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14 Mai 2010

Gull-Britt


Eine Woche war sie krank.
Ihre Vertretung war eine junge, sportliche Lehrerin, die täglich 6 km joggt, um fit zu sein fuer den Stockholm Marathon.
Nun ist sie da: GULL-BRITT!
Sie betritt das Klassenzimmer. Und fährt ein wie ein schwedischer Vulkan. 
Laut, energisch, fordernd, temperamentvoll und gesegnet mit einer solchen Portion Humor, dass ich immer wieder gluckse vor Lachen und am Ende der ersten Unterrichtseinheit etwas erschöpft und ausgewrungen bin...
Gull-Britt erklärt uns - und das nicht zu langsam - die praktischen Dinge im schwedischen Alltag:
Im Coop/Konsum (jawoll!) ist das Mineralwasser am billigsten. 
Hahnenwasser hingegen ist ueberall gratis.
Die ´smörgåser´(Butterbrote) fuer den Lunch belegt man am besten selbst mit Aktionsangeboten "ta tre, betala två" ("nimm drei, bezahle zwei!").
Gull-Britt ist im Herzen Royalistin. Und im Uebrigen gleich alt wie der König. Nächstes Jahr wird sie pensioniert und will dann reisen.
"Gull-Britt", frage ich sie gegen Ende der Stunde, "vad betyder 'gull '?" 
Ich glaube, einen stolzen Unterton in ihrer Stimme herauszuhören, als sie erklärt:
"Gull bedeutet 'goldig', 'suess', 'lieb'."







07 Mai 2010

Lunch oder middag


Etwas, was mich anfangs sehr irritierte, waren die Essenszeiten´lunch´und ´middag´.
Hier nimmt man am Mittag einen ´lunch´ein.
Das Abendessen heisst dann ganz logisch ´middag´.
Wird man von einer schwedischen Familie zum ´middag´ eingeladen und nimmt man das wortwörtlich, steht man vermutlich am Mittag vor verschlossener Tuere...

Zweimal in dieser Woche koche ich zu ´middag´.
In einer schwedischen Kueche mit einem Induktionsherd, den ich mir von der 9-jährigen Lotte erklären lassen muss. Die nächste Unsicherheit besteht beim Kuehlschrank: Ich kann ihn nicht öffnen. Und wieder zeigt und erklärt mir Lotte, wie ein schwedisches Modell sich öffnen lässt.
Sie tut das geduldig und freundlich, wie es den Schweden wahrscheinlich in die Wiege gelegt worden ist ("ta det lugnt!" - "nimm es ruhig!").
Zum ersten Mal sehe ich eine ´falukorv´. Und da diese Wurst unserer Lyonerwurst ähnlich sieht, schneide ich sie auf und drapiere die Scheiben auf einen Teller.
Die in kleine Stuecke geschnippselten Kartoffeln brate ich an.
Alles falsch.
Die Wurst hätte ich anbraten sollen und die Kartoffeln im Wasser weichkochen.
Lotte erklärt es mir wieder.
Und dann sitzen wir zu dritt am Tisch:´Storasyster´ Lotte, ´lillasyster´ Siri und ich.
Die Pommes schmecken. Die Wurst ebenfalls.

PS. Und den riesengrossen Klecks 'Ketschöpp' behalten wir als kleines Geheimnis fuer uns... ;)

Schwedischlektion


Die Schweden haben in ihrer praktischen und effektiven Art allerhand Begriffe aus Frankreich, Deutschland oder England uebernommen´ und dann ihrer Sprache angepasst..
Da gibt es hier am grossen Platz schon einmal einen ´frisörsalong.
Ich benuetze die ´toalett´oder das ´trottoar´.
Am Abend geht man ins ´restaurang´und sitzt bequem im ´fåtölj´.
Und bevor ich jetzt ´adiö´sage, kommt mein liebster Begriff:
Der ´besserwisser´.

PS. Warum der wohl aus dem Deutschen uebernommen und eingeschwedet wurde...? ;-)

06 Mai 2010

Angekommen!


Hej!

Nun bin ich also hier in Schweden.
Ich lebe und wohne in einer kleinen Wohnung im Vorort Bagarmossen suedöstlich von Stockholm und versuche, die vielen neuen Eindruecke zu bewältigen, die täglich auf mich einprasseln.
Ich habe die letzten Tage viele Umwege und Irrläufe gemacht.
Alles zu Fuss.
Den alten, rostigen Drahtesel, den Elisabeth mir grosszuegig zur Verfuegung gestellt hat, lasse ich vorsichtshalber noch angekettet vor der Haustuere stehen...
Wenn ich ins Zentrum will, geht das bequem und schnell mit der ´tunnelban´. Und in knapp 20 Minuten befinde ich mich in Stockholms schöner Altstadt (Gamla stan).
Heute habe ich mich in der kleinen, huebschen Bibliothek hier fuer eine Stunde Internet angemeldet.
Nun, die Hälfte der Zeit ging verloren mit Suchen und Hineinfinden in meine ´Bloggstuga´.
"Ta det lugnt", sagen die Schweden. "Reg dich nicht auf!"
Ich werde das noch oft zu mir sagen muessen... ;-)




Ha en trevlig dag - hjärtliga hälsningar till er alla,
Hausfrau Hanna

"Die grösste Sehenswürdigkeit...


... die es gibt,
ist die Welt - sieh sie dir an!"

Kurt Tucholsky


Lieber Kurt Tucholsky,
schön hast du das gesagt!
Und so versuche ich, mich die nächsten zwei Monate in deinen Ausspruch (wie in eine Motivationsschubkarre) fallen zu lassen. Hier in Schweden, wo ich im Mai und Juni leben werde.
Ich habe Einiges vor und möchte:

'öl' probieren, das nicht etwa in den Automotor gehört, sondern Bier ist...

'köttbullar' essen, die nicht aus der IKEA sind...

'fika' - was zwar unanständig tönt, aber nur das bezeichnet, was die Schweden gern und häufig über den ganzen Tag verteilt tun: Kaffeetrinken ;)


mich nicht von den schnellsprechenden Stockholmern beirren lassen, sondern genauso munter und fehlerhaft drauflos plappern, wie ich es hier im Sprachunterricht tat...

an Kronprinzessin Victorias Hochzeit am 19. Juni mit einem Fähnchen am Strassenrand stehen...

Und vor allem möchte ich Schloss Gripsholm besuchen, das in deiner charmanten, heitermelancholischen Sommergeschichte im Zentrum steht und die zu lesen mich eingestimmt hat in das Land, in dem du ebenfalls gelebt hast.

Hälsningar
Hausfrau Hanna