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05 April 2019

Worpsweder Impressionen: Die Landschaft


Immer wieder hörten wir Einheimische fast entschuldigend sagen:
"Schade, dass das Wetter nicht besser ist bei Ihrem Aufenthalt!"




Ich war da völlig anderer Meinung: Mir gefiel dieses Wetter!
Mich faszinierte das ganz besondere Licht.
Die Weite der kargen Landschaft.
Der hohe Himmel mit dem schnell wechselnden Wolkentheater.



Wir waren fast allein unterwegs auf unserem Spaziergang.
Ausser uns noch ein paar Frauen in Begleitung ihrer Hunde.
Und ein Mann, der durch ein Fernglas schaute...


PS.  ... und in dem sich die Landschaft widerspiegelte.




04 April 2019

Worpsweder Impressionen: Die Museumsfrau - oder wenn ein Herzenswunsch sich erfüllt!




Ein paar Tage vor unserer Abreise nach Worpswede suchte ich im Internet die Homepage des Paula Modersohn-Hauses. Zu meiner grossen Enttäuschung war es genau in der Zeit unseres Aufenthaltes geschlossen. Die Hauptsaison mit den täglichen Öffnungszeiten begann erst am 1.April.
Was tun?
Ich schrieb eine Mail. 
Schrieb darin von meinem grossen Wunsch, einmal das Haus und die Bilder einer meiner Lieblingsmalerinnen sehen zu dürfen. Ich rechnete nicht mit einer Antwort.

Doch einen Tag später bekam ich diese Mail:

Hallo
Gerne öffnen wir für Sie am Donnerstag um 16.00 Uhr. Ich hoffe, der Termin ist für Sie in Ordnung.
Bitte um kurze Bestätigung.
Mit freundlichen Grüssen



Wer bekommt schon die Gelegenheit, Bilder und Räume einer Künstlerin allein anschauen zu dürfen?
Frau Kaufmann, die zusammen mit ihrem Mann anfangs der 90er-Jahre das ehemalige Wohnhaus der Modersohns gekauft, saniert und um einen Anbau erweitert hatte, empfing uns pünktlich.
Dann überliess sie uns die Räume.
Zum Schluss trafen wir uns nochmals.
Sie erzählte uns mit Verve von Paula Modersohn:
Von ihrer grossen Hingabe ans Malen.
Von der unglücklichen Ehe mit Otto Modersohn, von dem sie sich scheiden lassen wollte und dann doch blieb.
Von ihren Parisaufenthalten.
Von den Künstlerfreunden, die sie, die Frau, nicht beachteten.
Von der tiefen Freundschaft mit der Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff.
Und von ihrer Tochter Tille, die nach dem Tod der Mutter die ersten vier Lebensjahre bei einer Tante in Basel lebte...




PS. Ganz zum Schluss griff Frau Kaufmann nach einem gerahmten Kunstdruck und erzählte dazu eine Anekdote, in der Rilke eine Rolle spielte.
PPS. Ich durfte ein Bild machen.
PPPS. Mit ihrer Einwilligung selbstverständlich...



03 April 2019

Worpsweder Impressionen: Der Friedhof


Ich gehe gern auf Friedhöfe.
Weil sie Orte der Ruhe und Einkehr sind und
einen Einblick geben in die Traditionen und Kultur einer Gemeinschaft.
Lese ich die Namen und Lebensdaten auf den Grabsteinen entstehen Geschichten.
In Worpswede von Familien, die Kück, Tietjen oder Gerdes heissen.
Oder Modersohn-Becker...

Eine ganze Weile stehe ich an Paulas Grab mit der grossen Frauenskulptur 
und dem sitzenden Kleinkind.
Jemand vor mir hat eine rote Tulpe hingelegt. 
Auch auf der schlichten Bodenplatte mit der Inschrift
Tille Modersohn, 1907 - 1998, liegt eine Tulpe:
 

 Tille (Mathilde) war Paula Modersohns Tochter.
Sie war drei Wochen alt, als ihre Mutter starb.


(...)
Paula Modersohn-Becker, einundreissig Jahre alt, setzt sich in einen Lehnstuhl, lässt sich Tochter Mathilde - Tille - in die Arme legen, freut sich riesig und meint: "Nun ist es fast so schön wie Weihnachten." (...)
Plötzlich will sie einen Fuss hochlegen. Einige schwere Atemzüge. Paula Modersohn-Becker sagt leise: "Wie schade". Und stirbt. Eine Embolie, die einen Herzschlag ausgelöst hat,

Barbara Beuys, 1943, deutsche Historikerin und Journalistin
aus 'Paula Modersohn-Becker oder: Wenn die Kunst das Leben ist' 
Carl Hanser Verlag München 2007





02 April 2019

Worpsweder Impressionen: Der Ort bei Bremen



Eine grosse Ratlosigkeit machte sich breit bei fast allen,
denen ich erzählte, wohin wir reisten.
"Was, wohin geht ihr bitte? "
Ich wiederholte dann den Ort ganz deutlich und langsam. 
Oder buchstabierte ihn sogar: W.O.R.P.S.W.E.D.E.
Nannte ich dann den Namen Paula Modersohn-Becker, leuchtete ein Licht auf:
Zumindest die Künstlerin war einigen ein Begriff.

Uns empfing Paula im Hotel.
Ein grosses Porträt  hing an einer Wand nahe des Eingangs:


PS. Ich fühlte mich richtig schön willkommen geheissen! 





01 April 2019

Worpsweder Impressionen: Die Reise

Ich bin wieder zurück aus Norddeutschland.
Zum ersten Mal bin ich mit der Deutschen Bahn gereist.
Auf der Hinfahrt mussten wir dreimal umsteigen:
In Kassel. In Hannover. Und in Osterholz Bremen.
Das hört sich jetzt völlig einfach an.
Ist es jedoch ganz und gar nicht.
Die DB ist nämlich bekannt für ihre Verspätungen.
Da sassen wir also im Zug von Basel nach Kassel.
Eine weibliche Lautsprecherstimme informierte die Fahrgäste immer wieder,
wieviele Minuten die Bahn Verspätung hatte und ob die Anschlüsse klappen würden.
Ich begann, unruhig zu werden.
Das bemerkte meine Sitznachbarin zur rechten Seite, eine etwa 50-jährige Frau
(die im gleichen Zug weiter reisen konnte bis nach Berlin Ost).
Sie nahm meine Nervosität auf, ging auf mich ein und erklärte mir freundlich,
dass Stress im Kopf beginne und nichts bringe.
Man könne eh nicht ändern, was nicht zu ändern sei.
Das habe sie gelernt.
Ich entgegnete nicht viel. Unser Gespräch klang aus.
Die Nachbarin griff in ihre Tasche, nahm ein Buch heraus und begann zu lesen.
Das Buch trug den Titel (ich denke mir das nicht aus)
"Buddhas Anleitung zum Glücklichsein -
wie wir mit Achtsamkeit unser Leben verändern können."


PS. In Kassel hatte der Anschlusszug nach Hannover auch Verspätung.
PPS. Das war unser Glück!
PPPS. Wir kamen übrigens pünktlich in Worpswede an... :)