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07 Oktober 2010

Schleier des Vergessens



Im Herbst zieht es mich immer ins Tessin.
 Stets an den gleichen Ort.
Deutsche und Deutschschweizer mit genügend Geld 
leben dort ihren Ruhestand.
Einige bleiben für immer hier und werden dann in der Friedhofsanlage, 
die sich dem Berghang anschmiegt, zur letzten Ruhe gebettet. 
Die anders klingenden Namen lassen darauf schliessen. 
Und die Verwaisung, in der sich die Gräber zeigen:
Keine frischen Blumen.
Keine persönlichen Gegenstände der Erinnerung.
Keine Kerzen.
Nur eine grosse, dicke Kreuzspinne flicht ein Netz, 
das sich wie ein Schleier über die Trauer legt, 
die einmal war...

05 Oktober 2010

Bulletag


Bullen liebe ich heiss.
Natürlich nicht die Stiere. 
Auch Polizisten gegenüber nehme ich eher eine neutrale Haltung ein.
Und die päpstlichen Bullen sind bloss noch als verschwommene Erinnerung 
aus dem Geschichtsunterricht vorhanden.
Ich liebe diese nach Zimt und Kardamom schmeckenden Hefeschnecken,
die in Schweden 'kanelbullar' heissen.
Gestern wurden sie von Schwedens Backindustrie gefeiert:
Der 4.Oktober ist 'kanelbullensdag'.
Und ich habe es fertig gebracht, diesen Tag zu vergessen.
Weil Goethe, Nietzsche und Co. wichtiger waren...





04 Oktober 2010

Schreiben wie der grösste deutsche Dichter...

Auch Hanna, von Beruf Hausfrau, ist nicht gefeit vor ambivalenten Gefühlen ihrem Schreiben gegenüber.
Gestern Abend nun las sie in Jutta Wilkes Schreibwelt von einer netten Spielerei: "Write like..." 
Es stüpfte sie. Sie wollte Klarheit. Etwas beklommen war ihr schon zumute, was für ein Resultat sich zeigen würde. Sie rechnete mit Hedwig Courths-Mahler.
Kaum hatte sie das kleine, alltägliche Geschichtchen aus ihrem Blog in das vorgesehene Textfeld kopiert,
war auch schon das Resultat da und sie las diesen Namen:


GOETHE!!!


PS. Wahnsinn! 'Hausfrau Hanna' schreibt wie der grösste deutsche Dichter!

PPS. Man sollte Hausfrauen nie, niemals unterschätzen... ;)

PPPS. Und so grüsst grad eine sehr selbstbewusste 'Hausfrau Hanna' alle ihre Leserinnen und Leser und wünscht allerseits eine gute Woche!

02 Oktober 2010

Zwischen zwei Haltestellen (12)


Kürzlich im Tram zum Bahnhof.
Zwei ungefähr 13-jährige Mädchen steigen ein und lassen sich auf die Sitze plumpsen.
Ihre Energie ist raumfüllend. Sie kichern und schwatzen, und gleichzeitig drücken und werkeln sie ununterbrochen an ihren Natels herum.
Was mich erstaunt, ist ihre gegenseitige Anrede.
Zuerst meine ich, sie redeten mich so an. Aber die Sorge ist unbegründet. Sie meinen tatsächlich sich selbst.

Als das Tram am Bahnhof wartet, stehen die beiden auf.
Das eine Mädchen bückt sich und schaut unter dem Sitz nach.
Dann wird es immer aufgeregter und ruft ausser sich:  "Alte! He Alte! Meine Handtasche ist nicht hier! Hast du meine Handtasche gesehen?"
Die Mädchen kontrollieren zusammen nochmals die Sitze und den Boden. Erfolglos.
"Fuck. Jetzt habe ich meine Handtasche im Lokal liegengelassen mit allem drin."
Geknickt verlässt das Mädchen mit seiner Freundin das Tram.
Irgendwie tut es mir leid.


PS. Immerhin. Alles befand sich nicht in der Handtasche.
PPS. Das Natel war noch da...