Sonnenblumengeschichte

19.09.2011


Im Frühling am Bauernmarkt auf dem Land.
Inmitten der Marktstände hat sich ein etwa 10-jähriger Bub auf einem Mäuerchen niedergelassen und um sich etliche Tontöpfe aufgestellt, in denen kleine Pflanzen wachsen.
Ich bleibe stehen.
"Kaufen Sie mir auch eine Sonnenblume ab?" fragt mich der aufgeweckte Bub, "es ist nämlich mein Hobby, diese selbst zu ziehen. Letztes Jahr wurde eine über vier Meter hoch."
"Schade", sage ich, "aber mein Stadtbalkon ist zu wenig hoch für eine solch hohe Blume."
Der Bub sieht kein Problem in den beengten Verhältnissen: "Lassen Sie die Pflanze einfach in diesem Topf, dann wird sie nicht so gross."
Das überzeugt mich.
Nun nimmt er einen Meter hervor und misst die von mir ausgewählte Pflanze aus: "Dreissig Zentimeter! Das kostet 3 Franken. Der rote Bändel kommt noch extra dazu, und ausserdem gab das Anbinden Arbeit und war kompliziert. Macht 4 Franken!"
Der Bub weiss, was er will. Mir imponiert sein Verkaufstalent. Aber etwas teuer finde ich die 4 Franken für das Pflänzchen mit rotem Bändeli schon. Und so finden wir einen Kompromiss bei 3 Franken 50 und sind beide zufrieden...

Die Sonnenblume wächst so schnell wie eine Weide und muss umgetopft werden - 
das rote Band wird weiter oben wieder festgeknüpft...


Die Sonnenblume wächst. Und wächst. Und wächst stetig weiter... 


Und wäre wohl noch weiter gewachsen, wenn nicht das Glasdach Einhalt geboten hätte 
und sie sich hätte ergeben müssen...



PS. Unterdessen ist die Sonnenblume des Buben verblüht. Ich habe sie - so wie sie ist - sein lassen. 

PPS. Die Kerne reifen heran. Und ein Meisenpaar hat seinen Futterplatz entdeckt:)