Ganz still aus der Zeit heraus

18.03.2016


Heute morgen.
Ich lese in einer kleinen Notiz in der Tageszeitung vom Tode einer Nachbarin.
In der warmen Jahreszeit haben wir uns immer zugewinkt von Balkon zu Balkon.
Und einen Gruss hinterher geschickt.
Im Winter war das nicht möglich.
Dass es die letzten Wochen dunkel blieb in ihrer Wohnung, war das Einzige, was mir auffiel.




Ich gehe langsam aus der Welt heraus
in eine Landschaft jenseits aller Ferne,
und was ich war und bin und was ich bleibe,
geht mit mir ohne Ungeduld und Eile
in ein bisher noch nicht betretenes Land.

Ich gehe langsam aus der Zeit heraus
in eine Zukunft jenseits aller Sterne,
und was ich war und bin und immer bleiben werde,
geht mit mir ohne Ungeduld und Eile,
als wär ich nie gewesen oder kaum.


Hans Sahl, 1902- 1993




6 Kommentare:

Quer hat gesagt…

Wie berührend!
So ein Abschied tut weh, auch wenn er still und fast unbemerkt erfolgte.

Herzliche Grüsse zu Ihnen, liebe Hausfrau Hanna,
Frau Quer

Anhora hat gesagt…

In solchen Fällen überrascht es immer wieder, dass es ihn offenbar wirklich gibt: Den Tod. In echt. Und nicht nur im Fernsehen.

Wildgans hat gesagt…

Die warmen Zeiten kommen demnächst und sie winkt nicht mehr. Vielleicht ab und an so ein kleiner Windhauch - damit machen sich manche Seelen bemerkbar. Oder ein Vögelchen auf der Balkonbrüstung...
Gruß von Sonja

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Sie hatte eine ruhige, zurückhaltende, besonnene Art,
liebe Frau Quer,
und davon war auch unsere Nachbarschaft geprägt.
Ich werde sie vermissen.

Danke für Ihre Worte!
Hausfrau Hanna



Hausfrau Hanna hat gesagt…


Ja, es gibt ihn, den Tod,
liebe Anhora,
was mir bewusst ist...
Und doch immer wieder schwer fassbar und begreifbar ist.

Herzlich Hausfrau Hanna

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Schön Ihre Worte, die soviel anklingen lassen in und bei mir,
liebe Frau S.,
gestern gegen Abend (als ich durchs Fenster hinüberschaute zu ihrer Wohnung) flog tatsächlich ein Meislein auf unsere Balkonbrüstung!

Herzlich Hausfrau Hanna