Worpsweder Impressionen: Die Museumsfrau - oder wenn ein Herzenswunsch sich erfüllt!

04.04.2019




Ein paar Tage vor unserer Abreise nach Worpswede suchte ich im Internet die Homepage des Paula Modersohn-Hauses. Zu meiner grossen Enttäuschung war es genau in der Zeit unseres Aufenthaltes geschlossen. Die Hauptsaison mit den täglichen Öffnungszeiten begann erst am 1.April.
Was tun?
Ich schrieb eine Mail. 
Schrieb darin von meinem grossen Wunsch, einmal das Haus und die Bilder einer meiner Lieblingsmalerinnen sehen zu dürfen. Ich rechnete nicht mit einer Antwort.

Doch einen Tag später bekam ich diese Mail:


Hallo
Gerne öffnen wir für Sie am Donnerstag um 16.00 Uhr. Ich hoffe, der Termin ist für Sie in Ordnung.
Bitte um kurze Bestätigung.
Mit freundlichen Grüssen




Wer bekommt schon die Gelegenheit, Bilder und Räume einer Künstlerin allein anschauen zu dürfen?
Frau Kaufmann, die zusammen mit ihrem Mann anfangs der 90er-Jahre das ehemalige Wohnhaus der Modersohns gekauft, saniert und um einen Anbau erweitert hatte, empfing uns pünktlich.
Dann überliess sie uns die Räume.
Zum Schluss trafen wir uns nochmals.
Sie erzählte uns mit Verve von Paula Modersohn:
Von ihrer grossen Hingabe ans Malen.
Von der unglücklichen Ehe mit Otto Modersohn, von dem sie sich scheiden lassen wollte und dann doch blieb.
Von ihren Parisaufenthalten.
Von den Künstlerfreunden, die sie, die Frau, nicht beachteten.
Von der tiefen Freundschaft mit der Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff.
Und von ihrer Tochter Tille, die nach dem Tod der Mutter die ersten vier Lebensjahre bei einer Tante in Basel lebte...





PS. Ganz zum Schluss griff Frau Kaufmann nach einem gerahmten Kunstdruck und erzählte dazu eine Anekdote, in der Rilke eine Rolle spielte.
PPS. Ich durfte ein Bild machen.
PPPS. Mit ihrer Einwilligung selbstverständlich...



12 Kommentare:

Sonja hat gesagt…

Was für wunderbare "Zufälle"! Dass das mutterlose Kind eine Weile in Basel lebte...
Gruß von der Regenfrau

Quer hat gesagt…

Das ist ja echt generös, dass man für Sie, liebe Hausfrau Hanna, extra die Museumstüren öffnete. Und die bebilderte Geschichte dazu ist ebenso faszinierend.
Lieben Mittagsgruss,
Frau Quer,
die in fünf Minuten vor dem Fernseher sitzen wird, um den Film "Paula" auf Arte zu sehen...

Quer hat gesagt…

Sorry, der Film beginnt erst 13.55 Uhr. Es bleibt also noch Zeit für einen Mittagskaffee. :-)

sylvia hat gesagt…

das ist richtig großartig! das gibts nicht oft, so einen einsatz. stell dir mal vor, du hättest zwischen all den anderen Paula-Verehrerinnen und -verehrern gesteckt! wie gut, dass es solche menschen gibt, die mit herzblut und echter liebe am werke sind. glückwunsch!
viele liebe gekühlte grüße
vom windbewegten M.S.
Sylvia

PepeB hat gesagt…

Wie wunderbar sich Ihr Herzenswunsch erfüllt hat.
Eine sehr schöne Reisegeschichte, die nicht nur Ihnen in Erinnerung bleiben wird.
Herzliche Grüße Petra

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Das kleine Mädchen Tille,
liebe Sonja,
soll bei der Tante (einer Schwester Paulas) in Basel sehr glücklich gewesen sein. Und sich dann, zurück bei Vater und Stiefmutter, zu einem ^schwierigen', 'störrischen' Kind entwickelt haben...

Lieben Gruss
Hausfrau Hanna

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Und,
liebe Frau Quer,
hat Ihnen der Film gefallen?
Ich selbst sah ihn im Hotelzimmer letzte Woche. Das, was ich sah, hatte wenig gemein mit Paula Modersohn, wie ich sie 'kannte'.
Ich schlief dann auch ein, so müde war ich...

Hellwache Grüsse in den Freitag
Hausfrau Hanna

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Ich stelle mir,
liebe Sylvia,
das lieber nicht vor... diese Drängelei vor den Bildern.
Und wir allein in den Räumen. Das war scho etwas Einmaliges, Nichtwiederholbares, Unvergessliches!

Lieben Gruss an den kühlen Maschsee vom kühlen Rhein
Hausfrau Hanna

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Nachhaltig,
liebe Petra,
ist ein oft verwendetes Wort dieser Tage!
Und diese Reise in die Künstlerkolonie Worpswede ist 'nachhaltig', wirkt noch lange nach...

Lieben Gruss zu dir
Hausfrau Hanna

Quer hat gesagt…

Der Film, liebe Hausfrau Hanna, war interessant und tragisch zugleich. Er widerspiegelte gut die Missachtung der künstlerisch begabten Frauen in jener Zeit. Wie authentisch er war in Bezug auf "Paula", kann ich natürlich nicht sagen.
Für mich lohnte es sich allemal, ihn zu sehen.
Lieben Gruss ins Heute,
Frau Quer

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Danke,
liebe Frau Quer,
für Ihre kurze 'Kritik', ihren Eindruck!

Liebe Grüsse
Hausfrau Hanna

Quer hat gesagt…

Gerne doch!