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19 Juli 2010

'I wasn't born to follow'

Es gab ein Leben vor 16 und ein Leben nach 16.
Ich könnte auch sagen, es gab ein Leben vor Easy Rider und eines nach Easy Rider.
Nach den Abenteuern von Winnetou und Old Shatterhand in jüngeren Jahren gehörte er zu den ersten Kinofilmen, die ich mir mit 16 anschauen durfte.
Der Film war Kult. Man musste ihn gesehen haben, und hätte man mich im Erwachsenenalter nach meinem Lieblingsfilm jener Zeit gefragt, ich hätte ihn ohne Zögern an erster Stelle genannt.

Gestern Abend nun kam der Film auf Arte.
Ich sah ihn zum ersten Mal nach 41 Jahren wieder...
Und ja, er gefiel mir immer noch.
Auch wenn mir die Handlungsstränge manchmal etwas bizarr, unverständlich und unlogisch erschienen.
Auch wenn mich die vielen religiösen Bilder, An- und Einspielungen etwas verwunderten.
Auch wenn die Dialoge der immer am Joint hängenden Akteure zum Teil sehr dürftig waren:

"Morgens ein Joint, und der Tag ist dein Freund."


"Wo bist denn her, Mann?"
"Aus 'ner Stadt."
"Spielt keine Rolle, alle Städte sehen gleich aus."


"Wolltest du schon mal jemand anders sein?"
"Mickey Mouse wäre nicht schlecht."
"Ich wollte noch nie jemand anders sein".

Zusammengehalten wurde der Film, und das packte mich auch nach so langer Zeit wieder, durch die Musik.
Die war und ist grossartig.
Heute dann suchte ich meine uralte LP heraus. Ihr  Rauschen hätte mich nicht gestört.
Wohl aber der Hick. Ausgerechnet in meinem Lieblingsstück.
Hier ohne Hick zu hören:











17 Juli 2010

Zeitreise







rudern
gegen den
strom beharrlich und
langsam mit
blossem auge die
ufer sehen vögel
und steine endlich
anlegen bei
sich





Es war eines meiner Lieblingsgedichte.
Heute will ich nicht mehr gegen den Strom rudern.
Mein Bedürfnis ist ein anderes:
Ich lasse mich vom Wasser und den Wellen sanft schaukelnd mittragen.
Und lege trotzdem an bei mir.


Ich wünsche ein schönes, geruhsames Wochenende - und überlasst das Rudern den andern,
eure Hausfrau Hanna

15 Juli 2010

Ohrenreinigung


Gestern las ich im ländlichen Garten unter dem Holunderstrauch einen Thriller.
Das ein paar Meter unter mir vorbeifliessende Bächlein plauderte gleichmässig und hatte etwas Einlullendes, Einschläferndes.
Trotz des suggestiven Klappentextes "Machen Sie alle Lichter an und stellen Sie das Telefon neben sich - wenn Sie das lesen, werden Sie nicht alleine im Dunkeln sein wollen!" nickte ich über dem Buch ein.
Ich erwachte, als ein schwarzer Schatten an mir vorbeihuschte.
Noch etwas benommen vom Schlaf wusste ich nicht, war ich im Geschehen des Thrillers oder war es Realität.
"Geh weg!" sagte ich zum schwarzen Schatten, "mach, dass du fortkommst!"
Er ignorierte mich. Er trottete weiter, hechelte dem Bächlein entlang und schien mich nicht zu hören.
Und dann verschwand er wie ein Geist, der herumstreunende Hund...


PS. Wo sonst, wenn nicht in Schweden, nimmt man sich schwerhöriger Hunde an:

12 Juli 2010

Weltmeisterschaftsfinale

Ich war immer für Holland.
Das hatte mit Jac zu tun, einer Jugendliebe.
Er war Holländer.
Als wir uns aus den Augen verloren, übertrug ich die Begeisterung auf die holländischen Fussballer.
Was habe ich den orangen Spielern stets die Daumen gedrückt und mitgefiebert.
Bis gestern.
Gestern reichte es mir.
Mit ihrer rüden Art des Spiels und den vielen groben Fouls haben es die Holländer bei mir verscherzt.
Es ist eine tiefe Genugtuung, dass die Spanier gewonnen haben.
Im ganzen Turnier haben sie am wenigsten gefoult, dafür am meisten Fouls erhalten.
Wenn es nur immer so gerecht zugehen würde im Leben...
Bevor ich tiefer ins Sinnieren komme:
Von jetzt an drücke ich Spanien die Daumen.
Olé!

11 Juli 2010

Erinnerungen...


Sonntagmorgen.
Ich habe grad einen ziemlichen Durchhänger. Diese schwülheissen Sommertage und stickigen Tropennächte gehen mir an die Substanz.
Sämtliche Fenster sind weit geöffnet. Und tatsächlich. Ein leichtes Lüftchen strömt in die Räume, vermag mich etwas zu beleben.
Und dann erinnere ich mich an diese Begebenheit, die viele Jahre zurückliegt:


Es war Sommer und Ferienzeit, als Hausfrau Hanna im Westen Irlands, in Connemara, in eine ungewohnte, leicht brenzlige Situation geriet.
Sie hatte bereits mehr als genug zu tun, um den ungewohnten Linksverkehr in den Griff zu bekommen.
Ihre Nerven wurden zusätzlich noch strapaziert, als buchstäblich aus dem Nichts wild kläffende Hunde hervorstürmten und sie fast zu Tode erschreckten. Jedes Mal glaubte sie, einen dieser armen Köter überfahren zu haben. Aber offenbar war das ein beliebtes Spiel, das die irischen Hunde mit allen Touristen trieben. Die Hunde überlebten es immer, Hausfrau Hanna allerdings nur knapp.
Der Mut verliess sie dann vollends, als sich ihr kleines Mietauto plötzlich inmitten einer grossen Schafherde befand. 

Und so überlegte Hausfrau Hanna: "Soll ich langsam weiterfahren, damit die Schafe nicht erschrecken und zur Seite weichen? Oder drücke ich heftig auf die Hupe, damit die Tiere flüchten?"
Nun, sie entschied sich für eine dritte Möglichkeit.
Sie wartete geduldig, kurbelte das Fenster hinunter und liess ein Lied der neugekauften Kassette von Mary Black laufen. Nach ungefähr fünf Mal zuhören, wurde es den Schafen langweilig, und die Herde machte sich gemächlich auf und davon.

Seither ist der 'Song of Ireland' Hausfrau Hannas Lieblingslied in allen schwierigen, unlösbar scheinenden Lebenssituationen.