08.03.2019

Zum heutigen Weltfrauentag


Eine Klöpplerin.
Wie aus einem vergangenen Jahrhundert.
Sie sass da, lächelte still.
Und liess die Holzklöppel fliegen.
Unter ihren Händen entstand ein kleines Kunstwerk.


Klöpplerin (knypplare) im Freilichtmuseum Skansen in Stockholm


PS. Heute wird wohl nicht mehr geklöppelt. Schon gar nicht als Brotberuf. Ersetzt man jedoch das alte Handwerk durch das Nähen von Billigkleidern in weit entfernten Ländern, ist dieses Gedicht aus dem 19.Jahrhundert plötzlich sehr aktuell:


Die Klöpplerinnen


Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen,
Die Wangen bleich und die Augen rot.
Sie mühen sich ab für einen Bissen,
Für einen Bissen schwarzes Brot!
Grossmutter hat sich die Augen erblindet,
Sie wartet, bis sie der Tod befreit -
Im stillen Gebet sie die Hände windet:
Gott schütz‘ uns in der schweren Zeit.
(...)
Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen,
Seht Ihr die Spitzen, die sie gewebt:
Ihr Reichen, Grossen – hat das Gewissen
Euch nie in der innersten Seele gebebt?

(...)


Louise Otto-Peters, 1819 - 1895, war eine sozialkritische Schriftstellerin und wurde zur Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung. Sie lernte 1840 im Erzgebirge Heimarbeiterinnen kennen. 



Kommentare:

  1. Danke für den schönen, sozialkritischen Beitrag, liebe Hausfrau Hanna.
    Ja, heute sind diese Billig-Arbeiten noch lange nicht ausgestorben.
    Und die soziale Gerechtigkeit gibt es auch noch längst nicht.
    Wie können wir dankbar sein, ein einigermassen gut gestelltes Leben zu haben!

    Lieben, nachdenklich gestimmten Gruss in den Frauentag,
    Frau Q.

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  2. Wirklich wie ein Bild aus vergangenen Zeiten.
    Nur dass die Arbeitsbedingungen (nicht nur für Frauen und Kinder) in vielen Ländern der Welt zu wünschen übrig lassen. Und doch tragen selbst geringe Löhne wiederum zur langsamen Verbesserung bei und eröffnen den Zugang zu mehr Bildung: Wie bei uns zu Beginn der Industrialisierung …
    Ebenfalls nachdenkliche Grüße und zum Weltfrauentag eh
    Petra

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  3. Da schau ich diese schöne Handwerkerin an und kommen auf Gedanken.
    Vielleicht, dass alles den Bach runtergeht.
    Solche Gedanken mag ich nicht, deshalb betrachte ich mir wieder das schöne Bild!
    Gruß von Sonja

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  4. Liebe Hausfrau Hanna,
    das sind bewegende Zeilen, und die Aktualität zu Fabrikarbeiterinnen heute ist erschreckend.
    Was können wir tun? Auch teure Kleidung kommt z.T. aus solchen Fabriken, habe ich mal gelesen. Und wenn weniger Kleidung gekauft wird, verlieren diese Menschen ihre Arbeit.
    Ich habe darauf einfach keine Antwort.
    Es bleibt nur festzustellen, dass das Leben unfair ist, und immer schon war.

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  5. danke für diesen schönen post zum Frauentag!
    meine "vorschreiberinnen" haben schon so viel kluges
    dazu geschrieben. deshalb hier und heute nur: danke!
    lieber gruß
    Sylvia

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  6. Manchmal braucht es seine Zeit,
    liebe Frau Q.,
    so wie beim Bild der schwedischen Klöpplerin, das lange bei den Entwürfen gewartet hat.
    Gestern plötzlich hat 'es' gepasst:
    Dank des ''Frauentags' und des im Internet gefundenen Gedichts von Louise Otto-Peters.

    Lieben Gruss ins Wochenende
    Hausfrau Hanna





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  7. Ausbeutung,
    liebe Petra,
    von Arbeitenden und Gewinnmaximierung von ein paar Wenigen ist Realität.
    Faire Arbeitsbedingungen und faire Löhne für Frauen (und Männer) sollen und müssen sein. Überall auf der Welt!
    Wir sind hier einfach Jahrzehnte und einige Schritte voraus...

    Lieben Gruss ins Wochenende
    Hausfrau Hanna







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  8. Das Bild,
    liebe Sonja,
    finde ich auch sehr schön!
    Ich habe es 2010 (mit Einwilligung der klöppelnden Frau) gemacht. Das ist eine ganze Weile her...


    Lieben Gruss ins Wochenende
    Hausfrau Hanna

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  9. Es sind tatsächlich komplexe Themen,
    liebe Anhora,
    auf die ich persönlich nur eine Antwort weiss:
    Ich entscheide mich, was und wo ich kaufe. Und wenn ich weiss, dass das Kleidungsstück unter fairen Bedingungen (Arbeitsplatz, Lohn) hergestellt worden ist, kann ich dahinter und dazu stehen.

    Liebes Grüssle zu dir
    Hausfrau Hanna




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  10. Ich nehme dein 'Danke',
    liebe Sylvia,
    herzlich gern entgegen und an!

    Liebe Grüsse ins Wochenende
    Hausfrau Hanna

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