Heidi Abel - eine Medienpersönlichkeit

23.12.2011

Denke ich an Heidi Abel, werde ich heute noch sentimental. Ich erlebte sie als Sechzehnjährige live als Moderatorin einer Art Castingshow im Kursaal in Bern. Junge Menschen aus allen Teilen der Schweiz traten auf. Auch wir, das Teenie-Klassiktrio, mit einem Repertoire aus Telemann, Händel und Bach. Wir wurden in unserer Region ausgewählt von einem Musikmanager, zu dem unsere Musiklehrerin eine persönliche Beziehung pflegte.
So lief das. Auch damals schon. Persönliches Netzwerk ebnete den Weg.  Nun gut, wahrscheinlich spielten wir auch nicht allzu schlecht...
Bevor der Anlass begann, war 'die Abel' - wie sie genannt wurde - für niemanden ansprechbar. Sie tigerte seitlich der Bühne hin und her, in der Hand hatte sie unzählige Spickzettelchen, die sie immer wieder umsortierte und von denen sie halblaut den Moderationstext ablas und sich so einprägte.
Vorne im Rampenlicht war sie sehr offen, zugewandt, charmant und souverän. Als die Reihe an uns war aufzutreten, stellte sie ein paar persönliche Fragen. Wir antworteten brav, ohne die Sätze geprobt zu haben, in das vor uns aufgestellte Mikrophon. Und dann spielten wir. Einen Telemann, den wir wochenlang intensiv geübt und geprobt hatten.
Zum Schluss bekamen wir ein Kuvert mit einem Geldbetrag in die Hand gedrückt. Später verjubelten wir ihn in einem richtig guten Restaurant. Weltmännisch. Wichtig. Grossspurig.

Als Heidi Abel zusammen mit ihrem kleinen Team später in den Achtzigerjahren die Radiotalkshow 'Persönlich' am Sonntagmorgen moderierte, sassen mein Mann und ich regelmässig am Frühstückstisch in der Küche und hörten zu. So gut, so unterhaltsam, so lebhaftbewegt war die Sendung.
Plötzlich fehlte sie in der Sendung. Als Grund wurde eine Krankheit angegeben, die nicht näher bezeichnet wurde. Ihr Team führte die Sendung ohne sie weiter. Es war nicht mehr dasselbe.
Wie ein Hammerschlag fühlte es sich an, als ihr Tod in den Medien bekanntgegeben wurde.
Das war am 23.Dezember 1986 - heute vor 25 Jahren.