03.06.2020

Kluge Sätze (1)


Ich habe ins Blaue geschossen
und ins Schwarze getroffen.

Friedrich Dürrenmatt, 1921 - 1990, Schweizer Schriftsteller, Dramatiker, Maler
(gelesen im Diogenes-Abreisskalender 2020)



PS.
Kluge Sätze sind keine Schnellschüsse. 
Sie sind langsam gewachsen...

Hausfrau Hanna


31.05.2020

Ein veränderter Innenraum...

Vorgestern Freitag im Münster.
Der riesige Innenraum sah verändert aus: 
Immer zwei Stuhlreihen waren eng zusammengerückt 
und mit rotweissen Plastikbändern
(wie sie auf Baustellen zu sehen sind)
zusammengebunden worden.
Etwas verwirrt, um nicht zu sagen bedeppert,
 setzte ich mich eine Weile auf einen der Stühle,
der mit einem weissen 'Mäscheli' gekennzeichnet war.
Ich musste mich fassen.

Gestern Samstag war ich nochmals im Münster.
Der Innenraum hatte sich über Nacht wieder verändert:
Alle rotweissen Absperrbänder waren entfernt worden.
Nur die zartfarbenen Bändel an den Stühlen waren geblieben.

Als ich draussen durch den Kreuzgang ging, hörte ich Musik:
Ein Paar sang und spielte "Halleluja!" von Leonard Cohen.
Vor Freude und Erleichterung hätte ich beinahe mitgesungen...


PS. Allen hier Lesenden wünsche ich schöne, zartfarbene Pfingsten!

30.05.2020

Im und ums Münster



"Ich hofe das Corona bald vorbei ist."

 Bitte eines Kindes, 
die ich gestern im offen daliegenden 
Wunsch- und Bittbuch im Münster gelesen habe.
Unter der Bitte befand sich noch eine Zeichnung.
Mit einer lachenden Sonne...


Wieder zusammen unterwegs - ein Grossvater und sein Enkel auf der Pfalz!





28.05.2020

Hinter der Scheibe (6)


Was ist Leben?
Ein Schatten, der vorüber streicht!

William Shakespeare 
aus 'Macbeth'

Bild aufgenommen 2017 im Moderna Museet Stockholm


Gestern kurz vor 14.00 Uhr.
Ich gehe zu Fuss in die Stadt.
Mein Weg führt bei einem Alters- und Pflegeheim vorbei.
Bis vor Kurzem hing noch eine Besuchsverbot-Mitteilung am Eingang.
Nun sehe ich, dass hinter der riesigen Fensterfront aus Glas,
mit genügend Abstand zueinander, 
zwei betagte Frauen in bequemen Sesseln sitzen.
Sie blicken hinaus auf die Strasse und scheinen zu warten.
Besuch von Angehörigen ist wieder erlaubt.
Begegnung mit einer Glasscheibe dazwischen ist möglich.
Während ich meinen Weg fortsetze, 
schlucke ich einige Male ganz schön schwer.
.....


27.05.2020

Ins Leben einbezogen


Schön
mit verschiedenen
Stimmen
lachen zu können
auch mit jener
der Traurigkeit

Werner Lutz, 1930 - 2016
Schweizer Lyriker



PS. 
Das Gedicht von Werner Lutz, der in Basel gelebt hat, 
habe ich kürzlich erst gelesen.
Und das gleich mehrere Male hintereinander.
Leise und laut.
Die Worte passen zum gestrigen Blogbeitrag und zu den Kommentaren.



26.05.2020

Silentium oder bitte Ruhe!



Es war vor vielen Jahren.
Ich hatte mit meiner damaligen Klasse
(lebhaften sieben- und achtjährigen Mädchen und Buben)
abgemacht am Nachmittag bei der Dorfkirche.
Das schien mir der geeignete Treffpunkt zu sein
für die Monatswanderung durch den Wald zum Talweiher.
Als ich bei der Kirche ankam, traf mich beinahe der Schlag.
Die Kinder warteten nicht etwa brav, 
wie ich selbstverständlich angenommen hatte, 
auf dem Platz vor der Kirche -
sondern rannten auf dem Friedhof umher.
Sie machten Fangis um die Grabsteine herum.
Quietschten und schrien vor Lebensfreude.
Ich pfiff die Kinder zu mir.
Und erklärte ihnen, dass sie das nicht hätten tun sollen.
Ein Friedhof sei kein Spielplatz, sondern ein Ort der Ruhe.
Da sagte eines der Mädchen etwas, 
an das ich mich bis heute glasklar erinnere:
"Aber diä do (meint damit die Toten) chönne öis doch nümm ghöre."



PS. Die Geschichte kam mir unlängst wieder in den Sinn, als ich im Friedhof oben auf dem Hügel auf einer Bank sass und sinnierte...




23.05.2020

Gutes Raumgefühl...


Bei einem Spaziergang dem Rhein entlang in der Zeit des Shutdowns.
Ich schaue einer Entenmutter zu, 
die mit ihrem Nachwuchs einen Ausflug macht.
Die Kleinen bewegen sich so quirlig und lebhaft, 
dass ich dreimal ansetzen muss, um sie zu zählen:
Es sind sechs!

Der Ausflug in die Weite des Rheins hat sie wohl ermüdet.
Die Mutter bemerkt es und wechselt die Rolle: 
Sie übernimmt nun
 (nachdem sie zuvor die putzmuntere Schar nur begleitet hat)
ganz klar die Führung.
Ein Sprung!
Und schon steht sie auf der künstlich angelegten Steininsel.
Zuerst scheint sie die drei Erpel zu ignorieren.
Und ist ganz auf ihre Jungen bezogen.

Dann plötzlich geschieht etwas, was mich verblüfft.
Die Entenmutter dreht sich um und scheucht couragiert die drei 'Männer' weg.
Diese gehorchen und schwimmen davon...

Die Jungen sind noch zu klein und zu unbeholfen,
um es bis zur Mutter zu schaffen.
Sie bleiben unten auf dem schmalen Mäuerchen.
Werden ganz ruhig und schmiegen sich aneinander -
während die Mutter über ihnen die Umsicht hat
und so um sie herum wie einen Schutzraum bildet...


PS. Leider habe ich nicht herausgefunden, zu welcher Entenart die Familie gehört.

21.05.2020

Zwei Bitten


Heute ist Auffahrt.
Auf Baseldeutsch 'Uffahrt'.
Im christlichen Glauben wird daran erinnert,
dass Jesus zurückgekehrt ist zu seinem Vater im Himmel. 
Als Kind hat mich das Bild des mit weit ausgestreckten Armen
in den Himmel auffahrenden Jesus sehr beeindruckt.
Noch ist es nicht erlaubt, Gottesdienste zusammen zu feiern. 
Habe ich gestern im TV gehört.
Da das Wetter jedoch schön und warm ist,
bietet sich eine Wanderung an,
ein Spaziergang oder
 eine Ausfahrt ...

 Plakat am Rande eines Weizenfeldes mit einer Bitte



PS. Ich kann es mir nicht verkneifen und gebe ganz ungefragt allen, die heute im Auto unterwegs sind einen Rat: "Bitte ohne Auffahrt! Haltet Abstand!"