05.02.2021

Zwischen zwei Haltestellen (130)

Gestern nahm ich seit Langem wieder einmal das Tram in die Innenstadt. 
Am Aeschenplatz stieg eine etwa dreissigjährige, grossgewachsene Frau ein. Obwohl es viele leere Sitzplätze gab, stellte sie sich genau in die Mitte des sich leicht drehenden Teils, das zwei Tramwagen zusammen verbindet.
Die Frau wandte mir den Rücken zu. 
Plötzlich begann sie sich zu bewegen, tanzte wie nach einer inneren Musik mit den Füssen hin und her. Der Rumpf übernahm den Rhythmus. Sogar die lange, gelbe Schnur, die aus ihrer Manteltasche hing, schlackerte hin und her. 
Ich schaute fasziniert zu.
Plötzlich drehte sich die Frau um, und unsere Augen trafen sich. Dann sah ich, dass sie ein kleines Baby in einem Wickeltuch umgebunden hatte. 
"Ich glaubte ja vorhin, Sie würden zu 'Jerusalema' tanzen", sagte ich.
Lachend erklärte mir die Frau: "Oh nein! Meine Kleine konnte nicht einschlafen. Mein Bewegen beruhigt sie jeweils und hilft ihr dabei."
Nun lachten wir beide.
Ich vernahm, dass das kleine Mädchen vor drei Monaten zur Welt kam und Nova hiess.
Am Marktplatz stieg ich aus.
Wir wünschten uns gegenseitig einen schönen Nachmittag und alles Gute.  
Nova, das ihre Mutter als absolutes Wunschkind bezeichnet hatte, schlief unterdessen friedlich.


Kommentare:

  1. Herzerwärmend. Diese Begegnung hätte ich auch gerne gehabt :o).

    Ganz liebe Grüße von Ihrer stillen und mit Freude regelmäßigen Leserin Ina

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    1. Mich,
      liebe Ina,
      hat diese Begegnung im ÖV ebenfalls sehr gefreut :)

      Liebe Grüsse zu dir und Danke für deinen Kommentar
      Hausfrau Hanna

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  2. Wie schön ist das denn! So eine feine Begegnung.
    Und noch immer beruhigt es die Kleinkinder, wenn es schaukelt und wiegt - und an Mamas Bauch sowieso.
    Ihnen einen weiteren erlebnisfrohen Tag!
    Und lieben Gruss,
    Frau Quer

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    1. Eine spontane,
      liebe Frau Quer,
      und feine Begegnung war es! Für beide Seiten :)

      Auch Ihnen heute einen rundum frohen und schönen Tag!
      Liebe Grüsse aus der Stadt
      Hausfrau Hanna

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  3. unwillkürlich drehte und wiegte ich mich grad auf meinem schreibtischstuhl:-))). eine ganz feine, zarte, wunderbare
    begegnung erzählst du, danke!
    lieber gruß ins wochenende
    Sylvia

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    1. Genauso,
      liebe Sylvia,
      wie du es beschrieben hast, war die Begegnung zwischen Aeschenplatz und Marktplatz.
      Vielleicht, habe ich jetzt soeben gedacht, spielt auch die Maske, das halb verborgene Gesicht eine Rolle und hilft bei solchen Begegnungen...

      Lieben Gruss in des Samstagabend
      Hausfrau Hanna

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  4. wunderbares erlebnis, es freut mich zu lesen und beruhigt mich, dass es sowas gibt. schönen sonntag, gruss roswitha

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    1. Ja,
      liebe Roswitha,
      sowas gibt es! Im ÖV habe ich es zum ersten Mal so erlebt. Beim Unterwegssein mit Maske jedoch schon oft...

      Auch dir einen schönen Sonntag, liebe Grüsse
      Hausfrau Hanna

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