Als Mädchen besass ich ein Album mit rotem Kunstledereinband.
Poesiealbum nannte man das damals.
Familie, Verwandtschaft, Freundinnen, Schulkameraden, selbst Lehrer und Lehrerinnen wurden angehalten, sich auf einer leeren Doppelseite zu verewigen.
Die umschwärmteste Künstlerin war die Schulhausabwartin, die im Alltagsleben eine resolute, bärbeissige Respektsperson war. Wir nahmen lange Wartezeiten in Kauf, um zu einem ihrer Bilder zu kommen. Denn sie brachte mit den Buntstiften die pure, zarte Poesie aufs Papier. Ihre liebevoll gezeichneten Szenen aus der Zwergen- und Elfenwelt waren heissbegehrt und wurden bewundert.
Eine andere Poetin, und über diese Nachricht habe ich mich heute sehr gefreut, bekommt eine wichtige Auszeichnung.
Patti Smith, die Rockikone und Künstlerin aus den USA, erhält den schwedischen
Polar-Musikpreis.
Auf Schwedisch liest sich die Begründung so:
"Patti Smith har visat hur mycket rock’n’roll det finns i poesin och hur mycket poesi det finns i rock’n’roll."
(Patti Smith hat gezeigt, wie viel Rock'n Roll in der Poesie steckt und wie viel Poesie im Rock' n Roll).
PS. Und so ernenne ich den heutigen 5.Mai zu meinem ganz persönlichen Poesietag,
meint Hausfrau Hanna