01.11.2011

Schwanensee und roter Fluss


Am Abend des 31.Oktobers 1986 wurde live von der Grossen Bühne des Stadttheaters im Schweizer Fernsehen das Ballett 'Schwanensee' übertragen.
Meine fernsehlose Freundin Christine kam zu Besuch.
Auf dem einen Kanal wurde die getanzte Bühnenaufführung übertragen, auf dem andern das Geschehen hinter der Bühne. Und für diese voyeuristische und deshalb spannendere Variante entschieden wir uns dann auch.
Wir sahen den Menschenschwänen beim Aufwärmen zu.
Sahen sie graziös trippelnd verschwinden durch den seitlichen Vorhang und nach dem Auftritt schwitzend und schweratmend wieder erscheinen und zu Boden sinken.
Gegen Mitternacht verabschiedete sich Christine und ging nach Hause.
Und ich ging zu Bett mit dem Gefühl, etwas ganz Besonderes, Schönes erlebt zu haben.

An- und abschwellende Sirenen sowie von den Strassen herauftönende Polizeidurchsagen, die Fenster zu schliessen und drinnen zu bleiben, rissen uns aus dem Schlaf.
Es war eine konfuse, angstmachende Situation.
Irgendwann am Vormittag dieses 1.Novembers kam dann die Entwarnung im Radio:
Schweizerhalle hat gebrannt. Die Gefahr ist vorbei.
Auf der Herbstmesse hatte es soviele Menschen, wie wohl noch nie zuvor. Die meisten vermummt mit Schals gegen den Fauleiergestank.
Dann der vom Löschwasser rotgefärbte Rhein. Die tot vorbeitreibenden Fische.
Die Sorge, dass sich der Fluss nie wieder erholen würde.
Die unterschwellige Angst, dass sich wieder einmal solche Katastrophe ereignen könnte.
Die Wut auf die Politiker. Und auf ihre Beschwichtigungen und Verharmlosungen.
Und das Gefühl: Wir sind davongekommen.

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