beruhigendes, fast schon Meditatives.

Das Instrument ist übrigens ein 'Hang'.
Was Berndeutsch ist und 'Hand' bedeutet'.






15.05.2020

In Metall verewigte Liebesgeschichte...

Seit 35 Jahren lebe ich in Basel.
Ich meine, die Stadt gut zu kennen.
Aberdutzende Male bin ich über die Pfalz gegangen.
Und jetzt das!
Diese Woche sehe ich zum ersten Mal,
dass sich auf dem regennassen Kopfsteinpflaster etwas befindet,
das nicht zur Umgebung passt:
Es ist das dritte 'Ding' von rechts auf der drittuntersten 'Pflasterzeile'.

Ich beuge mich hinunter
zu der matt glänzenden, kleinen Messingplatte,
auf der in Grossbuchstaben etwas eingraviert ist:

PS.
Nach dem Lesen bin ich hell entzückt:
Jemand erinnerte sich hier an eine Liebesgeschichte,
die im März 1981 auf der Pfalz zwischen zwei Menschen begonnen hatte!
Wer waren Harald und Gabriele?
Woher kamen sie?
Heirateten sie? Bekamen sie Kinder?
Hielt die Ehe?
Fragen...
Zu einer Liebesgeschichte vor fast 40 Jahren...




14.05.2020

Bewegte Denkanstösse


An der Aussenwand des Theaters Basel erschien auf einem rosa Band ein kurzer Satz, der für einen Moment still stand, sich auflöste und dann einem neuen Satz Platz machte. Ich las mit:

Nur Mut, nicht alles ist verloren.

Was ist der Fortschritt?

Es kann noch alles gut kommen.

Das ist sie jetzt: Die neue Welt!

PS. 
Bewegte Denkanstösse in der Zeit des Shutdowns -
der heruntergefahrenen, stillgelegten Zeit...



13.05.2020

Durch die Scheibe (5)

Gestern.
Der zweite Tag nach der Lockerung des Lockdowns.
Die Innenstadt ist zwar nicht proppevoll wie an einem Samstag,
aber es sind deutlich mehr Menschen unterwegs als die acht Wochen zuvor.
Alle wollen shoppen.
Ich bleibe oben an der Freien Strasse beim grossen Brunnen stehen
und schaue eine Weile dem Treiben zu.
Dann gehe ich den fast menschenleeren Münsterberg hoch.
Und sehe, dass die Türe zur Galerie 
(mit der Skulptur der Tänzerin hinter der Scheibe)
sperrangelweit offen ist.

Die Galeristin entdeckt mich und tritt auf mich zu:
"Kommen Sie doch herein! Ich bin am Vorbereiten für die Öffnung am Donnerstag."
Ich schaue mich eine Weile um in der kleinen Galerie.
Die Werkausstellung zum 125.Geburtstag
des Basler Künstlers Alexander Zschokke
beeindruckt mich - sie ist schlicht wundervoll.
Ich frage, ob ich ein Bild des Schaufensters machen darf.
Und ich darf!
Ist 'Die dralle Tänzerin' erkennbar... ;)

PS. Die Galerie am Münsterberg ist ab morgen Donnerstag wieder geöffnet.
PPS. Ich werde nochmals hingehen und mir die Werke in Ruhe anschauen.
PPPS. Am 23.Mai ist die Finissage der Zschokke-Ausstellung!





12.05.2020

Hinter der Scheibe (4)


Das Stolpern
zu einem Teil
des Tanzes machen

Anna Maria Keller, 1967, Schweizer Lyrikerin
(aus dem Gedicht Survival kit)




PS. 'Die dralle Tänzerin' im Schaufenster der Kunstgalerie freut bestimmt auch, dass seit gestern die Kunstmuseen und Galerien wieder geöffnet sind...




11.05.2020

Jubelruf am Muttertag!

Gestern Sonntag. 
Hausmann Hanna und ich entschieden uns für einen Spaziergang 
hinauf zum Münster mit dem Kreuzgang und der Pfalz.
Wir gingen zu Fuss die Quartierstrasse in Richtung Innenstadt.
Beim Eingang zu einem der Einfamilienhäuser stand eine Bockleiter,
an der ein grosses, von Hand beschriebenes Blatt Papier befestigt war.

Wir traten näher und lasen:
Blumengruss für
Alle - nicht nur 
für Mütter J
Vorsichtig hochsteigen und
riechen!

Uetersener Klosterrose


Hochgestiegen bin ich zwar nicht.
Aber ich steckte die Nase in eine der voll erblühten, 
cremefarbigen Kletterrosen und sog den Geruch ein.
Genau in diesem Moment war hinten im Garten 
der helle Jubelruf eines Mädchens zu hören:
"Juhu! Morn darf i wieder in d' Schuel!"



PS. Nach vielen Wochen 'Homeschooling' dürfen heute die Kinder wieder zur Schule.
PPS. Guten Start euch allen sowie euren Lehrerinnen und Lehrern!

10.05.2020

Hinter der Scheibe (3)

Es sieht fast so aus,
als ob die zarten Clematisblüten 
in den geschlossenen Kartenladen blicken würden.
Um bereits jetzt eine Auswahl zu treffen.
Wenn morgen das Geschäft wieder öffnet...

PS.
Selbst habe ich ein riesiges (!!!) Kartensortimen im Kasten.
Für jede Gelegenheit mindestens ein Dutzend passender Sujets.
Ich habe viel geschrieben in den vergangenen Wochen.
Auch Karten!
Dennoch.
Ich freue mich, wenn ich wieder an Kartenständern drehen
und die eine oder andere neue Karte aussuchen kann.
Die zu all den andern hinzukommt... ;)

09.05.2020

Hinter der Scheibe (2)

Endlich!
Am Montag dürfen auch die Buchhandlungen wieder öffnen.
Anfangs Woche bleibe ich beim Kinderbuchladen am Rümelinsplatz stehen.
Betrachte das feine Sortiment an Bilderbüchern,
das sich hinter der grossen Schaufensterscheibe präsentiert.
Vom Bild mit dem sich umarmenden Meisenpaar 
kann ich mich nur schwer losreissen...


Etwas später juble ich innerlich vor Freude,
als ich im Schaufenster meiner Lieblingsbuchhandlung dies hier entdecke: 

PS. Das neu erschienene Buch des in Basel lebenden Autors Hansjörg Schneider kaufe ich ebenfalls.
PPS. So bald wie möglich! :)



08.05.2020

Hinter der Scheibe (1)


Noch sind die Kleider- und Modegeschäfte geschlossen.
Aber der Blick durch die sauber geputzte Schaufensterscheibe
lässt staunen und träumen ... 




07.05.2020

Ein Wort mit zwei Bedeutungen

In unserer Sprache machen wir einen Unterschied
 zwischen 'Alleinsein' und 'Einsamsein'.

Die schwedische Sprache hingegen kennt nur einen Begriff: Ensam!
"Hon är ensam" kann also beides bedeuten:
 Sowohl "sie ist allein" -
als auch"sie ist einsam"...



06.05.2020

Allein im Kreuzgang des Münsters

Im Kreuzgang des Münsters,
 dort wo sonst Touristenströme unterwegs sind,
ist es im Moment sehr still.
Totenstill.
Ich bin ganz allein.
Und betrachte einige der alten Grabplatten,
die an den Wänden aufgehängt sind.
Beginne zu lesen, was darauf steht.
Etwa diese Würdigung eines Mannes,
der wichtig war für die Gesellschaft.
Und seine Familie:

'Hier ruhet in Gott bey seinen Vor-Eltern
Herr Mathias Ehinger
gewesener Ratsherr und Oberst
welcher in diesen und mehreren anderen Ehren-Aemtern
seinem Vaterland lange Jahre Dienste geleistet,
gebohren MDCCXI
verheürathet mit Frau Anna-Maria Weiss
und gestorben den XIV. September MDCCLXXXVII
Er hinterlaesst eine traurende Wittib,
einen Sohn, fuenf Toechteren, und acht Gros-Kinder.'


PS. 
Den heute nicht mehr geläufige Begriff 'Wittib' präge ich mir ein,
indem ich ihn mehrerer Male lese.
Dann rechne ich nach, wie alt der Ratsherr geworden ist.
Und komme auf 77 Jahre.
Für die damalige Zeit ein hohes Alter... 


04.05.2020

Zweimal derselbe Ort...

Dieselbe Altglasdeponie am Sonntag, den 19. April...


... und am gestrigen Sonntag, den 3. Mai!

PS.
Ich freue mich bereits auf den einen oder andern spontanen Gedanken... ;)


02.05.2020

Schwedischer Suchbegriff in der Statistik


jag älskar stockholm

Hausfrau Hanna am Meer in Stockholm (mit der Hand winkend...)



PS. Als ich den Suchbegriff gestern in der Blogstatistik las, fühlte ich mich einer mir völlig unbekannten Person tief verbunden. 
PPS. Heisst doch "Jag älskar Stockholm"...  "Ich liebe Stockholm!"