"Schrebergärten sind Orte, an denen die Bünzlis (oder in Schweden die
Medelsvenssons) ihre Grillfeste feiern. Und das unter den neugierigen Blicken der Nachbarn. Die zudem kritisch beobachten, ob die Hecken symmetrisch geschnitten, das Unkraut vertilgt und der Rasen auch rechtzeitig gemäht wird."
So sahen sie aus. Meine Vorurteile!
Seit letztem Sonntag nun ist alles anders.
'Die Grosse' lud nämlich ein zum Abschiedsfest in den Familien-Schrebergarten. Bald schon macht die Sechzehnjährige einen grossen Schritt hinaus aus der Familie und wird ein Jahr lang in einer Gastfamilie in England leben und dort die Schule besuchen.
Der Garten befand sich an wunderschöner Lage hoch über der Stadt.
Wir rochen an Rosen, die tatsächlich nach Rosen dufteten, betrachteten die Apfelbäumchen, die voller Früchte hingen, griffen an Zucchetti, die gross wie Keulen waren. Der Mangold war üppig im Wuchs und der blau blühende Borretsch eine Pracht.
Wir waren ziemlich überwältigt.
Der Grill räuchelte neben dem faluroten Holzhäuschen.
Und als wir dann alle um den Tisch im Freien sassen mit dem grillierten Fleisch und den Zucchettischeiben mit Feta auf dem Teller, breitete sich eine grosse Zufriedenheit aus.
Wir wähnten uns allein, genossen den schönen Sommerabend, und unser lautes Lachen erhob sich in den Himmel. Dann sahen wir, dass im Nachbargarten ein Mann werkelte.
"Das ist Hugo!" sagte 'die Grosse'.
Wir winkten Hugo fröhlich zu, und er winkte zurück.
Und damit war auch mein zweites Vorurteil vom Tisch...