12.12.2011

Zu wenig Kontrolle!


Heute Morgen las ich diese Geschichte in der Tageszeitung. Frontseite. Mit grossaufgemachter Fortsetzung dann auf Seite 23:
Eine hier in der Stadt wohnende Schweizer Sozialhilfeempfängerin erhielt die Miete für ihre möblierte Einzimmerwohnung jeden Monat direkt von der Sozialhilfe. Anstatt die Miete damit zu bezahlen, gab sie das Geld für Anderes aus. Als ihr der Hausbesitzer gekündigt hatte, bezog sie die 900 Franken mehr als ein Jahr lang weiter, obwohl sie längst nicht mehr in der Wohnung lebte.
Sie kommunizierte das dem Amt nicht, behielt das Geld für sich und betrog somit die Steuerzahlenden der Stadt um etwa 20'000 Franken.
So etwas ist unehrlich und unrechtmässig.
Damit meine Meinung klar ist.
Trotzdem.
Ich sehe die Betrugsgeschichte auch von einer andern Seite an, und diese andere Seite macht mich nachdenklich:
Die Frau, sie ist in meinem Alter, gönnte sich wahrscheinlich mit den monatlichen 900 Franken Dinge, die für mich selbstverständlich sind und die ich bezahlen kann, ohne mit der Wimper zu zucken.
Und etwas macht mich noch viel, viel nachdenklicher. Was haben wir als Kollektiv mit unsern Steuern nicht alles schon bezahlt. Ohne zu heulen. Ohne zu schreien:
M i l l i a r d e n beträge für Banken, die aus Gier Milliarden gegen die Wand gefahren haben.
Millionen für unnötige, überblähte Projekte.
Und, und, und...



PS. Ehrlich jetzt! Dagegen sind die 20'000 Franken ein Klacks. Vergleichbar mit dem
20- Rappenstück, das ich einst dem Vater aus dem gut gefüllten Portemonnaie geklaut habe.
Das war auch nicht in Ordnung.
Aber harmlos...

Kommentare:

  1. Auch wenn ich deine andere Sicht respektiere, so stellt sich mir doch die Frage: Wo lebte diese Frau fortan? Sind die Kontrollmechanismen derart lasch, dass ein Wohnungswechsel/-aufgabe einer Sozialhilfeempfängerin nicht automatisch gemeldet wird? Ok, wenn schon diese einfachen Kontrollmechanismen im Kleinen nicht funktionieren, verwundert es mich nicht, wenn uns die Bankenaufsichtsbehörden mehr so an das Bild der drei Affen (höre nichts, sehe nichts, sage nichts) erinnern ...

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  2. Auch d u hast recht,
    lieber Bobsmile!
    Aber die Frage nach den largen Kontrollmechanismen wollte ich mir hier nicht stellen.
    Lieben Gruss
    von Hausfrau Hanna

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  3. Find' ich gut, dass du den Gedanken weitergespunnen hast und nicht einfach bei der Empörung stehen geblieben bist. Eine Lösung auf dieses Problem wäre das bedingungslose Grundeinkommen; dann hätten wir auch keine Fälle von Empörung über "bschissendi" Sozialhilfebezüger mehr :)

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  4. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens finde ich gut,
    lieber Monsieur Croche,
    und das seit Langem schon :-))
    Herzlich Hausfrau Hanna

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