30.11.2018

Novemberqualm




Fast könnte man meinen,
sie halte eine stark qualmende Zigarette in ihrer Hand.
Ziehe beim Schauen und Sinnieren den Rauch tief ein in die Lungenflügel,
um ihn dann, nach einer Weile, entspannt wieder loszulassen in die Basler Luft.
Übrigens rauchte man damals nicht draussen,
man rauchte ganz selbstverständlich drinnen.
Sass zusammen in der Küche oder der Stube und ass und trank.
Wurde der Qualm zu dicht, öffnete jemand ein Fenster und lüftete kurz.
Das Rauchen gab ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und
förderte das engagierte Diskutieren über 'Gott und die Welt' enorm.
"Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehn",
sang anfangs der Siebzigerjahre der deutsche Liedermacher Reinhard Mey.
Wir mochten sein Lied!


PS. Leicht vernebelte Grüsse in den letzten Tag des Novembers.
PPS. Bis morgen!

26.11.2018

Novemberfunkeln



Das hatte fast schon etwas Gruseliges letzte Woche:
War es doch nicht bloss d e r eine schwarze Schnäppchentag  -
es war fast eine ganze Black Week!
An drei Tagen konnten Kauffreudige die Geschäfte stürmen, 
an deren Schaufenster schwarze Plakate mit den angebotenen Rabatten klebten.
Nur in der Auslage einer Edelboutique funkelte es rabattlos:


PS. Bequeme Gucci-Stadtschuhe für die gutbetuchte Ü60-Kundin.
PPS. Der Preis steht unten links...


25.11.2018

Novembersuppe


Früher kam täglich
(ich erinnere mich gut)
vor dem eigentlichen Mittagessen ein Teller Suppe auf den Tisch:
 Gemüsesuppe, Brotsuppe, Flädlisuppe, Mehlsuppe, Gelberbssuppe.
Oder Buchstabensuppe!
Diese war für uns Kinder ein doppeltes Vergnügen:
Sie schmeckte uns, und sie verleitete uns zu einem Spiel:
Wir klaubten die in der Gemüsebrühe weichgekochten Dinger heraus
und reihten sie am Tellerrand zu einem Buchstabensalat auf:
Die Mutter liess uns gewähren...





PS. So geschickt (und pampig) wie diese Familie waren wir jedoch nicht.

PPS. Isst man heute eigentlich noch Buchstabensuppe???

24.11.2018

Novemberortograffi...


Der Schreiner arbeitet mit Hobel und Holz.
Die Zahnärztin mit Bohrer und Abdrucklöffel.
Der Bäcker mit Milch, Salz, Hefe und Mehl.
Die Sängerin mit Musiknoten und ihrer Stimme.
Und der Journalist (oder die Journalistin)
... mit dem Wort!



PS. Das ist heute kein ausgefeilter Beitrag, ich weiss...
PPS. Aber diese Überschrift gestern in meiner Tageszeitung hat mich erschüttert...






23.11.2018

Novemberpatina



Erst traute ich meinen Augen nicht!
Stand da plötzlich in der Augustinergasse
( ganz nah beim Naturhistorischen Museum und dem Museum der Kulturen)
eine noch nie gesehene Bronzeskulptur mit graugrünlicher Patina:


Die Skulptur war ein Mensch!
Der Mann mit Schirmmütze stand in völliger Reglosigkeit da.
In seinem bärtigen Gesicht war nicht das geringste Zucken zu sehen,
seine nackten Füsse schienen verankert zu sein mit dem Boot,
in seinen ruhigen Hände hielt er einen grossen Schwertfisch:



Nach einer Weile kam Bewegung in den Mann. 
Vor den Augen der gebannt zuschauenden Menschen stieg er aus seinem Boot, 
legte den Fisch sachte ab und begann sich zu strecken und zu räkeln.  
Eine Mutter sagte zu ihren beiden Kindern:
"Jetzt ist er wohl müde geworden!"



Er war nicht nur müde und verspannt, er hatte auch Durst!
Und trank in langen, tiefen Zügen aus der mitgebrachten Wasserflasche:



PS. Für alle, die Blogbeiträge (u.ä.) schreiben, hier noch ein sehr bedenkenswertes Zitat, das vom Autor der oben dargestellten Figur stammt:

"Autoren sollten stehend an einem Pult schreiben. Dann würden ihnen ganz von selbst kurze Sätze einfallen."

Ernest Hemingway, 1899 - 1961






22.11.2018

Novembershoppen


Gestern.
Im grossen Migros-Supermarkt flanieren zwei Frauen,
sich angeregt unterhaltend,
durch die üppig ausgestattete Dekoabteilung mit den Weihnachtsartikeln.
"Was, du bisch geschter scho im Globus gsi?" höre ich die eine leicht fassungslos rufen.
Die andere ist nicht aufs Maul gefallen:
"Jä, i ha dängg müesse Zyt tot schloh..."


PS. Solche Artikel liegen seit anfangs Oktober für Flanierende bereit.
PPS. Der Globus am Marktplatz ist ein Warenhaus der gehobenen Klasse.


18.11.2018

Novemberrudern


Gestern Samstag.
Ein Bilderbuchnovembernachmittag.
Der Hochnebel löste sich auf und überliess der Sonne den Raum.
Am Rhein und auf dem Rhein fand pralles Leben statt.
Der Grund war die internationale Ruderregatta 'Baselhead'.
Ich schaute fasziniert von der Mittleren Brücke aus zu.




Die Stimmen eines gutgelaunten Speakerduos tönten durch den Lautsprecher:
"Jetzt ist der Deutschland-Achter unterwegs, er ist übrigens der weltbeste Achter!"
" Nun kommt ein Achter aus Hannover, der auf der Leine und der ...  trainiert!"
Den Namen des zweiten Flusses verstand ich leider nicht...




Ein Mann mit umgehängtem Rucksack sass die ganze Zeit ruhig da, 
schaute den Booten nach und schien auf etwas zu warten.




Erst als ein Basler-Achter vorbeiruderte, kam Bewegung in ihn, 
und er begleitete das Boot mit seiner Kamera. 
Ruderschlag für Ruderschlag...


PS. An der Ruderregatta nahmen übrigens nicht nur Männer, 
es nahmen auch Frauen teil!




17.11.2018

Novemberrätsel


Ein hellgelbes Blatt Papier,
das an der Betonmauer bei einer Kirche klebt.
Zum Schutz vor Niesel und Nässe steckt es in einem Plastikmäppchen.
Ich trete neugierig näher und lese: 
"Wie heisst das erste Baby der Menschheitsgeschichte?"



PS. Bibelkenntnis ist gefragt... !  ;)

16.11.2018

Novemberakkorde


Der aufklappbare Stuhl war leer -
der Strassenmusiker wohl in der Mittagspause.
Das Instrument, ein Akkordeon, stand verwaist am Boden.
Den kleinen Jungen schien das alles nicht zu interessieren.
Er hatte nur Augen für den leise vor sich hin plätschernden Brunnen...




Damit der heutige Blogtitel 'Novemberakkorde' stimmt,
kommt hier Grönemeyers neues Lied 'Sekundenglück':



PS  Ich mag Herbert Grönemeyer (oder 'Gröli', wie wir ihn damals abgekürzt nannten).
PPS. Und das seit Beginn der 80er-Jahre, als er mit 'Männer' einfuhr.
PPPS. Allen einen Tag mit unzähligen Momenten 'Sekundenglück'
wünscht Hausfrau Hanna



12.11.2018

Novemberkatze


Gestern.
Der zweitletzte Mässtag auf dem Petersplatz.
Und mein letzter Besuch in diesem Jahr.
Anders als an andern Tagen war 
das Durchkommen bei den Ständen völlig problemlos.
Es hatte keine Menschenmassen mehr.
Das Ende war in Sicht!
Etwas Wehmut schwang da wohl bei den meisten mit.
Bei einer Standbesitzerin auch Freude und Übermut:



Sie trieb mit ihrer Katze Schabernack -
und diese liess sich voll und ganz auf das Spiel ein:



"Aua!" 


PS. Katzen haben nicht nur Samtpfoten, sie haben auch Krallen... ;)




Novemberhut


Im Hutpavillon 
an der Herbstmäss.
Bevor es Winter wird und kalt,
muss noch eine Kopfbedeckung her!
Die Auswahl ist gross, die Entscheidung fällt schwer,
der Blick verweilt lange auf einem leuchtend roten Hut...



... sie entschied sich dann doch für einen dezenten ;)






11.11.2018

November(fr)essen


"Seit ich ...



die Weisheit mit Löffeln fresse ...


... habe ich nie mehr Magenbrennen!"


PS. Die Bilder vom Steinengel und den Schafen habe ich auf einem Spaziergang am 3.November beim Goetheanum in Dornach gemacht.

PPS. Das Zitat, das ich den weidenden Schafen ins Maul geschoben habe, ist von der Schweizer Künstlerin und Schriftstellerin Maja Bosshard (1952-1992).

PPPS. Gefunden und gelesen habe ich es vor einiger Zeit im Blog 'Quersatzein' (s. auch Blogroll).






10.11.2018

Novemberschnäppchen


Ich warte aufs Tram.
Noch bleibt mir etwas Zeit.
Ich schaue mir deshalb das Werbeplakat
auf der gegenüberliegenden Seite an -
lese aufmerksam, Wort für Wort, den Text durch:
Für sage und schreibe 24 (vierundzwanzig) Franken
können Kurzentschlossene und Novembermüde
mit der BilligAirline Eurowings in die Wärme Mallorcas fliegen.
Schnell greife ich zum Fotoapparätchen:
Diesen Werbespot will und muss ich festhalten!
Als ob wir es vorher abgesprochen hätten,
läuft genau in dem Moment,
in dem ich auf den Auslöser drücke,
eine Frau durchs Bild...



PS.  Und passt auch noch farblich zum MALLE MANN AN BORD...






09.11.2018

08.11.2018

Novemberruf


Der November hat einen schlechten Ruf:
Dunkel sei er, trüb, nebliggrau, nass und kalt.
An einem Gartenfest im vergangenen Sommer 
kam ich ins Gespräch mit einer mir unbekannten Frau.
Ein Wort gab das andere, 
und plötzlich waren wir mitten im Thema 'Wetter und Reisen'.
Die Frau erzählte mir, der November sei für sie derart schlimm, 
dass sie ihm seit ihrer Pensionierung jedes Jahr entrinne 
und an einen Ort verreise, an dem es warm, sonnig und schön sei.
Ich schaute sie leicht erstaunt an und meinte,
dass das mit dem tristen Novemberwetter so nicht mein Eindruck sei. 
Natürlich werde es am Abend früher dunkel. 
Aber es gäbe auch genug Sonnenstunden mit Helligkeit und Wärme.
Die Frau schaute mich einen Moment lang stumm an.
Und es schien, als ob sie meine Worte erst setzen lassen wollte. 
Dann sagte sie zu meinem Erstaunen: 
"Stimmt wohl! Ich war ja in den vergangenen Jahre gar nicht hier im November.
Und weiss es deshalb nicht!"

NovemberLANDschaft 






03.11.2018

Vergänglichkeit (4)


Tusen tankar.
Tausend Gedanken.
Sie drehen sich um Tod, Vergänglichkeit, Verlust und Trauer.
Ein schönes nordisches Lied, ein Lied voller Wehmut.
Aber auch ein Lied vom Glücklichsein und
von der Schönheit, die es ebenfalls gibt.
Wie die Blumen, die lieblich
am Boden blühen...





PS. Und so sieht der schwedische Text aus:

Jag går i tusen tankar
Jag älskar den jag ej kan få
Så vitt i världen vankar
Och städse sörja må
Så mången sorg på hjärtat bär
För dig min vän så kär
Så många falska människor
Orsaken därtill är
Så mången sorg på hjärtat bär
För dig min vän så kär
Så många falska människor
Orsaken därtill är.

Om jag dig aldrig skådat
Ditt ansikte ditt öga blått
Så har jag aldrig kommit
På ställen där du gått
Då hade jag varit lyckelig
Och fri från sorg och kval
Den dagen kommer aldrig
Som gör mitt hjärta glad
Då hade jag varit lyckelig
Och fri från sorg och kval
Den dagen kommer aldrig
Som gör mitt hjärta glad.

Se blomstrerna de sköna
Hur ljuvligt de på marken står
Jag sörjer mig till döden
För den jag ej kan få
Och om jag då i döden går
Då bliver sorgen din
Rätt aldrig uti världen
Går du ut ur mitt sinn
Och om jag då i döden går
Då bliver sorgen din
Rätt aldrig uti världen
Går du ut ur mitt sinn.

02.11.2018

Vergänglichkeit (3)


Als er dem Tod
aus dem Wege ging,
kam der zu ihm.


Eugen Bollin, 1937, Benediktinerpater im Kloster Engelberg
aus ‚Reifung‘ - Texte und Zeichnungen



Eingangstüre zur Friedhofskapelle im Skogskyrkogården (Waldfriedhof) in Stockholm


Vor zwei Jahren
machten wir ein ein paar Tage Urlaub in Engelberg,
einem  Dorf in der Innerschweiz,
das vom Winter- und Sommertourismus lebt und von seinem Hausberg, dem Titlis.
Zum Dorf gehören auch ein Kloster und ein Museum.
In diesem waren damals Bilder ausgestellt von Eugen Bollin,
einem Benediktinerpater.
Ich wollte den Künstler nicht nur über seine Bilder,
sondern auch über 'sein Wort'  kennenlernen 
und kaufte mir eines seiner dünnen Bändchen:
'Reifung'!
Eugen Bollins knappe Zeilen zum Tod,
(der auf jeden und jede einmal zukommt)
treffen in ihrer Direktheit mitten ins Zentrum.
Heute ist 'Allerseelen' -
der Tag des Gedenkens an die Toten.
Und des Memento mori...



01.11.2018

Vergänglichkeit (2)


Allerheiligen.
Ein Feiertag sowohl für den Nachbarkanton Solothurn,
als auch für die süddeutschen Nachbarn.
Und da alle frei haben, sind alle zu Gast in Basel
und besuchen die Herbstmäss.
Die Stand- und Bahnbetreiber machen ein grosses Geschäft.
Noch grösser ist nur das Gedränge...


Kopf an der Geisterbahn auf der Basler Herbstmäss


PS. Und hier noch dieser Gedanke:

"Vi som lever är bara döda på semester. Några slags sommargäster."
"Wir, die leben, sind bloss Tote im Urlaub. Eine Art Sommergäste." 
(übersetzt von Hausfrau Hanna)


Bodil Malmsten, 1944 - 2016
schwedische Schriftstellerin, svensk författare