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16 Oktober 2010

Tagesneuigkeiten

"Genombrott för världens längsta tågtunnel!"
(Durchstich des längsten Zugtunnels der Welt)

Die Schweiz ist in Schweden ein Thema. Zumindest in der heutigen Ausgabe der 'Dagens Nyheter'.
Da erscheint nämlich ein Artikel mit Bild vom gestrigen Durchstich des Gotthard-Basistunnels.
Durchstich heisst übrigens auf Schwedisch 'genombrott'. Wortgenau übersetzt eigentlich Durchbruch.
Nun hat 'brott' noch eine andere Bedeutung.
Verbrechen oder Vergehen nämlich...

PS. Nicht nur BR Moritz Leuenberger war in Sedrun dabei - auch Bloggerkollege jacoblök war live dabei und festete mit. Hier!

15 Oktober 2010

Klangbilder

Diese Woche musste ich in die Röhre.

Die vergrämt aussehende, wortkarge Röntgenassistentin richtet mich auf der Liege ein.
Sie unterlegt mein Bein mit einem Kissen. Den Fuss drückt sie an eine Stütze, um ihn in einem 90° Winkel zu halten.
Am Schluss wuchtet die Frau noch drei Sandsäcke auf das Bein: "Damit Sie sich net bewege und es keine verwaggelte Bilder gibt."
Ich bin ihr für diese Erklärung richtig dankbar.
Dann verlässt sie den Raum.
Ich bin allein.

Zuerst höre ich ein Geräusch, ähnlich der Melkmaschine der Bäuerin, mit der ich befreundet bin.
Hinter meinen geschlossenen Augen erscheinen schwarzweiss gefleckte Kühe. Als ich mich dem friedlichen Bild hingeben will, erschreckt mich ein "Tatatatatata" wie aus einem Maschinengewehr fast zu Tode. Zum Glück bremsen mich die drei Sandsäcke am Hochspringen. Mein Puls rast.
"Nur ruhig, Hausfrau Hanna", spreche ich mir innerlich Mut zu, "es geht vorbei. Viele andere Menschen haben das auch schon erlebt und überstanden. Also wirst du es auch überstehen".

Nun schwillt ein langgezogener Ton an, der sich wie eine metallene Orgelpfeife anhört. Darunter wie ein Ostinato das Geräusch eines schnell pochenden Herzes.
Irgendwie hat es etwas Meditatives. Ich freunde mich fast mit diesem Geräusch an und werde ruhiger. Das hilft mir, die folgenden lauten Geräuschsequenzen mit Bildern in Verbindung zu bringen:
Mit einer Nähmaschine etwa, die "Trrrrrrrrrrrrrrrrrr" unendlich lange Stoffbahnen hinunterrattert.
Mit den Kellen des Tinguelybrunnens beim Theater, die stetig Wasser schöpfen und wieder ausleeren.

Trotzdem.
Dreissig Minuten können eine Ewigkeit sein.
Und so atme ich tief durch vor Erleichterung, als mich die Röntgenassistentin befreit mit der nettgemeinten Frage: "Sind Sie etwa eingschlofe?"


PS. Mir fehlten die Worte, und so liess ich die Antwort Antwort sein...


13 Oktober 2010

Wortschatzerweiterung

Um eine Sprache zu lernen, die bloss von einer Minderheit gesprochen wird, muss man angefressen sein.
So wie ich und zehn andere, die seit einem Jahr, einmal in der Woche, eineinhalb Stunden Schwedisch lernen.
Bei mir kommt noch Gull-Britt dazu, die Lehrerin in Stockholm mit dem altmodisch und lieblich klingenden Namen und der zackigen Art.
Sie trimmte uns sechs Wochen lang.
Am Ende der Stunde gab sie uns jeweils so viele Aufgaben, dass alle stöhnten, ausnahmslos alle.
Auch die Ehrgeizigen.
Das vermochte ihr nur ein lakonisches, mitleidloses "Ihr habt ja Wochenende" zu entlocken - und schon rauschte sie zur Türe hinaus mit einem höflichen "tack för idag!" auf den Lippen.
Dank Gull-Britt habe ich zwar grammatikalisch nette Fortschritte gemacht, nicht aber meinen Wortschatz vergrössert mit Ausdrücken, die ich wunderbar finde.
Wie zum Beispiel 'betongbarn'. Erst jetzt nämlich, dank meiner Lehrerin hier und einiger Blogleserinnen lerne ich solche Ausdrücke kennen und anwenden.
Ganz aktuell in meinem Repertoire befindet sich seit gestern das 'skitunge' (chiit ünge), was kein wörtlich übersetztes 'Scheisskind' ist, sondern je nachdem eine Nervensäge oder ein Lauser.
Das trifft hin und wieder auch auf die beiden 'bonusbarnbarn' zu...



PS. Und diese wiederum sprechen akzentfreies und glockenklares (=klockren) Schwedisch... :)

12 Oktober 2010

Wenn Katzen ins Milchfach machen


Heute Morgen, 
als ich die Tageszeitung aus dem Briefkasten nehmen wollte, 
erlebte ich eine freudige Überraschung: 
Die Katzen haben mir ins Milchfach gepinkelt:



PS. Das darf ruhig wieder vorkommen, wenn der Inhalt so köstlich schmeckt... ;)


11 Oktober 2010

Aus Beton


Es gibt Häuser, die sind aus Beton gebaut.
In diesen Wohnungen fehlt der Austausch zwischen Aussen und Innen.
Denn Beton ist steif, fest und starr.
Ich habe einmal in einer solchen Wohnung gewohnt. 
Obwohl sie neu, modern und schick war, fühlte ich mich seltsam unwohl.

Es gibt Menschen, die den Kopf zubetoniert haben. 
Man nennt sie deshalb 'Betonköpfe'.
Auch ihnen fehlt der Austausch mit der Umwelt, 
weil alle Wahrnehmungskanäle nach Aussen 
und Innen hermetisch abgeschlossen sind.

Im Djurgården, dem grossen, öffentlichen Naturpark in Stockholm, 
sah ich diesen Engel.
Auch er aus Beton.
Dazu fällt mir nichts ein...


  Betongängel  Stockholm